Samstag, 23. Juli 2011

Kindermeßbuchsuche

In der Reihe "Kindermeßbuchsuche" bin ich noch das -- ziemlich banale -- Ergebnis schuldig. Wir haben das Buch inzwischen gefunden. Wobei es nicht wirklich ein Kindermeßbuch ist, sondern -- das Gotteslob.

Die ganze Suche fand also ihr Ende, nachdem unser Ältester lesen gelernt hatte. Seitdem liest er meist zumindest das Hochgebet im Gotteslob mit. Das einzig "Dumme" ist, daß bei uns eher selten das zweite Hochgebet genommen wird, sondern meist das dritte oder das vierte -- da dauert es schonmal einen Moment, bis die richtige Seite gefunden ist :-)

Freitag, 22. Juli 2011

Theodizee gelungen, Gott tot

Josef Bordat hat gestern einen kurzen Aphorismus zur Theodizeefrage gepostet, den er von Odo Marquard abgeleitet hat. Darum hier nun den meines Erachtens treffendsten Ausspruch Marquards zur Theodizee:

"Theodizee gelungen, Gott tot."
Odo Marquard: Schwierigkeiten beim Ja-Sagen; in: Willi Oelmüller (Hg.): Theodizee – Gott vor Gericht?; München 1990, 87–102, hier 98.

Ganz davon abgesehen, daß dieser Spruch schon völlig kontextlos ziemlich treffend wirkt (auf mich jedenfalls), da der menschliche Versuch, Gott angesichts der Übel der Welt zu rechtfertigen, immer schon einem Gottesmord gleichkommen muß, spielt sich dabei doch der Mensch als Anwalt eines ihm überlegenen Wesens auf (uarghs, allein bei dieser Formulierung kräuseln sich mir die Fußnägel auf), bekommt er bei genauerer Betrachtung noch dazu einen ziemlichen philosophiegeschichtlichen Tiefgang.

Das Erdbeben von Lissabon 1755 hatte die Leibniz'sche Theodizee (beste aller möglichen Welten) auf praktische Weise als unglaubbar ad absurdum geführt. Zwar war sie nach wie vor denkbar, hatte aber praktisch keine Überzeugungskraft mehr. Die Philosophie reagierte im großen und ganzen damit, die schon von Leibniz unterschiedenen Sphären von malum physicum und malum morale dergestalt zu trennen, daß für das malum morale nur noch der Mensch, fürs malum physicum aber die Naturgesetze, mithin also keine Person und damit keiner verantwortlich ist. Die Natur funktioniere eben so. (Das malum metaphysicum scheint dabei irgendwie klammheimlich auf der Strecke geblieben zu sein.)

Dieses Denken setzt natürlich ein deistisches Gottesbild voraus, nach dem Gott nicht mehr in seine Welt eingreift, nachdem er ihr einen Schöpfungsimpuls gegeben hat, ihre Entwicklung quasi "angestupst" hat (nur so ist Gott auch nicht für die Gesetze, nach denen seine Schöpfung funktioniert, verantwortlich). Damit reduziert sich die Frage nach dem Bösen in der Welt auf das malum morale, für das eben allein der Mensch verantwortlich ist (im Zweifel aus geistiger Trägheit, weshalb er aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit befreit werden muß).

Angesichts des Bösen in der Welt zu rechtfertigen ist damit nicht mehr Gott, sondern der Mensch. Eigentlich ist die Theodizee damit zur Anthropodizee geworden, und in ihrer "Lösung" kommt Gott im eigentlichen Sinne nicht mehr vor. Die "Lösung" der Theodizee wird mit einem dermaßen schwachen Gottesbild erkauft, daß man mit Fug und Recht sagen kann, das hat nicht nur nichts mehr mit dem sich offenbarenden Gott der Bibel zu tun, sondern erinnert auch nur noch vage an den Gott, wie ihn frühere Philosophen mit Ihrer Vernunft erkannt hatten. Eben: "Theodizee gelungen, Gott tot."

Donnerstag, 21. Juli 2011

Irgendwann ist immer das erste Mal...

Kann ein einzelner Mensch einen dermaßen verheerenden Einfluß auf seine Umgebung haben, daß er sie geistlich abtötet?

Um nicht lange um den heißen Brei herumzureden: Ich glaube, einen solchen Menschen getroffen zu haben. Selbstverständlich heißt das nicht, daß ich demjenigen Böswilligkeit unterstelle. Aber böser Wille ist keine notwendige Voraussetzung, um Böses zu tun. Daß nämliche Person einen unguten Einfluß auf mich hat, habe ich relativ bald gemerkt, nämlich daran, daß meine Laune ohne sie deutlich besser war. Aber daß sie schleichend mein geistliches Leben negativ beeinflußte, das zu bemerken, dauerte länger.

Erst nach einer kurzen Zeit komplett ohne diese Person, die in großer Klarheit resultierte, und der Feststellung, daß in der Zeit mit dieser Person danach mein geistliches Leben wieder in Unklarheit, Unsicherheit, Antwortlosigkeit und Verunsicherung abglitt, kam mir der Verdacht. Geradezu bestätigt wurde er dadurch, daß sich plötzlich und ohne andere Einflußänderungen außer der Abwesenheit jener Person der Nebel wieder zu lichten begann.

Sicher, es gibt die Erfahrung einer Zeit der geistlichen Dürre, die keinen anderen Grund hat, als daß Gott eben der ganz Andere ist und nicht der bloß "liebe" Gott, der keinem weh tut und allen gibt, was sie sich wünschen. Aber diese Erfahrung dürfte sich kaum so deutlich auf eine bestimmte Person zurückführen lassen. Jene Person wirkte auf mich bzw. mein geistliches Leben wie eine Glocke, die sich über mich stülpte und von Gott abschnitt.

