Irgendwann in den nächsten zwei bis drei Jahren dürfte ich mein zwanzigjähriges Internetjubiläum haben. Am Anfang war es ein großes Spielzeug, eine Möglichkeit, andere Bekloppte kennenzulernen, was bei mir damals eher mit Al Bundy als mit Jesus Christus zu tun hatte... Richtig spannend wurde es erst nach der Entdeckung des Usenets (Foren waren mir mit 'nem Modem einfach zu langsam, und umständlich finde ich sie heute noch; bei den sozialen Netzwerken fehlt mir das "hierarchische Element" ;-). Und damit begann auch mein "Beklopptheitswandel" zu mehr Glaubensdiskussionen.
Meine Erfahrung war ziemlich schnell, vor allem in der Auseinandersetzung mit Freikirchlern, daß es uns Katholiken zum einen ganz mächtig an Faktenwissen mangelt, zum anderen aber an einer spezifischen Katholiziät in der Argumentation. Wenn ich mich auf eine Diskussion mit einem Freikirchler einlasse, ohne mir bewußt zu sein, daß ich seine Voraussetzung der rein biblischen Argumentation nicht teile, dann habe ich früher oder später das Problem, daß ich ihm die katholische Lehre nicht erklären und schon gar nicht begründen kann. Denn ich argumentiere ja gar nicht katholisch, sondern freikirchlich. Wie soll da also was Katholisches bei rumkommen? Zum Glück gab es da immer auch ein paar besonders "Bekloppte", die genau diese Diskrepanz thematisierten: "Klar, unter deinen Voraussetzungen kann man das gar nicht anders denken. Aber wir Katholiken haben andere Voraussetzungen. Und daß nur die Schrift allein zähle, läßt sich mit ihr selbst gar nicht begründen. Wohl aber die Tradition, denn die ist älter."
In den Folgejahren habe ich das dann anzuwenden versucht. Die neue Erfahrung war: Wenn man wirklich von den Grundlagen bis zu den Details katholisch argumentiert, erreicht man zwar nicht unbedingt Zustimmung, schon gar nicht existentielle, aber doch selbst von bekennenden Atheisten Respekt für die (wider Erwarten?) vorhandene innere Logik des christlichen (katholischen) Glaubens. Und manchmal auch mehr.
Reißt man aber auch nur an einer kleinen, nach der Hierarchie der Wahrheiten vermeintlich unbedeutenden Stelle ein notwendiges Element der Lehre heraus, bricht über kurz oder lang das ganze, über knapp 2000 Jahre sorgsam austarrierte Gebäude zusammen. Eine Zeitlang wird man mit wilden Stützbauten den Zusammenbruch noch aufhalten können, aber für diese Stützbauten muß man weitere tragende Elemente abtragen, die dann ihrerseits Stützbauten brauchen. Schließlich werden diese Stützbauten aber nicht mehr auf dem tragenden Fundament stehen, das Christus selbst ist. Spätestens dann wird einem die ganze Bautätigkeit um die Ohren fliegen.
Liegt also die gegenwärtige Schwäche der katholischen Kirche (im deutschsprachigen Raum) zu einem nicht ganz unwesentlichen Teil nicht daran, daß schon die Grundlagen nicht bekannt sind und intuitiv eher protestantisierende Selbstverständlichkeiten für katholisch gehalten werden? Erst kürzlich hatte ich eine Diskussion in eigentlich bewußt-katholischem Kontext. Die Mitdiskutanten haben den Vorwurf des Protestantisierens entrüstet von sich gewiesen. Und doch lief da immer untergründig so eine unkatholische "Fortschrittsfeindlichkeit" mit, nach der eine Lehre, die erst im Mittelalter entstand und heute nochmals ganz anders ausehe als zu ihrer Entstehung, ja nicht so wichtig sein kann. Tja, und es kam wie es kommen mußte: Nachdem diese Lehre über Bord gegangen war, wurden auch gleich weitere Lehren, mit denen ich argumentieren wollte, als offenbar "nicht mehr zeitgemäß" (oder so) abgelehnt. "Ad Fontes" in allen Ehren -- aber wo bleibt da der "Geist, der uns in alle Wahrheit einführen wird"?
Mich macht das immer ein wenig traurig. So wird das jedenfalls nichts mit der Neuevangelisierung...
In ipsa item catholica ecclesia magnopere curandum est, ut id teneamus, quod ubique, quod semper, quod ab omnibus creditum est.
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Mittwoch, 11. April 2012
Mittwoch, 4. April 2012
Sonntag, 25. März 2012
Unfaßbar
Ich kann's immer noch nicht glauben. Am Freitag habe ich erfahren, daß in meine Tauf- und Heimatkirche eingebrochen wurde. Was wurde geklaut? Der TABERNAKEL! Zielstrebig und ausschließlich!! Samt Inhalt!!!
Da sind mir Ziel und Motiv relativ egal.
Die Einbrecher haben sich nicht für andere Kunst- und Wertgegenstände interessiert, aber in der Sakristei die dort gelagerten Schlüssel durchsucht. Es liegt nahe, daß sie den Tabernakelschlüssel gesucht haben.
In der Gemeinde existieren zwei Theorien. Die erste ist: Die Einbrecher waren Satanisten auf der Suche nach zu verunehrenden Hostien. Nachdem sie den Schlüssel nicht gefunden haben, haben sie gleich den ganzen Tabernakel mitgehen lassen.
Die zweite ist im Kern auch die der Polizei: Wie auf diesem Bild zu sehen ist, ist der Tabernakel ein dunkler Klotz (mit zwei eingesetzten Bergkristallen) auf hellem Travertin -- KUPFER. In dieser Deutung könnte die (nach einem Zeugen) möglicherweise osteuropäische Herkunft der Täter dafür sprechen, daß sie den Tabernakelschlüssel gesucht haben, um den Inhalt gerade nicht mitnehmen zu müssen.
Aber das ist schlußendlich völlig egal.
Da sind mir Ziel und Motiv relativ egal.
Die Einbrecher haben sich nicht für andere Kunst- und Wertgegenstände interessiert, aber in der Sakristei die dort gelagerten Schlüssel durchsucht. Es liegt nahe, daß sie den Tabernakelschlüssel gesucht haben.
In der Gemeinde existieren zwei Theorien. Die erste ist: Die Einbrecher waren Satanisten auf der Suche nach zu verunehrenden Hostien. Nachdem sie den Schlüssel nicht gefunden haben, haben sie gleich den ganzen Tabernakel mitgehen lassen.
Die zweite ist im Kern auch die der Polizei: Wie auf diesem Bild zu sehen ist, ist der Tabernakel ein dunkler Klotz (mit zwei eingesetzten Bergkristallen) auf hellem Travertin -- KUPFER. In dieser Deutung könnte die (nach einem Zeugen) möglicherweise osteuropäische Herkunft der Täter dafür sprechen, daß sie den Tabernakelschlüssel gesucht haben, um den Inhalt gerade nicht mitnehmen zu müssen.
Aber das ist schlußendlich völlig egal.
Sonntag, 26. Februar 2012
Donnerstag, 29. September 2011
PLONK!
Eigentlich will ich mich nicht mehr über das kleinkarierte, fortschrittslose Gelaber und dessen Protagonisten aufregen, und ich werde es auch nicht mehr tun. Deshalb mache ich es kurz: Wenn der Papstbesuch eines gebracht hat, dann die Spaltung der Kirche in Deutschland offensichtlich gemacht zu haben. Der große Abfall hat längst stattgefunden, und sein bester Trick ist, nicht offen erfolgt zu sein. Machts gut, und danke für den Fisch. Heuchler!
Samstag, 24. September 2011
Ἰησοῦς Χριστός Θεοῦ Ὑἱός Σωτήρ
Das Besuchsprogramm des Papstes wirkte auf mich lange wie aneinandergestückelt. Hier nochmal ein paar Minuten mehr, dort noch einen kleinen Programmpunkt eingeschoben. Wie soll aus so einem Stückwerk ein klarer Impuls für eine missionarische, erweckte, gestärkte Kirche in Deutschland hervorgehen? Ja, klar, jeder Punkt für sich völlig gerechtfertigt, und wo hätte man um der Geradlinigkeit des Programms willen besser kürzen können als in Erfurt? Μὴ γένοιτο!
Ich hätte mir nicht träumen lassen, daß ausgerechnet die Reden und Predigten des Papstes einen stimmigen Zusammenhang herstellen können (nicht, daß ich nicht große Erwartungen an sie hatte, aber sie sind meilenweit übertroffen worden). Nicht nur sind sie punktgenau auf den jeweiligen Ort und Anlaß geschrieben, sondern sie haben auch jeweils eine klare Kernaussage, und diese Kernaussagen zusammengesetzt ergeben einen klaren Impuls, einen Fingerzeig, in welche Richtung es weitergehen muß: Christus.
