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Dienstag, 10. April 2012

hyperref

Der Herr ist auferstanden! Und ich hatte gestern noch ein besonderes Auferstehungserlebnis:

Vor dem hyperref-Paket hatte ich immer tierischen Horror. Zu oft habe ich gelesen, daß man aufpassen muß, wie und an welcher Stelle man es einbaut, weil es so viele Makros auch aus dem LaTeX-Kern umdefiniert. Zu viele Schwierigkeiten hatte ich bereits mit dem Zusammenwirken von weniger komplexen Paketen. Zu lang war mir die Dokumentation, die aus mehreren ineinander verschachtelten PDFs besteht. Und solange es eh nur um die Druckvorlage für das einzureichende Manuskript ging, hatten klickbare Links im PDF auch keinen praktischen Sinn.

Jetzt aber geht es um die Druckvorstufe, aus der der Verlag auch gleich noch das E-Book bastelt -- und eins der Formate wird schlicht und ergreifend PDF sein. Da der Adobe-Reader offenbar aus allem, das mit http: beginnt und wie eine URL aussieht, einen anklickbaren Link macht (zumindest wenn die Schriften korrekt eingebettet sind), aber Zeilenumbrüche als Ende des Links interpretiert, so daß die Links ins Nirvana führt, war es nun keine wirkliche Option mehr, das alles so zu lassen, wie es ist.

Alles andere war schon fertig, aber das wurmte mich noch. Ok, in kleineren, für den online-Gebrauch vorgesehenen Dokumenten hatte ich hyperref bereits erfolgreich verwendet, aber in einem Dokument, in dem zahlreiche Pakete und eigene Makros[1] zum Teil nur fragil miteinander zum Funktionieren gebracht wurden, und eigentlich schon fertig ist? Μὴ γένοιτο!

Ich hab's dann doch gemacht. Gestern nachmittag bin ich im Geiste nochmal durchgegangen, was eigentlich noch zu tun ist. Irgendwie kam mir dabei der Gedanke an hyperref gar nicht mehr so schrecklich vor, und was sollte schlimmstenfalls passieren? Mehr als hinterher genausoweit wie vorher zu sein, ging doch gar nicht.

Habe ich mich also drangesetzt, einfach mal \usepackage{hyperref} in die Präambel geschrieben und zitternd auf "Ausgabe erstellen" geklickt. Meine schlimmsten Befürchtungen wurden wahr. Nach 100 Fehlern hat pdflatex den Kompilierungsversuch dann einfach mal abgebrochen. Nach nur zwanzig Seiten hat sich hyperref an einem selbsterstellten Makro aufgehängt.

Glücklicherweise hatte ich gestern die Ruhe und die Nerven, nicht gleich vor Schreck alles wieder rückgängig zu machen, sondern den Fehler beheben zu versuchen. Was ein guter Plan war: Wie sich zeigte, war das der einzige Fehler, und bei genauerer Betrachtung war es nur ein einziges Paket, das Schwierigkeiten machte -- weil es versuchte, mit hyperref besser zusammenzuarbeiten, als ich es wollte. Die entsprechende Standardeinstellung umgebogen -- und fertig! Keine Fehler, keine Warnungen. Noch ein paar Feinarbeiten, und alles sah so aus, wie ich es mir nur in meinen kühnsten Träumen gewünscht hatte.

Lange Rede, kurzer Sinn: Nach gerademal dreieinhalb Stunden hatte ich hyperref bis in die Details hinein erfolgreich eingebunden. Auch eine Form von Ostern :-)

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[1] In den Naturwissenschaften scheint wohl keiner mehr echte Tafeln zu verwenden, sondern entweder Abbildungen, die nicht über eine Seite hinausgehen, oder Tabellen. Als ich den Wizards mein Problem schilderte, kein Paket gefunden zu haben, mit dem ich meine zum Teil nicht auf eine Seite passenden Songtextübersetzungen als gleitendes Objekt einbinden kann, habe ich nur Unverständnis hervorgerufen. Wozu braucht man denn sowas? Was sind denn Tafeln[2]? Klare Antwort: Das, was ihr benutzt, um Tabellen einzubinden, sind eigentlich Tafeln, in die ihr dann eine Tabelle setzt. -- Aha. Dann nimm doch longtable. -- Ja, super. Genau das ist doch das Problem: longtable müßte eigentlich longtabular heißen, denn es setzt überlange Tabellen (und zwar nicht als Fließobjekte!), nicht fließende, überlange Tafeln.