Bei genauerer Betrachtung  zeigt sich auch, wie sein Einfluß auch auf andere wirkt, wie in seinem Umfeld alles durcheinandergeworfen wird, wie die Ordnung sukzessive zerstört wird, wie aus einem Team lauter Einzelkämpfer werden, die auf eigene Faust versuchen, ihre je eigenen Interessen durchzusetzen, obwohl sie bei Kooperation wohl alle besser dastünden...

Mittwoch, 20. Juli 2011

Wat'n scheiß Wetter...

"Du bist das Problem!"

Mittlerweile ist mein dreisemestriger Ausflug ins Priesterseminar schon seit einem Jahrzehnt vorbei. Viele haben damals den Eindruck gewonnen, ich hätte ihn wegen des Zölibats beendet. Durchaus nachvollziehbar aufgrund zeitlicher Koinzidenzien. Tatsächlich war aber eine ganz andere Ursache maßgeblich, die mich überhaupt erst für einen anderne Lebensentwurf wieder offenwerden ließ.

Kurz zusammengefaßt: Nach einem völlig idealistischen Start habe ich mir ein Semester lang zunehmend erstaunt die Verhältnisse angesehen (die, wie ich später erfahren habe, bei uns sogar noch relativ harmlos waren), ein weiteres Semester Material gesammelt und im dritten den -- wie ich heute weiß: aussichtslosen -- Versuch gestartet, was zu ändern (und bevor sich ein Conblogger beschwert: natürlich war ich nicht alleine :-).

Grundübel war, daß nach außen hin Heile Welt gespielt wurde, im stillen Kämmerlein aber ein Großteil der Seminaristen über den mehr oder weniger unsinnigen Alltag meckerte (und das nicht [nur] zu Unrecht; bis heute verstehe ich nicht, warum der einzige absolut indispensable tägliche Pflichtprogrammpunkt das Mittagessen war -- wegen der Ankündigungen!). Solche Heuchelei hat mich damals aufgeregt, und sie tut es heute noch viel mehr.

Dummerweise wurden wir als die Überbringer der schlechten Nachricht von der Hausleitung als das eigentliche Problem angesehen. Im Grunde wäre es ja eine berechtigte und sogar notwendige Reaktion der Leitung, denjenigen, die damit provozieren, im Seminar fielen Anspruch und Wirklichkeit fundamental auseinander, die Ohren lang zu ziehen. Das ist aber nicht passiert. Die direkten Gespräche waren von einer recht sachlichen, fast freundlichen Atmosphäre geprägt, man hat nicht wirklich Konflikte angesprochen oder gar ausgetragen, sondern viel geredet und im Grunde nichts gesagt.

Irgendwann (nach der nächsten direkten Provokation) wurden wir dann ohne viel Federlesens zum Bischof geschickt. Wow, dachte zumindest ich mir, vielleicht nimmt uns jetzt endlich mal einer ernst. Pustekuchen. Der Bischof empfing uns demonstrativ zwischen Tür und Angel (er schien sich gerade zwischen zwei Terminen umzuziehen) und wies unsere Bitte ab, ein Gespräch ohne die Hausleitung zu führen. Danach kam ein bißchen belangloses Geplänkel, dann durften wir wieder abziehen. Was uns damals mächtig enttäuscht hat. Heute habe ich (nach mehr Erfahrungen mit kirchlichen Führungsstilen und nämlichem Bischof) eine andere Deutung: Nicht uns hat er abblitzen lassen, sondern die Hausleitung, die sich nicht selbst zu helfen wußte  denn genau das hat er uns geantwortet auf die Frage, warum wir denn dann überhaupt dieses Gespräch hätten: "Weil mein Freund, der Regens, mich darum gebeten hat." Bei genauerer Betrachtung die schwächste aller möglichen Begründungen.

Das alles schreibe ich hier nicht so ausführlich, weil ich zehn Jahre alte Ereignisse öffentlich verarbeiten muß, sondern weil dies meine erste Konfrontation mit einem Schema war, das ich seitdem immer wieder in (nicht nur, aber vor allem) kirchlichen Kontexten erlebt habe: Leitungsversagen durch Mangel an Verantwortungsübernahme. Denn genau das ist Leitung im wesentlichen: Übernahme von Verantwortung für andere und ihr Handeln (woraus sich im Umkehrschluß Gehorsam bzw. Weisungsgebundenheit der "anderen" ergibt). Was ich damals noch für eine ziemlich merkwürdige und eigentlich völlig unwahrscheinliche (drei von vier Angehörigen der Hausleitung waren, nunja, vorsichtig formuliert: nicht die optimalste[sic!] Besetzung), zufällige Ausahmesituation hielt, ist eher die Regel als die Ausnahme, insbesondere in der Kirche, da wir ja niemandem weh tun dürfen.

Die Ursache ist mittlerweile aber wohl weniger eine irrige ekklesiologische und/oder moraltheologische Ansicht als vielmehr das häufige Fehlen positiver Vorbilder. Selbst (oder vielleicht sogar gerade) die, die als Untergebene den Führungsstil ihrer Vorgesetzen kritisieren, reproduzieren genau diesen Stil, wenn sie in Amt und Würden kommen. Nun heißt das Peterprinzip ja nicht deshalb so, weil es ausgerechnet am Beispiel der Kirche entwickelt wurde, aber die Kirche wäre ein guter Untersuchungsgegenstand, um es empirisch zu belegen. Denn während etwa die Bundeswehr auch nicht gerade ein Hort lauter aufrechter und herausragender Führungspersönlichkeiten ist, geht die Kirche nicht gleich(!) im Gefecht unter, wenn die Unterführer taktisch ihr eigenes Ding machen, statt die Strategie des Stabes umzusetzen. Meine Pastoralprofessorin pflegte zu sagen, jedes Wirtschaftsunternehmen wäre schon lange pleitegegangen, wenn in ihm (wie in der deutschen Kirche) ersteinmal alles als völliger Bockmist abqualifiziert würde, was von der Zentrale kommt. Natürlich hinkt der Vergleich, gerade auf theologischer Ebene, aber er bringt einen Aspekt gut auf den Punkt: Kein normaler Angestellter könnte sich leisten, was im kirchlichen Dienst häufig die Regel ist.