Und es wirkt: Ich habe schon gar keine Lust mehr, mich über all das kleinkarierte, fortschrittslose Gelaber in der deutsch-katholischen Kirche aufzuregen.
Ich hätte mir nicht träumen lassen, daß ausgerechnet die Reden und Predigten des Papstes einen stimmigen Zusammenhang herstellen können (nicht, daß ich nicht große Erwartungen an sie hatte, aber sie sind meilenweit übertroffen worden). Nicht nur sind sie punktgenau auf den jeweiligen Ort und Anlaß geschrieben, sondern sie haben auch jeweils eine klare Kernaussage, und diese Kernaussagen zusammengesetzt ergeben einen klaren Impuls, einen Fingerzeig, in welche Richtung es weitergehen muß: Christus.
Und es wirkt: Ich habe schon gar keine Lust mehr, mich über all das kleinkarierte, fortschrittslose Gelaber in der deutsch-katholischen Kirche aufzuregen.
Montag, 12. September 2011
Montag, 29. August 2011
Bei euch aber soll es nicht so sein
Immer wieder fällt mir bei meinen nicht-kirchlichen Aktivitäten auf, wie stark sich andere mit ihren Hobbys identifizieren, wieviel Zeit sie in diese stecken und welche Bedeutung sie für ihre Sozialkontakte haben, sei es Sport, sei es Musik, seien es Rollenspiele, Computer, Internet oder whatever. Ich hätte da nie soviel Zeit reinstecken können, und wunderte mich, wie das überhaupt gehen soll. Als Antwort hatte ich mir zurechtgelegt, daß ich ja stattdessen soviel Zeit in die kirchlichen Aktivitäten steckte.
Mit der Entdeckung der "Mysteria ecclesiae germanicae" ist diese Deutung allerdings in sich zusammengebrochen: Es gibt parallele Strukturen in der Kirche, in die andere soviel Zeit stecken wie meine Bekannten in ihre nicht-kirchlichen Hobbys, ich jedoch nicht. Da stellte sich mir dann wieder die Frage: Wie machen die das?! Die Antwort ist ebenso banal wie erschreckend: Die haben offenbar keine außerkirchlichen Kontakte.
Umso mehr scheint das sogar für hauptamtliche Mitarbeiter der Kirche (auch die Laien) zu gelten, die nicht einmal beruflich aus dieser Parallelwelt herauskommen. Im Gegenteil, die innere Logik und Dynamik des hauptamtlichen Kirchenbetriebs zieht einen geradezu da rein, wenn man nicht aufpaßt.
Von da aus ist es nicht mehr weit zur Heuchelei: Es geht um das Überleben im System, nicht um das Wachsen im Glauben, um die Verkündigung des Reiches Gottes, um die Mission. Dementsprechend ist es zwar wichtig, fromme Reden im Mund zu führen, aber nicht ihnen zu entsprechen.
Das muß natürlich nicht die Folge sein, und viele würden sich wohl zu Recht gegen den Vorwurf der Heuchelei verwehren. Allerdings sind mir tatsächlich einige Leute über den Weg gelaufen, die großes Heuchelpotential hatten (und es auch nutzten). Sie hatten ihre Ausbildung offenbar gut verinnerlicht -- sie wußten, wie man mit Leuten umgehen "muß", wie man sich ihnen gegenüber verhalten "muß", und sie haben das erlernte Programm auch ständig umgesetzt. Nur fehlte es ihnen -- zwangsläufig -- an der nötigen Authentizität. Wenn sich immer wieder Worte und Verhalten im persönlichen Kontakt auf der einen Seite und Entscheidungen und Organisationshandeln auf der anderen Seite widersprechen, dann gilt: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. (Klinge ich eigentlich schon nach Memorandum?!)
Am meisten hat mich allerdings sprachlos gemacht, daß Kritik an entsprechender Inkonsistenz auch noch die Rechtfertigung (und eben keine Verteidigung gegen den Vorwurf!) kam: "So ist die Welt eben." Wohlgemerkt von Leuten, die nach eigener Auskunft keinerlei Verankerung in einem Milieu außerhalb der Kirche haben, die also überhaupt nicht wissen, wie es "da draußen" zugeht. Ganz davon abgesehen, daß es bei uns aber nicht so sein soll...
Mit der Entdeckung der "Mysteria ecclesiae germanicae" ist diese Deutung allerdings in sich zusammengebrochen: Es gibt parallele Strukturen in der Kirche, in die andere soviel Zeit stecken wie meine Bekannten in ihre nicht-kirchlichen Hobbys, ich jedoch nicht. Da stellte sich mir dann wieder die Frage: Wie machen die das?! Die Antwort ist ebenso banal wie erschreckend: Die haben offenbar keine außerkirchlichen Kontakte.
Umso mehr scheint das sogar für hauptamtliche Mitarbeiter der Kirche (auch die Laien) zu gelten, die nicht einmal beruflich aus dieser Parallelwelt herauskommen. Im Gegenteil, die innere Logik und Dynamik des hauptamtlichen Kirchenbetriebs zieht einen geradezu da rein, wenn man nicht aufpaßt.
Von da aus ist es nicht mehr weit zur Heuchelei: Es geht um das Überleben im System, nicht um das Wachsen im Glauben, um die Verkündigung des Reiches Gottes, um die Mission. Dementsprechend ist es zwar wichtig, fromme Reden im Mund zu führen, aber nicht ihnen zu entsprechen.
Das muß natürlich nicht die Folge sein, und viele würden sich wohl zu Recht gegen den Vorwurf der Heuchelei verwehren. Allerdings sind mir tatsächlich einige Leute über den Weg gelaufen, die großes Heuchelpotential hatten (und es auch nutzten). Sie hatten ihre Ausbildung offenbar gut verinnerlicht -- sie wußten, wie man mit Leuten umgehen "muß", wie man sich ihnen gegenüber verhalten "muß", und sie haben das erlernte Programm auch ständig umgesetzt. Nur fehlte es ihnen -- zwangsläufig -- an der nötigen Authentizität. Wenn sich immer wieder Worte und Verhalten im persönlichen Kontakt auf der einen Seite und Entscheidungen und Organisationshandeln auf der anderen Seite widersprechen, dann gilt: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. (Klinge ich eigentlich schon nach Memorandum?!)
Am meisten hat mich allerdings sprachlos gemacht, daß Kritik an entsprechender Inkonsistenz auch noch die Rechtfertigung (und eben keine Verteidigung gegen den Vorwurf!) kam: "So ist die Welt eben." Wohlgemerkt von Leuten, die nach eigener Auskunft keinerlei Verankerung in einem Milieu außerhalb der Kirche haben, die also überhaupt nicht wissen, wie es "da draußen" zugeht. Ganz davon abgesehen, daß es bei uns aber nicht so sein soll...
Samstag, 27. August 2011
Laienapostolat
"Was da vorgeschlagen wird, ist der falsche Weg. Wir hätten mehr Bedarf an Müttern und Vätern, die ihren Kindern die Hände zum Gebet falten. Das Defizit an Glauben wird durch mehr Prediger nicht behoben. Es wäre wichtiger, dass Getaufte und Gefirmte in ihrem Umfeld die Botschaft verkündigen. Dort, wo ein Priester nicht hinkommt. Da gibt es kein Predigtverbot, sondern sogar einen Auftrag. Entscheidend ist doch nicht, ob Pfarrer heiraten oder ob Frau Navratil Priester wird. Es geht um die Fähigkeit des modernen Menschen zu glauben."
Gregor Henckel Donnersmarck OCist.(via Giovanni) trifft den Nagel auf den Kopf. Der Kontext, nämlich die Forderungen der "Pfarrer-Initiative", zeigt darüber hinaus einmal mehr: Der Fisch stinkt vom Kopf her.
Tatsächlich kenne ich ein paar Leute, die genau das zu befördern versuchen. Die davon, die nicht im kirchlichen Dienst stehen, kommen sogar recht weit, nur stehen sie dann immer wieder vor dem Problem: Wohin können wir die Neu-Gewonnenen bloß schicken? (Manch einer schickt sie lieber zu Freikirchen statt zu einem katholischen Pfarrer...)