[2] Die deutschsprachige Wikipedia kennt wenigstens neben der Bildtafel auch noch die Zeittafel und damit einen Anwendungsfall von Tafeln im Drucksatz, der sich über mehrere Seiten erstrecken kann[3]. Einen Überbegriff "Tafel (Drucksatz)" gibt es aber nicht. Die englische leitet Tabular gleich nach Table (information) weiter, unter denen sie ausschließlich Tabellen versteht... Demnach gäbe es im englischsprachigen Raum noch nicht einmal eine Möglichkeit, meinen Anwendungsfall ohne lange Erklärungen in Worte zu fassen...

[3] Der Artikel verlinkt auf einen englischen Eintrag namens Timeline. Der kennt aber, obwohl der deutschsprachige Eintrag ausgerechnet die Encyclopedia Britannica als Erstverwender solcher Tafeln nennt, gerade keine mehrseitigen Timelines. Und wenn man ganz korinthenkackend drauf sein will, kann man selbst bei der Zeittafel sagen, hier kommt man auch mit longtable hin, man muß halt nur darauf verzichten, sie fließen zu lassen (argh!). Falls also jemand immer noch die Existenz des Anwendungsfalls einer mehrseitigen Tafel jenseits meines Spezialproblems in Zweifel ziehen will: Versuch mal komplexe Verwandtschaftsbeziehungen etwa in einem Herrschergeschlecht über mehr als zwei, drei Generationen ohne Auslassen (vermeintlich) unwichtiger Nebenlinien auf einer Seite unterzubringen...

Dienstag, 13. April 2010

Österliche Bußzeit...

Es gibt Tage, an denen kann man gar nicht so viel beten, wie man kotzen möchte... Warum kommen die Rückschläge eigentlich immer dann, wenn man meint, man hätte ein gewisses Level erreicht?

Heute früh in der Messe dachte ich angesichts des deutlich höheren Gesangstempos noch, die müssen alle meinen Blogeintrag von gestern gelesen haben. Doch der Tag sollte noch mehrere unmittelbar aufeinander folgende Breitseiten bereithalten (4 innerhalb von schätzungsweise zehn Minuten). Während ich mich noch von dem einen Tiefschlag zu erholen versuchte, traf mich bereits der nächste. Alles scheiße, alles doof, vor allem wenn es aus Rom oder zumindest von Bischöfen kommt, mit kirchlicher Lehre ist doch eh kein Blumentopf zu gewinnen, und natürlich sind die repräsentativen katholischen Jugendlichen dick und häßlich, und wenn nicht, wenn sie gar offensiv kirchliche Positionen vertreten, dann sind sie eben nicht repräsentativ oder haben zumindest eine defizitäre Gottesbeziehung. Warum kann sich eigentlich keiner vorstellen, daß jemand dabei steht, der sich von solchen Despektierlichkeiten in seinem Glauben und damit so persönlich wie nur möglich angegriffen fühlt?

Aber wie sag' ich's meinem Kinde?! Mal davon abgesehen, daß die Klugheit eh gebietet, nicht alles zu sagen, was man denkt, macht mich sowas eher depressiv als aggressiv, so daß mir mittlerweile nicht nur der Mut, sondern schon die Worte fehlen. Was soll ich denn auch noch sagen, wenn ich mit jedem Wort den Eindruck vermittelt bekomme: Wer das anders sieht, lebt entweder hinterm Mond oder ist Fundamentalist (oder wahrscheinlich beides). Im Netz kann man sich von den Tiefschlägen erholen und dann angemessen (sachlich!) antworten (und hat den Vorteil, den anderen auf seine Formulierungen festnageln zu können). Man kann sich sogar die Zeit lassen, die Antwort mehrfach zu überarbeiten oder einen Blogeintrag mehrfach zu verschieben, solange bis er ausgereift ist. Im direkten Gespräch, insbesondere wenn man nur daneben sitzt und zuhört, hat man (oder nur ich?) den Zeitpunkt bereits verpaßt, zu dem man sich dazu noch hätte äußern können. Aber wie soll man Contra geben, wenn die ganze Gesprächsrichtung überhaupt keine Anknüpfungsmöglichkeit bietet?