Damit sind wir auch schon beim eigentlichen, das Problem reproduzierenden Kern, der wie dieser Post im Seminar beginnt: Woher sollen die späteren Führungskräfte wissen, wie man leitet, wenn sie nicht zu den wenigen gehören, denen es quasi angeboren ist, die Führung zu übernehmen. Wer schon im Seminar lernt, Klappe halten, nicht aufmucken, Formalia erfüllen und ansonsten das eigene Ding durchziehen, und das dann als Kaplan verinnerlicht, woher soll der dann wissen, wenn er als Pfarrer das erste Mal wirklich Leitungsverantwortung übernehmen muß, wie das gehen soll. (Ersetze wahlweise "Seminar", "Kaplan" und "Pfarrer" durch "Pastroalassistentenzeit", "Pastoralreferent" und "Abteilungsleiter".) Der Fisch stinkt, wenn nicht vom Kopf, so doch von der (ausgesprochen breiten) mittleren Führungsebene her.

Daß das auch in Rom nicht unbemerkt geblieben ist, zeigt sich nach meinem Eindruck übrigens in der relativ geräuschlosen Verlängerung der Dienstzeit deutscher Bischöfe zum Teil auch trotz schwerer Erkrankungen über den 75. Geburtstag hinaus (Passau, Mainz, Dresden-Meißen...), die sich weniger mit der überragenden Leistung der entsprechenden Bischöfe als mit der Herkulesaufgabe der Nachfolgeregelung erklären läßt...

Dienstag, 19. Juli 2011

Ich fühle nichts


The more I see - the less I believe
The more I hear - the less I care


We used to be the chosen ones
Second to none
Look at what we've become
A pathetic excuse for life


I feel nothing

Libori-Bloggertreffen die Zweite

Sodele, da ich mich jetzt auf den Weg ins südliche Ostwetfalen (Bauern überholen rechts) mache, nochmal die Einladung zum Bloggertreffen auf Libori am kommenden Sonnabend.

Bleibt die Frage nach dem genauen Wann und Wo. Wenn ich das richtig einschätze, dürften die meisten, die sich angekündigt haben, untereinander schon (wieder-)erkennen können. Auf der anderen Seite habe ich mir sagen lassen, daß es während Libori nicht so ganz einfach sein soll, sich zufällig über den Weg zu laufen. Meine Frau schlägt ein Treffen nach der Vesper am Paradiesportal vor. Hab zwar keine Ahnung, wich ich da hinkomme -- bisher war ich erst einmal in der Paderborner Innenstadt, ansonsten kenne ich nur den Bahnhof sowie den Weg von dort aus der Stadt raus --, aber da meine Frau samt jüngster Tochter mit dabei ist, sollte ich Euch dann auch finden können. :-)

Oder hat jemand mit besserer Ortkenntnis einen besseren Vorschlag?

Montag, 18. Juli 2011

I'm back


Komisch, irgendwie scheints dieses Lied online nur in mehr oder weniger übersteuerten Fassungen zu geben...

Mittwoch, 6. Juli 2011

Kommunikationsfehler

Auf was man so stößt, wenn man "XPhome" als "X-Phone" statt als "[Windows] XP home" decodiert:


Ich würd's mir sofort kaufen, vor allem wegen der Abwärtskompatibilität :-)

Auch nett: Das Pomegranate Phone

Freitag, 1. Juli 2011

Umfrage von CiG

Christ in der Gegenwart macht eine Umfrage zum Dialogprozeß und nennt sie "Umfrage Kirche". Überraschenderweise gibt es sogar sinnvoll ankreuzbare Antworten unter den vorgegebenen, trotzdem brauchte ich bei fast allen Fragen die Freitexteingabe.

Geradezu frech finde ich allerdings, daß man nicht drumrumkommt, seine kompletten Adreßdaten anzugeben, ohne daß es eine vernünftige Datenschutzerklärung gäbe. Es gibt nur einen "Datenschutzhinweis": "Die Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben." Na, das ist ja wohl das mindeste. Aber wozu verwendet Christ in der Gegenwart bzw. der Herderverlag die Daten?

Ich habe da ja eine nicht leicht von der Hand zu weisender Vermutung: Aufmerksam wurde ich auf die Umfrage, weil sie mir gedruckt zugeschickt wurde. Mit demselben Fehler in der Adresse, der mir bei der Bestellung von "Gemeinsam Glauben" unterlaufen war... Nun denn, demnächst wundert sich vielleicht jemand mit einem gängigen Namen und einer Großstadtadresse über Werbung vom Herderverlag. Oder der Herderverlag über Rückläufer "Empfänger nicht bekannt". Schwachsinn!

Papst in Erfurt

Wer keine Karte für die Papstmesse in Erfurt bekommt, hat noch eine andere Chance: Es werden noch rund 200 Helfer gesucht (sowie 1.500--2.000 für Etzelsbach). Für Helfer von Auswärts ist sogar eine Übernachtungsmöglichkeit gegeben. Wobei sich ehrlicherweise die Frage stellt: Wenn der Einlaß um 7 Uhr morgens endet, wozu braucht man als Helfer dann eine Übernachtungsmöglichkeit?

Wie auch immer: Wer "volunteeren" möchte, findet hier den Anmeldebogen. Wer den Papst sehen will, sollte sich aber nicht als "Verkehrsvolunteer" melden -- die stehen zum Teil kilometerweit weg vom Domplatz, auch während der Messe...

Mittlerweile habe ich auch verstanden, wie die unsäglich niedrige Zahl von erlaubten Besuchern auf dem Domplatz zustandekommt: Der Papst blockiert gleich zwei Fluchtrichtungen, nur nach Norden und Osten kann der Platz evakuiert werden. Das ist der Preis dafür, daß doch das einmalige Ensemble auf dem Domberg den Hintergrund der Papstmesse bilden wird... :-/

Samstag, 18. Juni 2011

Libori-Bloggertreffen?