Die im kirchlichen Dienst hingegen kriegen von ihren Vorgesetzten sogar noch einen drüber, weil es ihnen an geistigem (i.S.v. theologischem) Niveau fehle. Daß es aber genau das bräuchte: Einfachste Wahrheiten zur Erstverkündigung -- für viele Getaufte genauso wie für Ungetaufte --, das scheint in vielen Verwaltungsstübchen noch nicht durchgedrungen zu sein.
Freitag, 19. August 2011
Nochmal: Papsttreue Trolle
Beim Papstbesuch in England gab es eine große Anti-Papst-Kampagne aus atheistischer/kirchenfeindlicher Richtung, so daß einige Angst hatten, der Besuch könne zum Desaster werden. In Deutschland scheint mir das anders zu sein. Eine große öffentliche Kampagne scheint es mir nicht zu geben, die Protestler scheinen über ihre linksextremistisches Milieu hinaus wenig zu bewirken.
Klar, die "typisch deutschen" Bedenken gibt es auch hier, insbesondere wird kritisiert, das sei alles viel zu teuer, man solle das Geld doch lieber für den Hunger in Afrika spenden usw. Also nichts, was man wirklich ernstnehmen müßte in einem Land, in dem z.B. die privatwirtschafltliche Bundesliga die Folgekosten sozialisiert, vulgo: in dem ich mit meinen Steuern dafür bezahle, daß sich Wirtschaftsunternehmen nicht um das zum Teil asoziale Verhalten ihrer Kundschaft rund um ihr "Ladenlokal" kümmern. (Jeder Wirt, der eine stockbesoffenen Gast sehenden Auges zu seinem Auto gehen läßt, kriegt zu Recht einen auf den Deckel...)
Im großen und ganzen wirkt der öffentliche Diskurs um den Papstbesuch auf mich verhältnismäßig sachlich, was sich nicht zuletzt daran zeigt, daß unsachliche Beiträge als solche kritisiert werden. Ganz anders erscheint mir aber der innerkirchliche Diskurs um den Papstbesuch. Auch hier geht es "typisch deutsch" zu, auch der Papstbesuch wird -- anstatt daß sich mal alle einfach freuen könnten -- zur Vertiefung kirchenpolitischer Gräben genutzt.
Natürlich, trollen ist keine Spezialität der "Papsttreuen". Auch mir gehen die Hauptamtlichen auf dem Wecker, die auf den Papstbesuch angesprochen abfällig vom "Personenkult", den sie nicht nötig hätten, schwadronieren. Ebenfalls ist mir nicht verborgen geblieben, daß es "im anderen Graben" Leute gibt, die sich wünschten, daß der Papstbesuch ein Desaster würde und sogar recht offen jede Unterstützung verweigern (natürlich nicht so, daß man ihnen disziplinarrechtlich eins vors Schienbein treten könnte).
Was mich aber viel mehr ärgert, ist "der eigene Graben", wo sich nicht wenige nicht nur von jeder Nachricht über die Vorbereitungen in ihrer Ansicht bestätigt fühlen, daß es eine hauptamtliche Verschwörung gegen den Papst und seinen Besuch gäbe, sondern auch noch jede Gelegenheit nutzen, gegen die Vorbereitungsgruppen und die verantwortlichen Bischöfe zu hetzen.
Natürlich kann man Vieles kritisieren, allerdings macht immer noch der Ton die Musik, und im Ton scheinen mir viele angeblich so "papstreue" Katholiken in letzter Zeit ganz schön daneben zu greifen. Wer eine Entscheidung kritisiert, sollte wenigstens ein bißchen Ahnung von dem haben, was er da kritisiert, und möglichst für eine bessere Alternative werben. Wenn jemand sagt, man solle doch statt vor das Schloß Charlottenburg ins Olympiastadion gehen, ist das konstruktiv. Wenn jemand rhetorisch (!) fragt, ob es denn in Erfurt keinen besser geeigneten Platz als den Domplatz gäbe, dann muß er dumm oder böswillig sein (die Antwort lautet nämlich auf die Stadt bezogen ganz einfach "nein", aufs Bistum bezogen hingegen "Etzelsbach").
Bei diesem völlig unkonstruktiven Ton ("die deutschen Bistümer können einfach keinen Papstbesuch organisieren"), der jegliche Differenzierung vermissen läßt (wie lange war denn bitte die Vorbereitungszeit? seit wann steht das Programm überhaupt fest? wieviele Leute reden mit [Vatikan, Land, Stadt...]? wie oft haben deutsche Bistümer schon einen Papstbesuch organisiert? wie wollten es denn die Kritiker besser machen?), drängt sich mir der Eindruck auf, daß manche "Papsttreue" froh wären, wenn der Papstbesuch tatsächlich ein Desaster würde, damit sie sich in ihren Vorurteilen bestätigt fühlen können.
Christlich ist anders!
(Anmerkung: Ich bin weder Mitglied im Koordinierungsbüro noch freiwillig in einem "Graben".)
Klar, die "typisch deutschen" Bedenken gibt es auch hier, insbesondere wird kritisiert, das sei alles viel zu teuer, man solle das Geld doch lieber für den Hunger in Afrika spenden usw. Also nichts, was man wirklich ernstnehmen müßte in einem Land, in dem z.B. die privatwirtschafltliche Bundesliga die Folgekosten sozialisiert, vulgo: in dem ich mit meinen Steuern dafür bezahle, daß sich Wirtschaftsunternehmen nicht um das zum Teil asoziale Verhalten ihrer Kundschaft rund um ihr "Ladenlokal" kümmern. (Jeder Wirt, der eine stockbesoffenen Gast sehenden Auges zu seinem Auto gehen läßt, kriegt zu Recht einen auf den Deckel...)
Im großen und ganzen wirkt der öffentliche Diskurs um den Papstbesuch auf mich verhältnismäßig sachlich, was sich nicht zuletzt daran zeigt, daß unsachliche Beiträge als solche kritisiert werden. Ganz anders erscheint mir aber der innerkirchliche Diskurs um den Papstbesuch. Auch hier geht es "typisch deutsch" zu, auch der Papstbesuch wird -- anstatt daß sich mal alle einfach freuen könnten -- zur Vertiefung kirchenpolitischer Gräben genutzt.
Natürlich, trollen ist keine Spezialität der "Papsttreuen". Auch mir gehen die Hauptamtlichen auf dem Wecker, die auf den Papstbesuch angesprochen abfällig vom "Personenkult", den sie nicht nötig hätten, schwadronieren. Ebenfalls ist mir nicht verborgen geblieben, daß es "im anderen Graben" Leute gibt, die sich wünschten, daß der Papstbesuch ein Desaster würde und sogar recht offen jede Unterstützung verweigern (natürlich nicht so, daß man ihnen disziplinarrechtlich eins vors Schienbein treten könnte).
Was mich aber viel mehr ärgert, ist "der eigene Graben", wo sich nicht wenige nicht nur von jeder Nachricht über die Vorbereitungen in ihrer Ansicht bestätigt fühlen, daß es eine hauptamtliche Verschwörung gegen den Papst und seinen Besuch gäbe, sondern auch noch jede Gelegenheit nutzen, gegen die Vorbereitungsgruppen und die verantwortlichen Bischöfe zu hetzen.
Natürlich kann man Vieles kritisieren, allerdings macht immer noch der Ton die Musik, und im Ton scheinen mir viele angeblich so "papstreue" Katholiken in letzter Zeit ganz schön daneben zu greifen. Wer eine Entscheidung kritisiert, sollte wenigstens ein bißchen Ahnung von dem haben, was er da kritisiert, und möglichst für eine bessere Alternative werben. Wenn jemand sagt, man solle doch statt vor das Schloß Charlottenburg ins Olympiastadion gehen, ist das konstruktiv. Wenn jemand rhetorisch (!) fragt, ob es denn in Erfurt keinen besser geeigneten Platz als den Domplatz gäbe, dann muß er dumm oder böswillig sein (die Antwort lautet nämlich auf die Stadt bezogen ganz einfach "nein", aufs Bistum bezogen hingegen "Etzelsbach").
Bei diesem völlig unkonstruktiven Ton ("die deutschen Bistümer können einfach keinen Papstbesuch organisieren"), der jegliche Differenzierung vermissen läßt (wie lange war denn bitte die Vorbereitungszeit? seit wann steht das Programm überhaupt fest? wieviele Leute reden mit [Vatikan, Land, Stadt...]? wie oft haben deutsche Bistümer schon einen Papstbesuch organisiert? wie wollten es denn die Kritiker besser machen?), drängt sich mir der Eindruck auf, daß manche "Papsttreue" froh wären, wenn der Papstbesuch tatsächlich ein Desaster würde, damit sie sich in ihren Vorurteilen bestätigt fühlen können.
Christlich ist anders!