Dabei geht es mir ja nicht einmal um die konkreten Punkte. Vielleicht ist die Kritik ja sogar sachlich berechtigt (so genau kenne ich die Details ja nun nicht immer). Aber der Grundduktus geht mir tierisch auf den Senkel: Mist, Fehlgriff, veraltet, dumm. Wie soll man mit so einem negativen Grundimpetus irgendwas auferbauen?! Und wie kommt es, daß solche negativen Urteile immer kaskadenartig kommen, Positives aber nur vereinzelt aufblitzt? Wieso sind eigentlich immer die Bischöfe die angeblich "Zurückgebliebenen"? Ist es ausgeschlossen, daß man sich selbst irrt?

In den letzten Wochen habe ich mehrfach gelesen, daß es "da draußen" noch mehr gibt, die wie ich gelegentlich davon träumen, die "Welt" hinter sich lassen zu können. Mich faszinieren ja die Kartäuser, aber meine Frau läßt mich verständlicherweise nicht, und das ist wohl auch gut so. Sie meint, vielleicht stünde ich ja dort, wo ich stehe, damit mal jemand was dagegen sagt. Wenn dem so ist, dann fehlt mir aber noch ganz viel Gnade und Heiliger Geist, der mir eingibt, was ich sagen kann. Wenn mich der eine oder andere in sein Gebet aufnehmen könnte, wäre ich ihm sehr dankbar.

Allmächtiger Gott, gewähre mir die Gnade, glühend zu ersehnen, was wohlgefällig ist vor Dir, es mit Weisheit zu erforschen, in Wahrheit zu erkennen und vollkommen zu erfüllen. Ordne meinen Lebensweg zu Lob und Ehre Deines Namens. Laß mich Deinen Willen erkennen, so wie es sich gebührt und meiner Seele segen bringt.

Laß mich in Glück und Unglück treu zu Dir stehen, im Glück demütig, im Unglück stark und ungebeugt. Nur was zu Dir mich führt, soll meine Freude sein; nur was von Dir mich trennt, soll mich betrüben. Gib, daß ich niemand zu gefallen suche und keinem zu mißfallen fürchte als Dir allein.

Was vergänglich ist, o Herr, das sei gering in meinen Augen, doch kostbar sei mir alles, was Dein ist, um Deinetwillen; und über alles andere sollst Du selbst mir kostbar sein, o Herr, mein Gott. Jede Freude ohne Dich sei mir zuwider; laß mich nichts suchen als Dich allein. Für Dich zu arbeiten sei meine Freude, und eine Ruhe ohne Dich sei eine Last.

Gib, daß ich oft mein Herz zu Dir erhebe und mit Reue und erneutem Vorsatz Sühne leiste, wenn ich gefehlt. Laß mich gehorsam sein ohne Widerspruch, arm im Geiste ohne Niedrigkeit der Gesinnung, rein ohne Flecken, geduldig ohne Klage, demütig ohne Verstellung, froh ohne Maßlosigkeit, traurig ohne Kleinmut, ernst ohne Anmaßung, rührig ohne Oberflächlichkeit, wahrhaft ohne Trug. Laß mich Gutes tun ohne Überheblichkeit. Laß mich den Nächsten ermahnen ohne Hochmut und ihn erbauen in Wort und Beispiel ohne Falschheit.