Und nochwas, bevor ich mich vorübergehend nochmal in die Versenkung begebe: Letztes Jahr hatte Sponsa Agni ein wenig sehr spontan ein Bloggertreffen zu Libori in Paderborn vorgeschlagen. Da die Reaktionen im großen und ganzen "bei etwas mehr Vorlauf wäre ich gerne gekommen" und ich in diesem Jahr zu Libori wieder in Paderborner Landen bin, schlage ich ein Bloggertreffen am Libori-Samstag, also am 23.7. vor. Wer will, wer kann dabeisein?

Freitag, 17. Juni 2011

KRAMPF!!!

Bevor ich voraussichtlich für die nächsten vier bis sechs Wochen noch einmal abtauchen muß (um dann wie der Phoenix aus der Asche wiederzuerstehen, versteht sich :-), will ich noch ein paar Dinge loswerden.

Ich habe den guten Kampf gekämpft. Seit Februar. Er ist so gut wie entschieden. Ich weiß nicht, ob ich ihn gewonnen oder verloren habe. Aber ich weiß, das ich Freiheit gewonnen habe. Daß ich seit anderthalb Wochen aus einer geradezu tödlichen (im geistlichen Sinne) Umklammerung befreit bin. Ich hatte ein ganz spezielles Pfingsten, das schon in der Novene losging, dem die Pfingstpredigt die Deutung und den Durchbruch gegeben hat: Der Tunnelblick ist aufgebrochen, das Feuer wieder da, die Sinnlosigkeit des Kampfes offenbart.

Dybart hatte recht, es war, es ist alles noch schlimmer. Wenn das tatsächlich Karneval ist, ist es ein teuflischer. Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen. Ich verabschiede mich daher in den "Untergrund", und der ist "hier". Unter anderem. Und auf den Straßen vor meiner Haustür. Eigentlich überall, wo ich gerade bin, nur nicht dort, wo ich war. Der Geist treibt mich raus. Raus aus dem Korsett der Sicherheit und vielfältigen Absicherung. Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Amen! Komm, Herr Jesus!

"Kirchweihe"

Gestern hatten wir eine Einladung zur "Kirchweihe". Dahinter verbarg sich die Abschlußstunde des Religionsunterrichts der Erst- und Zweitklässler in der Gemeinde. Uns wurde vorgestellt, was die vier Jungs (ja, es sind tatsächlich nur vier, und es sind alles Jungs, was einerseits rein zahlenmäßig betrachtet etwas schade ist, andererseits aber sowas wie ein pädagogischer Glücksfall ist) im letzten halben Jahr dort gemacht haben: Sie haben eine Kirche gebaut -- aus Papier und Pappe.

Die Kirche hatte (fast) alles, was eine Kirche braucht -- bis hin zur Kreuzform des Gebäudes (Kommentar der Gemeindereferentin: "Ist ja klar, braucht man nicht zu erklären." :-). Der Taufstein war am Eingang positioniert -- als "Eintritt in die Kirche". An der Stirnwand gab es einen Klappaltar -- ganz außen mit Heiligendarstellungen, unter anderem den vier Namenspatronen der Jungs, in der ersten Stufe dann Darstellungen vom Wirken und Predigen Jesu und in der letzten Stufe dann Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern. Den fehlenden Glockenturm (da fehlte die Zeit für) machten die Haupt- und zwei Nebenorgeln wieder wett. Im großen und ganzen also alles wunderbar.

Nur bei der Anordnung der Sitzbänke im Halb-Oval habe ich erst einen Schreck gekriegt, vor allem als dann auch noch die Frage kam: Warum haben wir das so angeordnet und nicht anders? Sämtliche Horrorszenarien aus dem Liturgievorlesungen/ Kirchenbauseminar kamen da in mein Gehirn geschossen. Die Antwort der Kinder war eine ganz andere: "Die Bänke bilden ein "C" wie Christus." Doch nochmal fragte die Gemeindereferentin nach: "Und warum noch? Was wollen wir sehen?" Nach der ersten Entspannung also der Schock: Jetzt heißt es gleich, die anderen, die Gemeinde, bla, blu, blups. Nein! Weit gefehlt: "Den Altar!" Klar, aus Sicht der Kinder ist die übliche Anordnung der Bänke hintereinander natürlich doof: Sie sehen nichts, außer ganz vorne (oder im Chorgestühl :-).

Alles in allem war ich sehr angenehm überrascht. Und fühlte mich bestätigt, meinen Sohn, der schon in der Schule Religionsunterricht hat, auch noch zusätzlich nachmittags in die Gemeinde zu schicken -- und mich hier im "Osten" wohl zu fühlen.

Donnerstag, 16. Juni 2011

Erstverkündigung

Per Mail kam zu meiner Frage nach "Glaubensinfos for takeaway" der Hinweis auf die Karl Leisner Jugend. Vielen Dank dafür.

Die hatte grundsätzlich auch schon auf dem Schirm. Das Material beschäftigt sich jedoch immer mit einer konkreten Frage -- was sehr gut ist, wenn man bedenkt, dass das entweder unter FAQ und Katechese läuft.

Was ich im konkreten Fall bräuchte, wäre ein Schnelldurchlauf durch den Kern des Glaubens. Und das Problem: Ich selbst komme vom Hölzchen aufs Stöckchen und kann nicht klar sagen, wo ist jetzt eigentlich die Grenze des Kerns?