(Anmerkung: Ich bin weder Mitglied im Koordinierungsbüro noch freiwillig in einem "Graben".)
Mittwoch, 3. August 2011
Umfrage der Herder-Korrespondenz
Vor einem Monat beglückte mich Christ in der Gegemwart mit einem als Umfrage getarnten Werbeschreiben, nun hat die Herder-Korrespondenz nachgezogen. Obwohl es bei CiG um "Kirche wohin?" ging, bei der Herder-Korrespondenz aber um "Deutschland vor dem Papstbesuch", unterscheiden sich die Themenfelder der Umfragen nicht sonderlich: beide drehen sich eigentlich um den Dialogprozeß und den Rest des gegenwärtigen kirchenpolitischen Tagesgespräches.
Soweit, so gut, nur zertrümmern mir die Umfragen mein Weltbild. Während ich das Probeabo von CiG wegen regelmäßiger Herzattacken fast nicht überlebt hätte, war die Herder-Korrespondenz zwar nicht immer in voller Länge interessant, aber sie hatte immerhin ein differenzierteres Niveau als CiG und war durchaus wissenschaftlich zitierbar (was zum Teil der Grund für die Langeweile gewesen sein dürfte :-). Wenn ich nun aber die Umfragen vergleiche, dann ist die der CiG aber um Längen differenzierter. Schon alleine die Antwortvorgaben: Während bei CiG Mehrfachauswahl möglich war und verschiedene Aspekte eines Themenfeldes berücksichtigt wurden, gibt es bei der Herder-Korrespondenz immer nur die gleichen Antworten, von denen man sich für eine entscheiden muß: "Ja" und "Nein".
Leider kann man bei keiner Frage mit dem Ankreuzen einer dieser Vorgaben die Frage angemessen beantworten, was nicht zuletzt daran liegt, daß die Fragen schonmal gleich gar nicht angemessen gestellt sind. Etwa Frage 3: "Die Bischöfe haben den Ernst der Lage noch nicht erkannt." Könnte man ja ankreuzen, könnte man aber auch nein ankreuzen, je nachdem, welche Bischöfe man vor Augen hat und worin man den "'Ernst der Lage" sieht (ich vermute, ich sehe den "Ernst der Lage" in einer anderen Richtung als die Umfrageersteller). Oder Frage 6: "Das kirchliche Leben wird mehrheitlich von Frauen getragen, die katholische Kirche aber von Männern geleitet: Daran muß sich etwas ändern." -- Ja: die Männer sollten sich mehr ins kirchliche Leben einbringen. Nein: an der Leitung durch Priester kann sich nichts ändern. Ganz zu schweigen von Frage 10: "Der Papstbesuch wird die Stimmungslage im deutschen Katholizismus deutlich verbessern." Mal davon abgesehen, daß ich beim Begriff "Katholizismus" jedesmal zusammenzucke (rein begrifflich: katholisch läßt sich nicht "ismisieren", denn dann ist es nicht mehr allumfassend; historisch: ganz bestimmte Ausprägung katholischen Lebens, die schon seit dem einen oder anderen Jahrzehnt vorbei ist, auch wenn das ZdK immer noch die Ordnung des frühen 20. Jahrhunderts repräsentiert), ist natürlich die Frage, was man unter "deutschem Katholizismus" versteht. Die Doppelnamen-Gutmenschenfraktion wird sich jedenfalls nicht vom Papst die schlechte Stimmung verderben lassen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Die Herder-Korrespondenz hat es mit einem einzigen Werbeschreiben geschafft, mein bisher positives Gesamtbild der Zeitschrift von Grund auf zu zerstören. Herzlichen Glückwunsch, das ist doch mal eine Leistung.
Soweit, so gut, nur zertrümmern mir die Umfragen mein Weltbild. Während ich das Probeabo von CiG wegen regelmäßiger Herzattacken fast nicht überlebt hätte, war die Herder-Korrespondenz zwar nicht immer in voller Länge interessant, aber sie hatte immerhin ein differenzierteres Niveau als CiG und war durchaus wissenschaftlich zitierbar (was zum Teil der Grund für die Langeweile gewesen sein dürfte :-). Wenn ich nun aber die Umfragen vergleiche, dann ist die der CiG aber um Längen differenzierter. Schon alleine die Antwortvorgaben: Während bei CiG Mehrfachauswahl möglich war und verschiedene Aspekte eines Themenfeldes berücksichtigt wurden, gibt es bei der Herder-Korrespondenz immer nur die gleichen Antworten, von denen man sich für eine entscheiden muß: "Ja" und "Nein".
Leider kann man bei keiner Frage mit dem Ankreuzen einer dieser Vorgaben die Frage angemessen beantworten, was nicht zuletzt daran liegt, daß die Fragen schonmal gleich gar nicht angemessen gestellt sind. Etwa Frage 3: "Die Bischöfe haben den Ernst der Lage noch nicht erkannt." Könnte man ja ankreuzen, könnte man aber auch nein ankreuzen, je nachdem, welche Bischöfe man vor Augen hat und worin man den "'Ernst der Lage" sieht (ich vermute, ich sehe den "Ernst der Lage" in einer anderen Richtung als die Umfrageersteller). Oder Frage 6: "Das kirchliche Leben wird mehrheitlich von Frauen getragen, die katholische Kirche aber von Männern geleitet: Daran muß sich etwas ändern." -- Ja: die Männer sollten sich mehr ins kirchliche Leben einbringen. Nein: an der Leitung durch Priester kann sich nichts ändern. Ganz zu schweigen von Frage 10: "Der Papstbesuch wird die Stimmungslage im deutschen Katholizismus deutlich verbessern." Mal davon abgesehen, daß ich beim Begriff "Katholizismus" jedesmal zusammenzucke (rein begrifflich: katholisch läßt sich nicht "ismisieren", denn dann ist es nicht mehr allumfassend; historisch: ganz bestimmte Ausprägung katholischen Lebens, die schon seit dem einen oder anderen Jahrzehnt vorbei ist, auch wenn das ZdK immer noch die Ordnung des frühen 20. Jahrhunderts repräsentiert), ist natürlich die Frage, was man unter "deutschem Katholizismus" versteht. Die Doppelnamen-Gutmenschenfraktion wird sich jedenfalls nicht vom Papst die schlechte Stimmung verderben lassen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Die Herder-Korrespondenz hat es mit einem einzigen Werbeschreiben geschafft, mein bisher positives Gesamtbild der Zeitschrift von Grund auf zu zerstören. Herzlichen Glückwunsch, das ist doch mal eine Leistung.
Montag, 25. Juli 2011
Mysteria ecclesiae germanicae
Immer wieder staune ich darüber, wie viele Verbände es in der Kirche gibt, mit wieviel Selbstverständlichkeit sie sich als die zentralen Interessenvertreter ihrer Zielgruppe ausgeben und wie wenig es sie darin anficht, daß es meist mehrere Verbände für dieselbe Zielgruppe gibt. Gibt es eigentlich jemanden, der dabei noch den Überblick bewahrt? Selbst in der Wikipedia sind längst nicht alle verzeichnet (bzw. entsprechend kategorisiert) -- von der kathpedia ganz zu schweigen.
Antike Mysterienkulte hatten ein Geheimwissen, das einem beim Aufstieg allmählich bekannt (gemacht) wurde. Manchmal kommt mir das katholische Verbandswesen in Deutschland so vor. Obwohl ich ja nun doch schon das eine oder andere Jahr in der Kirche zugebracht habe (und das weder als Konvertit noch, zumindest die meisten Jahre, als Bekloppter), habe ich erst "Zugang" zu diesem "Geheimwissen" bekommen, als ich hauptberuflich für die Kirche gearbeitet habe. Da habe ich monatlich mehr neue Verbände kennengelernt als vorher in 10 Jahren.
Bloß: Was nutzen eigentlich die ganzen Verbände? Die meisten von ihnen machen wahrscheinlich an der Basis zumindest halbwegs brauchbare Arbeit, aber in größerem Maßstab wahrgenommen werden sie nicht (nicht einmal in kirchlichen Kreisen). Die Verbände, die wahrgenommen werden, werden meist nur mit irgendwelchen seit Jahrzehnten bekannten Änderungsforderungen bekannt, zum Teil mit dem Effekt, daß Ortsvereine (oder wie man das dann nennen müßte, wie gesagt, 30 Jahre Kirche haben nicht zu einer "kirchlichen Sozialisation" gereicht) aus dem Verband austreten. Ok, die Informatiker-Antwort Nummer 1: "Historisch bedingt", greift auch hier: Rumpfformen eines ehemals gesellschaftlich bedeutunden katholischen Milieus. Aber machen wir uns doch nichts vor, damit ist in Zukunft kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Also nochmal: Wem nutzt das eigentlich alles?