Gib mir, o Herr, ein wachsames Herz, das kein leichtfertiger Gedanke von Dir ablenkt, ein edles Herz, das keine unwürdige Leidenschaft erniedrigt, ein gerades und aufrechtes Herz, das kein gemeines Streben auf Abwege führen kann, ein starkes Herz, das keine Trübsal beugt, ein freies Herz, das sich von keiner bösen Macht beherrschen läßt.

Schenk mir, o Gott, Verstand, der Dich erkennt, Eifer, der Dich sucht, Weisheit, die Dich findet, einen Wandel, der Dir gefällt, Beharrlichkeit, die gläubig Dich erwartet, Vertrauen, das am Ende Dich umfängt.

Laß mich, o Herr, Deine Strafen hienieden tragen im Geist der Buße und Deine Wohltaten recht gebrauchen durch Deine Gnade. Laß mich Deine Freude einst im Vaterland genießen durch Deine Herrlichkeit, o Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.
(Thomas von Aquin -- siehe Gotteslob 7,6)

Dienstag, 6. April 2010

Neuanfang

Sodele, nach sechs Wochen Fastenzeit ist ein Neuanfang fällig. Der geplante Kommentar zu meinem "Fastenzeitprojekt" zieht sich noch etwas, daher nur kurz die Frage, was mir von der Fastenzeit bleibt:
  • Der Versuch, den betrieblichen Kaffeevollautomaten zu meiden (zuviel Koffein, zuviel Zucker), der schwachsinnigerweise dazu führte, daß meine Colavorräte erschreckend schnell zu Neige gingen (meine Frau unterstützte mich, indem sie einfach keine neue Cola kaufte :-).
  • 11 Stunden Beichtgelegenheit während der Karwoche in meiner Pfarrei (gut, man muß dazu sagen, es ist eine Kathedralkirche).
  • Der geistliche Impuls eines Kollegen in der 5. Fastenwoche über die Passionszeit und den deus absconditus anhand des vorkonziliaren Passionssonntagsevangeliums: Manchmal hätten wir doch das Gefühl, Christus sei nicht in unseren Kirchen -- haben auch wir Steine aufgehoben und nach Ihm geworfen? Andererseits dauerte das Verborgensein bis Karfreitag. Gehört es also mit zu unserer Erlösung, so daß wir es einfach ertragen müssen? Und sind das überhaupt sich ausschließende Alternativen?
  • Die Verwunderung darüber, daß wir immer noch über die Mißbrauchsfälle reden. Mittlerweile scheint auch keiner mehr zu wissen, wie das ganze überhaupt losging, sonst könnte man doch gar nicht unwidersprochen behaupten, es müsse alles aus dem "Dunkel" der Kirche ans "Licht" der Öffentlichkeit gebracht werden...
Und noch jede Menge anderes Zeugs, das ich in den nächsten Wochen nochmal rauskramen werde.

Dienstag, 23. Februar 2010

Brutstätte der Versuchung

Ins Leben geworfen
Mit einem tiefen Haßgefühl
Versuchte mich zu ändern,
Aber es blieb mein Schicksal
Supergau für die Welt
Ich werde dir Qualen bereiten!

Geschieden von den Strömen der Erlösung
Tödliche Dosis Mord per Impfung
Unordnung in Auslöschung
Dafür würde ich sterben

Das ist mein Leben
das sind meine Träume
Das meine Versuchung

All diese Sünden,
die ich nicht bereuen würde
Sie sind meine Versuchung

Süchtigmachende Emotionen,
die mich nie enttäuschen,
Sie sind meine Versuchung

Eure schwarzen Seelen
bis in ihren Kern zu erschüttern
Das ist meine Versuchung

Nie hätte ich gedacht,
Der Tag würde kommen
Nie hätte ich gedacht,
Dich sterben zu sehen,
wie du um die Gnade der Erlösung bettelst

Ins Leben geworfen
Mit einem tiefen Haßgefühl
Versuchte mich zu ändern,
Aber es blieb mein Schicksal
Supergau für die Gesellschaft
Ich werde ihr Qualen bereiten!