Im Grunde geht es um Erstverkündigung gegenüber "Gewohnheitsatheisten" der dritten oder vielleicht schon vierten Generation. Die Frage "Wissen oder Glauben" könnte ich mir da schon noch vorstellen. Trotzdem erwarte ich eher weniger Vorbehalte, denen man apologetisch begegnen müßte, als vielmehr Interesse: Wofür steht ihr eigentlich? Und die Antwort sollte irgendwas mit Erlösung, Neuschöpfung usw. zu tun haben. Aber wie gesagt, von dort komme ich vom Hölzchen aufs Stöckchen -- und wundere mich, daß es solche Kurzzusammenfassungen offenbar nicht gibt. Andererseits dürfte sogar schon das apostolische Glaubensbekenntnis einen erschlagenden Umfang haben...

Bin gerade etwas ratlos... Um es nochmal auf den Punkt zu bringe: Ich suche Material zur "passageren" Erstverkündigung, also zu einer ersten, kleinen, aber entscheidenden Information über den katholischen Glauben, die man bei kurzfristigen, eher zufälligen und anonymen Treffen (nennen wir es doch einfach mal "Straßenevangelisation") weitergeben kann. Hm, mir kommt da noch der Gedanke, bei der Citypastoral anzufragen, aber irgendwie habe ich den Verdacht, da nicht unbedingt das zu bekommen, was mir vorschwebt. Hat da jemand Erfahrungen mit?

Mittwoch, 15. Juni 2011

Glaubensinfo for takeaway

Wo ich gerade wiedermal meinen Blog geöffnet habe, kann ich auch gleich eine Frage loswerden: Kennt jemand gutes Informationsmaterial über den katholischen Glauben und die Kirche (anlaßbezogen: vor allem auch über den Papst und seine Rolle in der Kirche), das man zu Aufstellern und/oder Flyern verarbeiten kann -- oder noch besser: gibt es sowas irgendwo zu beziehen?

Sadly, David Niven cannot be with us tonight... but he has sent his fridge

Ein Glück, daß es Ehefrauen gibt. Oder besser gesagt: Ein Glück, dass ich eine habe, die Blogs liest, während mir das seit mittlerweile sechs Wochen nicht mehr vergönnt war. Andernfalls wäre es glatt an mir vorbeigegangen, daß jemand mir bzw. meinem unwürdigen Blog allen Ernstes Preise verliehen hat -- just in der Zeit, als der nicht nur scheintot wirkt, sondern schon zu riechen angefangen hat.

Ich sage also herzlichen Dank an Phil, der zu dieser Wahnsinnstat bereit war, die ich als Aufforderung verstehe, meinen Blog nicht sterben zu lassen. Auch freut mich, daß ausgerechnet meine spleenigen Dauermacken die Preisverleihung begründen. Diese Macken in Kombination mit "lovely" und "kreativ" getaggt zu sehen, treibt mir fast das salzige Naß in die Augen. Dass mir ein Physiker Fachwissen unterstellt, ist zudem eine späte Genugtuung gegenüber meinem Mittelstufen-Physikunterricht, der für das chronische Mißlingen selbst des Katzenfellversuchs berühmt war... Das mit dem "King of Metal" hingegen ruft das merkwürdige Verlangen nach nietenbesetzten Fellunterhöschen hervor, und wird folgerichtig lieber von mir verdrängt. [*NEIIIIIIN!!! Kein Kopfkino! Kein Kopfkino!!!* -- blood, devestation, death, war, horror -- so, jetzt geht's wieder]

Genug der Lobhudelei! Der Preis ist mit der Aufforderung verbunden, ihn weiterzugeben:
Erstelle einen Post, in dem du das Award-Bild postest und die Anleitung reinkopierst (= dieser Text). Außerdem solltest du zum Blog der Person verlinken, die dir den Award verliehen hat und sie per Kommentar in ihrem Blog informieren, daß du den Award annimmst und ihr den Link deines Award-Posts hinterlassen. Danach überlegst du dir 3- 5 Lieblingsblogs, die du ebenfalls in deinem Post verlinkst & die Besitzer jeweils per Kommentar-Funktion informierst, daß sie getaggt wurden und hier ebenfalls den Link des Posts angibst, in dem die Erklärung steht.

Liebe Blogger: Das Ziel dieser Aktion ist, daß wir unbekannte, gute Blogs ans Licht bringen. Deswegen würde ich euch bitten, keine Blogs zu posten, die ohnehin schon 3000 Leser haben, sondern talentierte Anfänger & Leute, die zwar schon eine Weile bloggen, aber immer noch nicht so bekannt sind.

Entsprechend komme ich meiner Pflicht nach und gebe den Award weiter an:
  • Akatair für Anmerkungen donec venias, mit der mich verbindet, als stinknormales, kirchennahes Gemeindemitglied in kirchlichen Strukturen großgeworden zu sein und irgendwann bemerkt zu haben, eigentlich nach Strich und Pfaden um den eigentlichen Inhalt des Glaubens beschissen worden zu sein;
  • Gregorius Braun, dem Chestertonfanatiker der Blogoeszese, Apologeten und Freund erhaben-ritterlicher Klänge;
  • Magda für Maria, Mutter Friedenshort, schonmal alleine deshalb, weil sie kausalursächlich dran "schuld" ist, dass ich überhaupt auf die Blogoezese gestoßen bin, aber auch weil sie einen so herrlich unaufgeregten, "normalen" Blog führt;
  • Dem Nachtbriefträger für die Nacht des Herrn, der sich nicht scheut, Positionen zu beziehen, mit denen er zwischen allen Stühlen sitzt (gibt's noch einen in der Blogoezese, den man als Ökumeniker bezeichnen könnte?!).
Damit habe ich mich meiner Pflicht entledigt und kann zur Kür übergehen. Wenn ich mal wieder etwas mehr Zeit finden sollte. Spätestens in sechs Wochen ist hier aber mit Sicherheit wieder mehr los. Versprochen!