Antike Mysterienkulte hatten ein Geheimwissen, das einem beim Aufstieg allmählich bekannt (gemacht) wurde. Manchmal kommt mir das katholische Verbandswesen in Deutschland so vor. Obwohl ich ja nun doch schon das eine oder andere Jahr in der Kirche zugebracht habe (und das weder als Konvertit noch, zumindest die meisten Jahre, als Bekloppter), habe ich erst "Zugang" zu diesem "Geheimwissen" bekommen, als ich hauptberuflich für die Kirche gearbeitet habe. Da habe ich monatlich mehr neue Verbände kennengelernt als vorher in 10 Jahren.
Bloß: Was nutzen eigentlich die ganzen Verbände? Die meisten von ihnen machen wahrscheinlich an der Basis zumindest halbwegs brauchbare Arbeit, aber in größerem Maßstab wahrgenommen werden sie nicht (nicht einmal in kirchlichen Kreisen). Die Verbände, die wahrgenommen werden, werden meist nur mit irgendwelchen seit Jahrzehnten bekannten Änderungsforderungen bekannt, zum Teil mit dem Effekt, daß Ortsvereine (oder wie man das dann nennen müßte, wie gesagt, 30 Jahre Kirche haben nicht zu einer "kirchlichen Sozialisation" gereicht) aus dem Verband austreten. Ok, die Informatiker-Antwort Nummer 1: "Historisch bedingt", greift auch hier: Rumpfformen eines ehemals gesellschaftlich bedeutunden katholischen Milieus. Aber machen wir uns doch nichts vor, damit ist in Zukunft kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Also nochmal: Wem nutzt das eigentlich alles?
Mittwoch, 20. Juli 2011
"Du bist das Problem!"
Mittlerweile ist mein dreisemestriger Ausflug ins Priesterseminar schon seit einem Jahrzehnt vorbei. Viele haben damals den Eindruck gewonnen, ich hätte ihn wegen des Zölibats beendet. Durchaus nachvollziehbar aufgrund zeitlicher Koinzidenzien. Tatsächlich war aber eine ganz andere Ursache maßgeblich, die mich überhaupt erst für einen anderne Lebensentwurf wieder offenwerden ließ.
Kurz zusammengefaßt: Nach einem völlig idealistischen Start habe ich mir ein Semester lang zunehmend erstaunt die Verhältnisse angesehen (die, wie ich später erfahren habe, bei uns sogar noch relativ harmlos waren), ein weiteres Semester Material gesammelt und im dritten den -- wie ich heute weiß: aussichtslosen -- Versuch gestartet, was zu ändern (und bevor sich ein Conblogger beschwert: natürlich war ich nicht alleine :-).
Grundübel war, daß nach außen hin Heile Welt gespielt wurde, im stillen Kämmerlein aber ein Großteil der Seminaristen über den mehr oder weniger unsinnigen Alltag meckerte (und das nicht [nur] zu Unrecht; bis heute verstehe ich nicht, warum der einzige absolut indispensable tägliche Pflichtprogrammpunkt das Mittagessen war -- wegen der Ankündigungen!). Solche Heuchelei hat mich damals aufgeregt, und sie tut es heute noch viel mehr.
Dummerweise wurden wir als die Überbringer der schlechten Nachricht von der Hausleitung als das eigentliche Problem angesehen. Im Grunde wäre es ja eine berechtigte und sogar notwendige Reaktion der Leitung, denjenigen, die damit provozieren, im Seminar fielen Anspruch und Wirklichkeit fundamental auseinander, die Ohren lang zu ziehen. Das ist aber nicht passiert. Die direkten Gespräche waren von einer recht sachlichen, fast freundlichen Atmosphäre geprägt, man hat nicht wirklich Konflikte angesprochen oder gar ausgetragen, sondern viel geredet und im Grunde nichts gesagt.
Irgendwann (nach der nächsten direkten Provokation) wurden wir dann ohne viel Federlesens zum Bischof geschickt. Wow, dachte zumindest ich mir, vielleicht nimmt uns jetzt endlich mal einer ernst. Pustekuchen. Der Bischof empfing uns demonstrativ zwischen Tür und Angel (er schien sich gerade zwischen zwei Terminen umzuziehen) und wies unsere Bitte ab, ein Gespräch ohne die Hausleitung zu führen. Danach kam ein bißchen belangloses Geplänkel, dann durften wir wieder abziehen. Was uns damals mächtig enttäuscht hat. Heute habe ich (nach mehr Erfahrungen mit kirchlichen Führungsstilen und nämlichem Bischof) eine andere Deutung: Nicht uns hat er abblitzen lassen, sondern die Hausleitung, die sich nicht selbst zu helfen wußte denn genau das hat er uns geantwortet auf die Frage, warum wir denn dann überhaupt dieses Gespräch hätten: "Weil mein Freund, der Regens, mich darum gebeten hat." Bei genauerer Betrachtung die schwächste aller möglichen Begründungen.
Das alles schreibe ich hier nicht so ausführlich, weil ich zehn Jahre alte Ereignisse öffentlich verarbeiten muß, sondern weil dies meine erste Konfrontation mit einem Schema war, das ich seitdem immer wieder in (nicht nur, aber vor allem) kirchlichen Kontexten erlebt habe: Leitungsversagen durch Mangel an Verantwortungsübernahme. Denn genau das ist Leitung im wesentlichen: Übernahme von Verantwortung für andere und ihr Handeln (woraus sich im Umkehrschluß Gehorsam bzw. Weisungsgebundenheit der "anderen" ergibt). Was ich damals noch für eine ziemlich merkwürdige und eigentlich völlig unwahrscheinliche (drei von vier Angehörigen der Hausleitung waren, nunja, vorsichtig formuliert: nicht die optimalste[sic!] Besetzung), zufällige Ausahmesituation hielt, ist eher die Regel als die Ausnahme, insbesondere in der Kirche, da wir ja niemandem weh tun dürfen.
Die Ursache ist mittlerweile aber wohl weniger eine irrige ekklesiologische und/oder moraltheologische Ansicht als vielmehr das häufige Fehlen positiver Vorbilder. Selbst (oder vielleicht sogar gerade) die, die als Untergebene den Führungsstil ihrer Vorgesetzen kritisieren, reproduzieren genau diesen Stil, wenn sie in Amt und Würden kommen. Nun heißt das Peterprinzip ja nicht deshalb so, weil es ausgerechnet am Beispiel der Kirche entwickelt wurde, aber die Kirche wäre ein guter Untersuchungsgegenstand, um es empirisch zu belegen. Denn während etwa die Bundeswehr auch nicht gerade ein Hort lauter aufrechter und herausragender Führungspersönlichkeiten ist, geht die Kirche nicht gleich(!) im Gefecht unter, wenn die Unterführer taktisch ihr eigenes Ding machen, statt die Strategie des Stabes umzusetzen. Meine Pastoralprofessorin pflegte zu sagen, jedes Wirtschaftsunternehmen wäre schon lange pleitegegangen, wenn in ihm (wie in der deutschen Kirche) ersteinmal alles als völliger Bockmist abqualifiziert würde, was von der Zentrale kommt. Natürlich hinkt der Vergleich, gerade auf theologischer Ebene, aber er bringt einen Aspekt gut auf den Punkt: Kein normaler Angestellter könnte sich leisten, was im kirchlichen Dienst häufig die Regel ist.
Damit sind wir auch schon beim eigentlichen, das Problem reproduzierenden Kern, der wie dieser Post im Seminar beginnt: Woher sollen die späteren Führungskräfte wissen, wie man leitet, wenn sie nicht zu den wenigen gehören, denen es quasi angeboren ist, die Führung zu übernehmen. Wer schon im Seminar lernt, Klappe halten, nicht aufmucken, Formalia erfüllen und ansonsten das eigene Ding durchziehen, und das dann als Kaplan verinnerlicht, woher soll der dann wissen, wenn er als Pfarrer das erste Mal wirklich Leitungsverantwortung übernehmen muß, wie das gehen soll. (Ersetze wahlweise "Seminar", "Kaplan" und "Pfarrer" durch "Pastroalassistentenzeit", "Pastoralreferent" und "Abteilungsleiter".) Der Fisch stinkt, wenn nicht vom Kopf, so doch von der (ausgesprochen breiten) mittleren Führungsebene her.