Dienstag, 7. Juni 2011

Mehltau, Mehltau, alles ist Mehltau

Das Wort des Herrn erging an mich: Menschensohn, sprich als Prophet gegen die Hirten Israels, sprich als Prophet und sag zu ihnen: So spricht Gott, der Herr: Weh den Hirten Israels, die nur sich selbst weiden. Müssen die Hirten nicht die Herde weiden? Ihr trinkt die Milch, nehmt die Wolle für eure Kleidung und schlachtet die fetten Tiere; aber die Herde führt ihr nicht auf die Weide. Die schwachen Tiere stärkt ihr nicht, die kranken heilt ihr nicht, die verletzten verbindet ihr nicht, die verscheuchten holt ihr nicht zurück, die verirrten sucht ihr nicht und die starken misshandelt ihr. Und weil sie keinen Hirten hatten, zerstreuten sich meine Schafe und wurden eine Beute der wilden Tiere. Meine Herde irrte auf allen Bergen und Höhen umher und war über das ganze Land verstreut. Doch keiner kümmerte sich um sie; niemand suchte sie. Darum ihr Hirten, hört das Wort des Herrn: So wahr ich lebe - Spruch Gottes, des Herrn: Weil meine Herde geraubt wurde und weil meine Schafe eine Beute der wilden Tiere wurden - denn sie hatten keinen Hirten - und weil meine Hirten nicht nach meiner Herde fragten, sondern nur sich selbst und nicht meine Herde weideten, darum, ihr Hirten, hört das Wort des Herrn: So spricht Gott, der Herr: Nun gehe ich gegen die Hirten vor und fordere meine Schafe von ihnen zurück. Ich setze sie ab, sie sollen nicht mehr die Hirten meiner Herde sein. Die Hirten sollen nicht länger nur sich selbst weiden: Ich reiße meine Schafe aus ihrem Rachen, sie sollen nicht länger ihr Fraß sein. Denn so spricht Gott, der Herr: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern. Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben, so kümmere ich mich um meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben. Ich führe sie aus den Völkern heraus, ich hole sie aus den Ländern zusammen und bringe sie in ihr Land. Ich führe sie in den Bergen Israels auf die Weide, in den Tälern und an allen bewohnten Orten des Landes. Auf gute Weide will ich sie führen, im Bergland Israels werden ihre Weideplätze sein. Dort sollen sie auf guten Weideplätzen lagern, auf den Bergen Israels sollen sie fette Weide finden. Ich werde meine Schafe auf die Weide führen, ich werde sie ruhen lassen - Spruch Gottes, des Herrn. Die verloren gegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist. Ihr aber, meine Herde - so spricht Gott, der Herr -, ich sorge für Recht zwischen Schafen und Schafen, zwischen Widdern und Böcken. War es euch nicht genug, auf der besten Weide zu weiden? Musstet ihr auch noch euer übriges Weideland mit euren Füßen zertrampeln? War es euch nicht genug, das klare Wasser zu trinken? Musstet ihr den Rest des Wassers mit euren Füßen verschmutzen? Meine Schafe mussten abweiden, was eure Füße zertrampelt hatten, und trinken, was eure Füße verschmutzt hatten. Darum - so spricht Gott, der Herr, zu euch: Ich selbst sorge für Recht zwischen den fetten und den mageren Schafen. Weil ihr mit eurem breiten Körper und eurer Schulter alle schwachen Tiere zur Seite gedrängt und weil ihr sie mit euren Hörnern weggestoßen habt, bis ihr sie weggetrieben hattet, deshalb will ich meinen Schafen zu Hilfe kommen. Sie sollen nicht länger eure Beute sein; denn ich werde für Recht sorgen zwischen Schafen und Schafen. Ich setze für sie einen einzigen Hirten ein, der sie auf die Weide führt, meinen Knecht David. Er wird sie weiden und er wird ihr Hirt sein. Ich selbst, der Herr, werde ihr Gott sein und mein Knecht David wird in ihrer Mitte der Fürst sein. Ich, der Herr, habe gesprochen. Ich schließe mit ihnen einen Friedensbund: Ich rotte die wilden Tiere im Land aus. Dann kann man in der Steppe sicher wohnen und in den Wäldern schlafen. Ich werde sie und die Umgebung meines Berges segnen. Ich schicke Regen zur rechten Zeit und der Regen wird Segen bringen. Die Bäume des Feldes werden ihre Früchte tragen und das Land wird seinen Ertrag geben. Sie werden auf ihrem Grund und Boden sicher sein. Wenn ich die Stangen ihres Jochs zerbreche und sie der Gewalt derer entreiße, von denen sie versklavt wurden, werden sie erkennen, dass ich der Herr bin. Sie werden nicht länger eine Beute der Völker sein, von den wilden Tieren werden sie nicht gefressen. Sie werden in Sicherheit wohnen und niemand wird sie erschrecken. Ich pflanze ihnen einen Garten des Heils. Sie werden in ihrem Land nicht mehr vom Hunger dahingerafft werden und die Schmähungen der Völker müssen sie nicht mehr ertragen. Sie werden erkennen, dass ich, der Herr, ihr Gott, mit ihnen bin und dass sie, das Haus Israel, mein Volk sind - Spruch Gottes, des Herrn. Ihr seid meine Schafe, ihr seid die Herde meiner Weide. Ich bin euer Gott - Spruch Gottes, des Herrn.
Ez 34

Freitag, 20. Mai 2011

"If you do not accept this offer, then i will not be happy because it is only you i trust."

Es gibt ja Spam/Phishing-Mails, die sind so dämlich, dass man sie einfach unkommentiert weitergeben muss (eigentlich geschickte Methode). Hier die neueste mich erreichende "Nigeria-Connection-Variante" (man beachte bitte die formvollendete Differenz zwischen Absenderadresse und Angabe in der Mail):

Betreff: MESSAGE!!!!
Von: Rev Lowe,Landra-Michelle [notic821@orangehome.co.uk]

An American, a missionary born on 11-27-69 in Texas.
1) people willed lots of fund to me before they died for my missionary work and charity..

2)My husband and only child died 9yrs ago,the shock made me develop this heart sickness. i got your profile of trust and love for mankind through a christian
that knows you.

3)I am dying of a serious illness and i willed One million USD to you in my last testament of WILL.

Please take this serious and Get back to me because you are not expected to pay any unecessary fees to get this Fund.But if you must pay any fees,i must assist you financially too.

If you do not accept this offer,then i will not be happy because it is only you i trust.Use part of the fund for charity and some for your personal welfare.i have some documents to give to you as soon as i hear from you today and i will direct you on the simple way to get the fund.(My identity card ).love you and my Lord loves you most.You are blessed by this email.respond to my private email: landramichellelowe@yahoo.com.hk

(God Bless you.
Rev Lowe,Landra-Michelle
Email: landramichellelowe@yahoo.com.hk

Montag, 9. Mai 2011

Brave New World

It seems in 2011 and the era of Facebook and Twitter we've completely lost any care for open standards. Maybe it's not just RSS that is dying - it's the entire premise of open standards that is dying, and I think that's really sad, and really bad for not just developers, but users in general.

Technisch gesehen ist die Wiege des Web 2.0 eigentlich die leicht Verknüpfbarkeit von Inhalten verschiedener Anbieter. Anders funktioniert ja ein Mashup überhaupt nicht (auch wenn ein Mashup vielleicht nicht gerade das Non-Plus-Ultra kreativer Leistung ist). Gerade Twitter ist mit (verhältnismäßig) offenen Standards groß geworden.

Ja, klar, 'ne API ist kein offener Standard im eigenen Sinne (eher im Gegenteil), und RSS nicht zu unterstützen bedeutet auch nicht zwangsläufig, sich von offenen Standards abzuwenden. Allerdings beschränkt sich das Abschotten bei Twitter ja nicht nur auf RSS-Feeds, sondern grundsätzlich wollen sie die Nutzer wieder auf die eigentliche Twitter-Homepage zwingen (oder warum sonst will Twitter wohl Tweetdeck aufkaufen???). Denn nur auf der eigenen Seite kann man mit Werbung Geld verdienen...

Bleibt natürlich die Frage, wo uns das alles noch hinführt. Im Augenblick habe ich den Eindruck, das Internet hat seine beste Zeit gerade hinter sich. Wir gehen mit großen Schritten zurück in die von abgeschottenten proprietären Systemen geprägten 80er. Klar, damals war auch nicht alles schlecht, und der vergleichsweise offene Standard "IBM-compatible PC" war von der technischen Zuverlässigkeit eigentlich auch nicht gerade das Gebe vom Ei. Dafür konnte man damit fast alles machen (nur halt nicht so einfach und problemlos wie auf den auf spezifische Anwendungen getrimmten Systemen). Und deshalb hat er sich weitgehend durchgesetzt.

In den 90ern und auch noch den frühen "Nuller-Jahren" ging die Entwicklung immer weiter in Richtung möglichst hoher Kompatibilität. Unabhängig von Hardware und Betriebssystem sollten Anwendungen funktionieren können. Jedes System sollte mit jedem anderen System halbwegs kommunizieren können. Anders funktioniert die Idee des Internets ja gar nicht.

Daß sich nun ausgerechnet diese Flash-Seuche als dasjenige rausstellte, was dann bei allen irgendwie lief und auch für die Anbieter halbwegs praktikabel war, konnte man anfangs ja noch verschmerzen. Aber mittlerweile erscheint es als der erste Schritt in die falsche Richtung. HTML5 kommt also schätzungsweise 15 Jahre zu spät.

Seit einigen Jahren arbeitet Steve Jobs daran, ein geschlossenes Apple-Internet aufzubauen. Facebook verfolgt das eindeutige Ziel, der eigentliche und möglichst einzige Zugang zum Internet zu werden -- für viele Nutzer ist es das schon, und darüber verdient die Firma ihr Geld. Google erscheint dagegen geradezu als Waisenknabe, sind die verschiedenen Dienste auch unabhängig und mit nicht aufeinander abgestimmten Accounts zu nutzen (wobei die Bequemlichkeit ja doch sehr verleitet), vor allem aber kann man das Internet mit entsprechendem Proxy sowie Cookie- und Script-Blocker auch mithilfe von Google benutzen, ohne bis in die Details seines Nutzungsverhaltens ausgespäht zu werden (gut, dafür kann das wiederum der Proxy machen...). Die "Appisierung" des mobilen Internets erinnert erschreckend an längst vergangen geglaubte Zeiten: Für jedes Smartphone-OS muß die App komplett neu programmiert werden (hier hatte ich immer noch die Hoffnung, das sei nur eine vorübergehende Erscheinung). Nun also macht auch Twitter dicht. (Wobei ich ja glaube, die sind schon zu spät dran. Facebook ist besser aufgestellt, hat das potentere Grundkonzept und ist auch schon weit vorangeschritten; wenn es in fünf Jahren noch Facebook gibt, hat es Twitter entweder aufgekauft oder plattgemacht.)

Allmälich kann ich nur noch hoffen, daß Diaspora was taugt. Aber da gibt's ja eigentlich auch nicht mehr als vollmundige Absichtserklärungen. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, daß das Internet gerade ganz mächtig den Bach runter geht. Und wenn ich in den letzten 10 Jahren das Netz nicht allzu egoistisch rein nach eigenen Interessen genutzt hätte, hätte es mir eigentlich schon längst auffallen müssen: Kommunikativ war jeder weitere Schritt von schlechterer Qualität als der vorangehende. Was man damals noch für Geburtswehen verstehen konnte, die mit besseren technischen Möglichkeiten gelöst zu werden versprachen, zeigt sich mir heute (nacht) als erster Schritt auf der Vermassung der Internetkommunikation. Immer schneller, immer kürzer, immer nichtssagender -- immer egozentrischer.

Nunja, vielleicht liegt's auch nur an der späten Uhrzeit, daß ich gerade meinen eigenen deprimierten Egotrip ins Netz gieße. Drum geh' ich jetzt besser ins Bett, und morgen sieht mein Internet bestimmt schon wieder viel hybscher aus. Trotzdem, ich werde das Gefühl nicht los, daß die Zukunft auch nicht mehr ist, was sie mal war...