Daß das auch in Rom nicht unbemerkt geblieben ist, zeigt sich nach meinem Eindruck übrigens in der relativ geräuschlosen Verlängerung der Dienstzeit deutscher Bischöfe zum Teil auch trotz schwerer Erkrankungen über den 75. Geburtstag hinaus (Passau, Mainz, Dresden-Meißen...), die sich weniger mit der überragenden Leistung der entsprechenden Bischöfe als mit der Herkulesaufgabe der Nachfolgeregelung erklären läßt...
Kurz zusammengefaßt: Nach einem völlig idealistischen Start habe ich mir ein Semester lang zunehmend erstaunt die Verhältnisse angesehen (die, wie ich später erfahren habe, bei uns sogar noch relativ harmlos waren), ein weiteres Semester Material gesammelt und im dritten den -- wie ich heute weiß: aussichtslosen -- Versuch gestartet, was zu ändern (und bevor sich ein Conblogger beschwert: natürlich war ich nicht alleine :-).
Grundübel war, daß nach außen hin Heile Welt gespielt wurde, im stillen Kämmerlein aber ein Großteil der Seminaristen über den mehr oder weniger unsinnigen Alltag meckerte (und das nicht [nur] zu Unrecht; bis heute verstehe ich nicht, warum der einzige absolut indispensable tägliche Pflichtprogrammpunkt das Mittagessen war -- wegen der Ankündigungen!). Solche Heuchelei hat mich damals aufgeregt, und sie tut es heute noch viel mehr.
Dummerweise wurden wir als die Überbringer der schlechten Nachricht von der Hausleitung als das eigentliche Problem angesehen. Im Grunde wäre es ja eine berechtigte und sogar notwendige Reaktion der Leitung, denjenigen, die damit provozieren, im Seminar fielen Anspruch und Wirklichkeit fundamental auseinander, die Ohren lang zu ziehen. Das ist aber nicht passiert. Die direkten Gespräche waren von einer recht sachlichen, fast freundlichen Atmosphäre geprägt, man hat nicht wirklich Konflikte angesprochen oder gar ausgetragen, sondern viel geredet und im Grunde nichts gesagt.
Irgendwann (nach der nächsten direkten Provokation) wurden wir dann ohne viel Federlesens zum Bischof geschickt. Wow, dachte zumindest ich mir, vielleicht nimmt uns jetzt endlich mal einer ernst. Pustekuchen. Der Bischof empfing uns demonstrativ zwischen Tür und Angel (er schien sich gerade zwischen zwei Terminen umzuziehen) und wies unsere Bitte ab, ein Gespräch ohne die Hausleitung zu führen. Danach kam ein bißchen belangloses Geplänkel, dann durften wir wieder abziehen. Was uns damals mächtig enttäuscht hat. Heute habe ich (nach mehr Erfahrungen mit kirchlichen Führungsstilen und nämlichem Bischof) eine andere Deutung: Nicht uns hat er abblitzen lassen, sondern die Hausleitung, die sich nicht selbst zu helfen wußte denn genau das hat er uns geantwortet auf die Frage, warum wir denn dann überhaupt dieses Gespräch hätten: "Weil mein Freund, der Regens, mich darum gebeten hat." Bei genauerer Betrachtung die schwächste aller möglichen Begründungen.
Das alles schreibe ich hier nicht so ausführlich, weil ich zehn Jahre alte Ereignisse öffentlich verarbeiten muß, sondern weil dies meine erste Konfrontation mit einem Schema war, das ich seitdem immer wieder in (nicht nur, aber vor allem) kirchlichen Kontexten erlebt habe: Leitungsversagen durch Mangel an Verantwortungsübernahme. Denn genau das ist Leitung im wesentlichen: Übernahme von Verantwortung für andere und ihr Handeln (woraus sich im Umkehrschluß Gehorsam bzw. Weisungsgebundenheit der "anderen" ergibt). Was ich damals noch für eine ziemlich merkwürdige und eigentlich völlig unwahrscheinliche (drei von vier Angehörigen der Hausleitung waren, nunja, vorsichtig formuliert: nicht die optimalste[sic!] Besetzung), zufällige Ausahmesituation hielt, ist eher die Regel als die Ausnahme, insbesondere in der Kirche, da wir ja niemandem weh tun dürfen.
Die Ursache ist mittlerweile aber wohl weniger eine irrige ekklesiologische und/oder moraltheologische Ansicht als vielmehr das häufige Fehlen positiver Vorbilder. Selbst (oder vielleicht sogar gerade) die, die als Untergebene den Führungsstil ihrer Vorgesetzen kritisieren, reproduzieren genau diesen Stil, wenn sie in Amt und Würden kommen. Nun heißt das Peterprinzip ja nicht deshalb so, weil es ausgerechnet am Beispiel der Kirche entwickelt wurde, aber die Kirche wäre ein guter Untersuchungsgegenstand, um es empirisch zu belegen. Denn während etwa die Bundeswehr auch nicht gerade ein Hort lauter aufrechter und herausragender Führungspersönlichkeiten ist, geht die Kirche nicht gleich(!) im Gefecht unter, wenn die Unterführer taktisch ihr eigenes Ding machen, statt die Strategie des Stabes umzusetzen. Meine Pastoralprofessorin pflegte zu sagen, jedes Wirtschaftsunternehmen wäre schon lange pleitegegangen, wenn in ihm (wie in der deutschen Kirche) ersteinmal alles als völliger Bockmist abqualifiziert würde, was von der Zentrale kommt. Natürlich hinkt der Vergleich, gerade auf theologischer Ebene, aber er bringt einen Aspekt gut auf den Punkt: Kein normaler Angestellter könnte sich leisten, was im kirchlichen Dienst häufig die Regel ist.
Damit sind wir auch schon beim eigentlichen, das Problem reproduzierenden Kern, der wie dieser Post im Seminar beginnt: Woher sollen die späteren Führungskräfte wissen, wie man leitet, wenn sie nicht zu den wenigen gehören, denen es quasi angeboren ist, die Führung zu übernehmen. Wer schon im Seminar lernt, Klappe halten, nicht aufmucken, Formalia erfüllen und ansonsten das eigene Ding durchziehen, und das dann als Kaplan verinnerlicht, woher soll der dann wissen, wenn er als Pfarrer das erste Mal wirklich Leitungsverantwortung übernehmen muß, wie das gehen soll. (Ersetze wahlweise "Seminar", "Kaplan" und "Pfarrer" durch "Pastroalassistentenzeit", "Pastoralreferent" und "Abteilungsleiter".) Der Fisch stinkt, wenn nicht vom Kopf, so doch von der (ausgesprochen breiten) mittleren Führungsebene her.
Daß das auch in Rom nicht unbemerkt geblieben ist, zeigt sich nach meinem Eindruck übrigens in der relativ geräuschlosen Verlängerung der Dienstzeit deutscher Bischöfe zum Teil auch trotz schwerer Erkrankungen über den 75. Geburtstag hinaus (Passau, Mainz, Dresden-Meißen...), die sich weniger mit der überragenden Leistung der entsprechenden Bischöfe als mit der Herkulesaufgabe der Nachfolgeregelung erklären läßt...
Dienstag, 19. Juli 2011
Ich fühle nichts
The more I see - the less I believe
The more I hear - the less I care
We used to be the chosen ones
Second to none
Look at what we've become
A pathetic excuse for life
I feel nothing
Montag, 18. Juli 2011
I'm back
Komisch, irgendwie scheints dieses Lied online nur in mehr oder weniger übersteuerten Fassungen zu geben...
Freitag, 8. Juli 2011
Freitag, 1. Juli 2011
Umfrage von CiG
Christ in der Gegenwart macht eine Umfrage zum Dialogprozeß und nennt sie "Umfrage Kirche". Überraschenderweise gibt es sogar sinnvoll ankreuzbare Antworten unter den vorgegebenen, trotzdem brauchte ich bei fast allen Fragen die Freitexteingabe.
Geradezu frech finde ich allerdings, daß man nicht drumrumkommt, seine kompletten Adreßdaten anzugeben, ohne daß es eine vernünftige Datenschutzerklärung gäbe. Es gibt nur einen "Datenschutzhinweis": "Die Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben." Na, das ist ja wohl das mindeste. Aber wozu verwendet Christ in der Gegenwart bzw. der Herderverlag die Daten?
Ich habe da ja eine nicht leicht von der Hand zu weisender Vermutung: Aufmerksam wurde ich auf die Umfrage, weil sie mir gedruckt zugeschickt wurde. Mit demselben Fehler in der Adresse, der mir bei der Bestellung von "Gemeinsam Glauben" unterlaufen war... Nun denn, demnächst wundert sich vielleicht jemand mit einem gängigen Namen und einer Großstadtadresse über Werbung vom Herderverlag. Oder der Herderverlag über Rückläufer "Empfänger nicht bekannt". Schwachsinn!