Freitag, 29. April 2011

Neuer Aufbrauch in alten Schläuchen?

Ich gebe ja zu, dass mein Blog nicht gerade der Hort aktuellen Webdesigns ist. Und ich gebe auch zu, dass er ein ganz klitzekleinesbißchen textlastig erscheinen könnte. Aber immerhin gibt es Inhalte die über reine Linkrutschen und verlinkte PDF-Dateien hinausgehen.

Bei der Dialog-Seite des ZdK muss man hingegen ganz schön suchen. Auch graphische Elemente sind eher übersichtlich. Ganze vier habe ich gefunden -- davon ein Bild des Präsidenten und drei Logos (ZdK, Katholikentag und Erzbistum Freiburg). Wenn's wenigsten ein bißchen "klicki-bunti" wäre, dann könnte man es ja noch als Web 1.0-Experimental-Gedächtnisseite würdigen. Aber so?

Ne Leute, das geht ja gar nicht! Wozu gibt es eigentlich der href-Tag, wenn man die Links dann allesamt bis zum letzten Fragezeichen und Komma ausschreibt?! Vielleicht hätten sie wirklich mal jemanden fragen sollen, der sich mit sowas auskennt.

Ach ja, Dialog geht übrigens so: Auf der Startseite, die passenderweise den Seitentitel "Privat" trägt, steht ganz unten ein unscheinbarer "Hinweis": "Bitte senden Sie uns Interessantes aus Ihrem Bereich, auf das wir auf der Seite hinweisen sollen, als Information oder als Link an $E-MAIL-ADRESSE. Eine Auswahl dessen, was wir einstellen, behalten wir uns vor."

Dienstag, 26. April 2011

What once was is quickly forgotten

"...und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben."

"...daher widersetzt sich der Lehre der katholischen Kirche, wer diese als endgültig zu haltenden Sätze ablehnt." (CIC Can. 750 §2)

Nur falls das noch irgendjemandem unklar war.

Montag, 25. April 2011

Gott ist kein Kalb

testis gaudii meint, das sei eine coole Sache:



Auf den ersten Blick, hätte ich dem zugestimmt. Ein WJT-Flash Mob an sich ist schon eine coole Idee, aber, leider, leider, muß eine coole Idee auch gut ausgeführt werden, und daran scheint es mir zu hapern.

Daß da der Begriff Flah Mob langsam aber sicher etwas überstrapaziert wird, kann man noch übergehen, zumals es die Videobeschreibung bei Youtube auch treffender "surprise performance" nennt. Aber mich irritieren Song und Performance selbst ziemlich, so daß ich mich frage, ob da nur keine drüber nachgedacht hat, oder ob sie wirklich nicht wissen, was sie da tun.

Der Song "God is a DJ" ist jedenfalls alles andere als christlich zu nennen (und stammt passenderweise ja auch von "Faithless"). Hat es gereicht, daß da die Worte "God", "church", "love" und "compassion" drin vorkommen? Ich habe extra nochmal genau hingehört, ob sie nicht eventuell was am Text geändert haben; haben sie aber nicht. Sind wir schon so tief gesunken, daß wir den Kakao, durch den wir gezogen werden, auch noch trinken? Oder bin ich der einzige, der die Aussage des Songs bei genauerer Betrachtung darin sieht, daß die Erlösung im Tanz und in der Musik gesucht wird?

Dazu wirkt die Performance auf mich wie ein Tanz um das Goldene Kalb. In der Mitte ein Podest, auf dem -- passend zum Song! -- Lautsprecherboxen stehen, und auf dem sich am Ende auch noch ein DJ findet, dazu winkende Arme, die sich diesem Podest entgegenstrecken. Insbesondere ohne Ton wirkt das wie eine pervertierte Form von Anbetung. Und dann noch dieser Herr in weiß, der da irgendwie spirituell ergriffen durch die Tanzenden schreitet und das Podest anhimmelt -- auf dem kurz darauf tatsächlich ein DJ auftaucht. Natürlich passend ins Bild gesetzt zur Textzeile "God is a DJ".

Vielleicht fehlt mir ja einfach nur die kindliche Unbewschwertheit des Jungen bei 3:39, mit der ich das ganze unhinterfragt als spaßiges und werbewirksames Event stehen lassen kann. Leider kann ich gerade bei Musik mein Hirn nicht ausschalten, im Gegenteil, Musik regt mein Denken an, gerade auch auf einer nicht-rationalen, emotionalen Ebene. Und ich habe gelernt, daß Ästhetik immer eine (ggf. unbewußte) Botschaft überträgt, die auch entsprechend rationalisiert werden kann. Vielleicht interpretiere ich das anders, als es auch seiner Eigenlogik interpretiert werden müßte. Dieses Phänomen ist mir schon öfter über den Weg gelaufen. Aber irgendwie habe ich bei Aktionen, bei der die Kirche sich krampfhaft modern darstellen will, ein schlechtes Gefühl, was die Eigenlogik angeht... Sollte ich mich irren, klärt mich bitte auf.

P.S.: Der kreiförmige Haarausfall bei 3:04 paßt da irgendwie auch wieder ins Bild. :-)

Sonntag, 24. April 2011

Gebetsstöckchen

Eine Gebetsbitte aus der Osternacht möchte ich weitergeben:

Ein Priester hatte am Karfreitag eine schweren Autounfall und liegt jetzt in der Klinik. Unter anderem hat er einen angebrochenen Rückenwirbel.

Apropos Rückenwirbel: Es schadet bestimmt auch nicht, den Verkünder dieser Gebetsbitte, unseren Pfarrer, mit ins Gebet einzuschließen, der sich bei einem Sturz kurz vor Weihnachten gleich mehrere Rückenwirbel angebrochen hatte und in dieser Woche in die Rehabilitation geht.