Geradezu frech finde ich allerdings, daß man nicht drumrumkommt, seine kompletten Adreßdaten anzugeben, ohne daß es eine vernünftige Datenschutzerklärung gäbe. Es gibt nur einen "Datenschutzhinweis": "Die Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben." Na, das ist ja wohl das mindeste. Aber wozu verwendet Christ in der Gegenwart bzw. der Herderverlag die Daten?
Ich habe da ja eine nicht leicht von der Hand zu weisender Vermutung: Aufmerksam wurde ich auf die Umfrage, weil sie mir gedruckt zugeschickt wurde. Mit demselben Fehler in der Adresse, der mir bei der Bestellung von "Gemeinsam Glauben" unterlaufen war... Nun denn, demnächst wundert sich vielleicht jemand mit einem gängigen Namen und einer Großstadtadresse über Werbung vom Herderverlag. Oder der Herderverlag über Rückläufer "Empfänger nicht bekannt". Schwachsinn!
Freitag, 17. Juni 2011
"Kirchweihe"
Gestern hatten wir eine Einladung zur "Kirchweihe". Dahinter verbarg sich die Abschlußstunde des Religionsunterrichts der Erst- und Zweitklässler in der Gemeinde. Uns wurde vorgestellt, was die vier Jungs (ja, es sind tatsächlich nur vier, und es sind alles Jungs, was einerseits rein zahlenmäßig betrachtet etwas schade ist, andererseits aber sowas wie ein pädagogischer Glücksfall ist) im letzten halben Jahr dort gemacht haben: Sie haben eine Kirche gebaut -- aus Papier und Pappe.
Die Kirche hatte (fast) alles, was eine Kirche braucht -- bis hin zur Kreuzform des Gebäudes (Kommentar der Gemeindereferentin: "Ist ja klar, braucht man nicht zu erklären." :-). Der Taufstein war am Eingang positioniert -- als "Eintritt in die Kirche". An der Stirnwand gab es einen Klappaltar -- ganz außen mit Heiligendarstellungen, unter anderem den vier Namenspatronen der Jungs, in der ersten Stufe dann Darstellungen vom Wirken und Predigen Jesu und in der letzten Stufe dann Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern. Den fehlenden Glockenturm (da fehlte die Zeit für) machten die Haupt- und zwei Nebenorgeln wieder wett. Im großen und ganzen also alles wunderbar.
Nur bei der Anordnung der Sitzbänke im Halb-Oval habe ich erst einen Schreck gekriegt, vor allem als dann auch noch die Frage kam: Warum haben wir das so angeordnet und nicht anders? Sämtliche Horrorszenarien aus dem Liturgievorlesungen/ Kirchenbauseminar kamen da in mein Gehirn geschossen. Die Antwort der Kinder war eine ganz andere: "Die Bänke bilden ein "C" wie Christus." Doch nochmal fragte die Gemeindereferentin nach: "Und warum noch? Was wollen wir sehen?" Nach der ersten Entspannung also der Schock: Jetzt heißt es gleich, die anderen, die Gemeinde, bla, blu, blups. Nein! Weit gefehlt: "Den Altar!" Klar, aus Sicht der Kinder ist die übliche Anordnung der Bänke hintereinander natürlich doof: Sie sehen nichts, außer ganz vorne (oder im Chorgestühl :-).
Alles in allem war ich sehr angenehm überrascht. Und fühlte mich bestätigt, meinen Sohn, der schon in der Schule Religionsunterricht hat, auch noch zusätzlich nachmittags in die Gemeinde zu schicken -- und mich hier im "Osten" wohl zu fühlen.
Die Kirche hatte (fast) alles, was eine Kirche braucht -- bis hin zur Kreuzform des Gebäudes (Kommentar der Gemeindereferentin: "Ist ja klar, braucht man nicht zu erklären." :-). Der Taufstein war am Eingang positioniert -- als "Eintritt in die Kirche". An der Stirnwand gab es einen Klappaltar -- ganz außen mit Heiligendarstellungen, unter anderem den vier Namenspatronen der Jungs, in der ersten Stufe dann Darstellungen vom Wirken und Predigen Jesu und in der letzten Stufe dann Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern. Den fehlenden Glockenturm (da fehlte die Zeit für) machten die Haupt- und zwei Nebenorgeln wieder wett. Im großen und ganzen also alles wunderbar.
Nur bei der Anordnung der Sitzbänke im Halb-Oval habe ich erst einen Schreck gekriegt, vor allem als dann auch noch die Frage kam: Warum haben wir das so angeordnet und nicht anders? Sämtliche Horrorszenarien aus dem Liturgievorlesungen/ Kirchenbauseminar kamen da in mein Gehirn geschossen. Die Antwort der Kinder war eine ganz andere: "Die Bänke bilden ein "C" wie Christus." Doch nochmal fragte die Gemeindereferentin nach: "Und warum noch? Was wollen wir sehen?" Nach der ersten Entspannung also der Schock: Jetzt heißt es gleich, die anderen, die Gemeinde, bla, blu, blups. Nein! Weit gefehlt: "Den Altar!" Klar, aus Sicht der Kinder ist die übliche Anordnung der Bänke hintereinander natürlich doof: Sie sehen nichts, außer ganz vorne (oder im Chorgestühl :-).
Alles in allem war ich sehr angenehm überrascht. Und fühlte mich bestätigt, meinen Sohn, der schon in der Schule Religionsunterricht hat, auch noch zusätzlich nachmittags in die Gemeinde zu schicken -- und mich hier im "Osten" wohl zu fühlen.
Dienstag, 7. Juni 2011
Mehltau, Mehltau, alles ist Mehltau
Das Wort des Herrn erging an mich: Menschensohn, sprich als Prophet gegen die Hirten Israels, sprich als Prophet und sag zu ihnen: So spricht Gott, der Herr: Weh den Hirten Israels, die nur sich selbst weiden. Müssen die Hirten nicht die Herde weiden? Ihr trinkt die Milch, nehmt die Wolle für eure Kleidung und schlachtet die fetten Tiere; aber die Herde führt ihr nicht auf die Weide. Die schwachen Tiere stärkt ihr nicht, die kranken heilt ihr nicht, die verletzten verbindet ihr nicht, die verscheuchten holt ihr nicht zurück, die verirrten sucht ihr nicht und die starken misshandelt ihr. Und weil sie keinen Hirten hatten, zerstreuten sich meine Schafe und wurden eine Beute der wilden Tiere. Meine Herde irrte auf allen Bergen und Höhen umher und war über das ganze Land verstreut. Doch keiner kümmerte sich um sie; niemand suchte sie. Darum ihr Hirten, hört das Wort des Herrn: So wahr ich lebe - Spruch Gottes, des Herrn: Weil meine Herde geraubt wurde und weil meine Schafe eine Beute der wilden Tiere wurden - denn sie hatten keinen Hirten - und weil meine Hirten nicht nach meiner Herde fragten, sondern nur sich selbst und nicht meine Herde weideten, darum, ihr Hirten, hört das Wort des Herrn: So spricht Gott, der Herr: Nun gehe ich gegen die Hirten vor und fordere meine Schafe von ihnen zurück. Ich setze sie ab, sie sollen nicht mehr die Hirten meiner Herde sein. Die Hirten sollen nicht länger nur sich selbst weiden: Ich reiße meine Schafe aus ihrem Rachen, sie sollen nicht länger ihr Fraß sein. Denn so spricht Gott, der Herr: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern. Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben, so kümmere ich mich um meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben. Ich führe sie aus den Völkern heraus, ich hole sie aus den Ländern zusammen und bringe sie in ihr Land. Ich führe sie in den Bergen Israels auf die Weide, in den Tälern und an allen bewohnten Orten des Landes. Auf gute Weide will ich sie führen, im Bergland Israels werden ihre Weideplätze sein. Dort sollen sie auf guten Weideplätzen lagern, auf den Bergen Israels sollen sie fette Weide finden. Ich werde meine Schafe auf die Weide führen, ich werde sie ruhen lassen - Spruch Gottes, des Herrn. Die verloren gegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist. Ihr aber, meine Herde - so spricht Gott, der Herr -, ich sorge für Recht zwischen Schafen und Schafen, zwischen Widdern und Böcken. War es euch nicht genug, auf der besten Weide zu weiden? Musstet ihr auch noch euer übriges Weideland mit euren Füßen zertrampeln? War es euch nicht genug, das klare Wasser zu trinken? Musstet ihr den Rest des Wassers mit euren Füßen verschmutzen? Meine Schafe mussten abweiden, was eure Füße zertrampelt hatten, und trinken, was eure Füße verschmutzt hatten. Darum - so spricht Gott, der Herr, zu euch: Ich selbst sorge für Recht zwischen den fetten und den mageren Schafen. Weil ihr mit eurem breiten Körper und eurer Schulter alle schwachen Tiere zur Seite gedrängt und weil ihr sie mit euren Hörnern weggestoßen habt, bis ihr sie weggetrieben hattet, deshalb will ich meinen Schafen zu Hilfe kommen. Sie sollen nicht länger eure Beute sein; denn ich werde für Recht sorgen zwischen Schafen und Schafen. Ich setze für sie einen einzigen Hirten ein, der sie auf die Weide führt, meinen Knecht David. Er wird sie weiden und er wird ihr Hirt sein. Ich selbst, der Herr, werde ihr Gott sein und mein Knecht David wird in ihrer Mitte der Fürst sein. Ich, der Herr, habe gesprochen. Ich schließe mit ihnen einen Friedensbund: Ich rotte die wilden Tiere im Land aus. Dann kann man in der Steppe sicher wohnen und in den Wäldern schlafen. Ich werde sie und die Umgebung meines Berges segnen. Ich schicke Regen zur rechten Zeit und der Regen wird Segen bringen. Die Bäume des Feldes werden ihre Früchte tragen und das Land wird seinen Ertrag geben. Sie werden auf ihrem Grund und Boden sicher sein. Wenn ich die Stangen ihres Jochs zerbreche und sie der Gewalt derer entreiße, von denen sie versklavt wurden, werden sie erkennen, dass ich der Herr bin. Sie werden nicht länger eine Beute der Völker sein, von den wilden Tieren werden sie nicht gefressen. Sie werden in Sicherheit wohnen und niemand wird sie erschrecken. Ich pflanze ihnen einen Garten des Heils. Sie werden in ihrem Land nicht mehr vom Hunger dahingerafft werden und die Schmähungen der Völker müssen sie nicht mehr ertragen. Sie werden erkennen, dass ich, der Herr, ihr Gott, mit ihnen bin und dass sie, das Haus Israel, mein Volk sind - Spruch Gottes, des Herrn. Ihr seid meine Schafe, ihr seid die Herde meiner Weide. Ich bin euer Gott - Spruch Gottes, des Herrn.
Ez 34
Montag, 25. April 2011
Gott ist kein Kalb
testis gaudii meint, das sei eine coole Sache:
Auf den ersten Blick, hätte ich dem zugestimmt. Ein WJT-Flash Mob an sich ist schon eine coole Idee, aber, leider, leider, muß eine coole Idee auch gut ausgeführt werden, und daran scheint es mir zu hapern.
Daß da der Begriff Flah Mob langsam aber sicher etwas überstrapaziert wird, kann man noch übergehen, zumals es die Videobeschreibung bei Youtube auch treffender "surprise performance" nennt. Aber mich irritieren Song und Performance selbst ziemlich, so daß ich mich frage, ob da nur keine drüber nachgedacht hat, oder ob sie wirklich nicht wissen, was sie da tun.
Der Song "God is a DJ" ist jedenfalls alles andere als christlich zu nennen (und stammt passenderweise ja auch von "Faithless"). Hat es gereicht, daß da die Worte "God", "church", "love" und "compassion" drin vorkommen? Ich habe extra nochmal genau hingehört, ob sie nicht eventuell was am Text geändert haben; haben sie aber nicht. Sind wir schon so tief gesunken, daß wir den Kakao, durch den wir gezogen werden, auch noch trinken? Oder bin ich der einzige, der die Aussage des Songs bei genauerer Betrachtung darin sieht, daß die Erlösung im Tanz und in der Musik gesucht wird?
Dazu wirkt die Performance auf mich wie ein Tanz um das Goldene Kalb. In der Mitte ein Podest, auf dem -- passend zum Song! -- Lautsprecherboxen stehen, und auf dem sich am Ende auch noch ein DJ findet, dazu winkende Arme, die sich diesem Podest entgegenstrecken. Insbesondere ohne Ton wirkt das wie eine pervertierte Form von Anbetung. Und dann noch dieser Herr in weiß, der da irgendwie spirituell ergriffen durch die Tanzenden schreitet und das Podest anhimmelt -- auf dem kurz darauf tatsächlich ein DJ auftaucht. Natürlich passend ins Bild gesetzt zur Textzeile "God is a DJ".
Vielleicht fehlt mir ja einfach nur die kindliche Unbewschwertheit des Jungen bei 3:39, mit der ich das ganze unhinterfragt als spaßiges und werbewirksames Event stehen lassen kann. Leider kann ich gerade bei Musik mein Hirn nicht ausschalten, im Gegenteil, Musik regt mein Denken an, gerade auch auf einer nicht-rationalen, emotionalen Ebene. Und ich habe gelernt, daß Ästhetik immer eine (ggf. unbewußte) Botschaft überträgt, die auch entsprechend rationalisiert werden kann. Vielleicht interpretiere ich das anders, als es auch seiner Eigenlogik interpretiert werden müßte. Dieses Phänomen ist mir schon öfter über den Weg gelaufen. Aber irgendwie habe ich bei Aktionen, bei der die Kirche sich krampfhaft modern darstellen will, ein schlechtes Gefühl, was die Eigenlogik angeht... Sollte ich mich irren, klärt mich bitte auf.
P.S.: Der kreiförmige Haarausfall bei 3:04 paßt da irgendwie auch wieder ins Bild. :-)
Auf den ersten Blick, hätte ich dem zugestimmt. Ein WJT-Flash Mob an sich ist schon eine coole Idee, aber, leider, leider, muß eine coole Idee auch gut ausgeführt werden, und daran scheint es mir zu hapern.
Daß da der Begriff Flah Mob langsam aber sicher etwas überstrapaziert wird, kann man noch übergehen, zumals es die Videobeschreibung bei Youtube auch treffender "surprise performance" nennt. Aber mich irritieren Song und Performance selbst ziemlich, so daß ich mich frage, ob da nur keine drüber nachgedacht hat, oder ob sie wirklich nicht wissen, was sie da tun.
Der Song "God is a DJ" ist jedenfalls alles andere als christlich zu nennen (und stammt passenderweise ja auch von "Faithless"). Hat es gereicht, daß da die Worte "God", "church", "love" und "compassion" drin vorkommen? Ich habe extra nochmal genau hingehört, ob sie nicht eventuell was am Text geändert haben; haben sie aber nicht. Sind wir schon so tief gesunken, daß wir den Kakao, durch den wir gezogen werden, auch noch trinken? Oder bin ich der einzige, der die Aussage des Songs bei genauerer Betrachtung darin sieht, daß die Erlösung im Tanz und in der Musik gesucht wird?
Dazu wirkt die Performance auf mich wie ein Tanz um das Goldene Kalb. In der Mitte ein Podest, auf dem -- passend zum Song! -- Lautsprecherboxen stehen, und auf dem sich am Ende auch noch ein DJ findet, dazu winkende Arme, die sich diesem Podest entgegenstrecken. Insbesondere ohne Ton wirkt das wie eine pervertierte Form von Anbetung. Und dann noch dieser Herr in weiß, der da irgendwie spirituell ergriffen durch die Tanzenden schreitet und das Podest anhimmelt -- auf dem kurz darauf tatsächlich ein DJ auftaucht. Natürlich passend ins Bild gesetzt zur Textzeile "God is a DJ".
Vielleicht fehlt mir ja einfach nur die kindliche Unbewschwertheit des Jungen bei 3:39, mit der ich das ganze unhinterfragt als spaßiges und werbewirksames Event stehen lassen kann. Leider kann ich gerade bei Musik mein Hirn nicht ausschalten, im Gegenteil, Musik regt mein Denken an, gerade auch auf einer nicht-rationalen, emotionalen Ebene. Und ich habe gelernt, daß Ästhetik immer eine (ggf. unbewußte) Botschaft überträgt, die auch entsprechend rationalisiert werden kann. Vielleicht interpretiere ich das anders, als es auch seiner Eigenlogik interpretiert werden müßte. Dieses Phänomen ist mir schon öfter über den Weg gelaufen. Aber irgendwie habe ich bei Aktionen, bei der die Kirche sich krampfhaft modern darstellen will, ein schlechtes Gefühl, was die Eigenlogik angeht... Sollte ich mich irren, klärt mich bitte auf.
P.S.: Der kreiförmige Haarausfall bei 3:04 paßt da irgendwie auch wieder ins Bild. :-)
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