Brutstätte der Versuchung!
Vergiftet hinein
In die Brutstätte der Versuchung
Wir alle sterben
In der Brutstätte der Versuchung
Nach einer Vorlage von Maurizio Iacono, (P) 2006

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Weihnachten

Er hat sich für uns hingegeben, um uns von aller Schuld zu erlösen und sich ein reines Volk zu schaffen, das ihm als sein besonderes Eigentum gehört und voll Eifer danach strebt, das Gute zu tun.
Tit 2,14; zweite Lesung der Heiligen Nacht

Freitag, 18. Dezember 2009

Moderne Überexaktheit

Vielleicht liegt den Schwächen der EÜ auch wieder ein spezifisches Problem der Moderne zugrunde, nämlich "es" "wissenschaftlich" exakt auf den Punkt bringen zu müssen. Zumindest fand ich es ausgesprochen irritierend, daß im Preuschen bei gefühlt jeder dritten Vokabel eine Sonderbedeutung nur für den Jakobusbrief angegeben war (wenn es nicht sowieso schon ein Hapaxlegomenon war...), zum Teil standen sogar ganze Halbsätze im Vokabelverzeichnis! Dabei ging es natürlich auch mit den eigentlichen Grundbedeutungen, man mußte halt nur etwas bildlicher denken. Dafür verstand man besser, was eigentlich dastand.

Am krassesten war ja Jak 4,5 ("pros phthonon epipothei to pneuma ho katwkisen en hemin"), wozu es im Preuschen (Eintrag phthonos) heißt: "pros phthonon epipothein Ja 4,5 ist ganz dunkel" und, wie immer, wenn ein Exeget mit einer Stelle nicht klarkommt: "wahrscheinlich verderbt" (bloß daß der kritische Apparat bei Nestle-Aland nur eine einzige Quelle angeben kann, die "theon" statt "phthonon" liest...) Aber weil alle to pneuma hier als Akkusativ auffassen (Schlachter ausgenommen) brauchen sie halt noch ein Subjekt, und noch die revidierte Lutherbibel (1984) macht aus dem "er" noch "Gott" (übrigens auch das ach so wortgetreue Münchener NT), so daß es dort heißt: "Mit Eifer wacht Gott über den Geist, den er in uns hat wohnen lassen"; EÜ: "Eifersüchtig sehnt er sich nach dem Geist, den er in uns wohnen ließ", wobei der Sache nach hier als "er" nur "Er" in Frage kommt... - Schlachter dagegen: "Ein eifersüchtiges Verlangen hat der Geist, der in uns wohnt". Mein Übersetzungsvorschlag ginge jedoch noch einen Schritt weiter, nämlich auch das pros phthonon nicht einfach zu "eifersüchtig" aufzulösen: "Der Geist, der in uns wohnt, sehnt sich nach Neid" - und siehe da, Hieronymus teilt meine Meinung , wenn er ins Lateinische übersetzte: "ad invidiam concupiscit Spiritus qui inhabitat in nobis" und ebenso wie ich den Anfang von 4,6 zum "Schriftzitat" hinzurechnet: "maiorem autem dat gratiam" (größere Gnade aber gibt Er).

Und genau das ist das Problem: Man will dem "gemeinen Leser" (oder gar den "Hörer des Wortes" im Gottesdienst) wohl nicht gleich schwierigen Interpretationsfragen zumuten. Mit dem möglicherweise beabsichtigten Nebeneffekt, daß er sich auch gar keine großen Gedanken über den Text macht. Nicht, daß nachher jemand bei "das Rat der Geburt in Brand setzen" (Jak 3,6) auf die Idee kommt, hier an Erbsünde zu denken (selbst wenn der ganze Kontext sachlich [siehe auch oben zu Jak 4,5f] von der Folgen derselben spricht), denn wir wissen ja, daß sowas im NT nur solche Leute finden können, die (wie Augustinus) nicht gut genug Griechisch konnten...

Allerdings muß man zur Ehrenrettung der Exegeten einräumen, daß sie beim Jakobusbrief recht ausführlich auf die stark interpretierenden Übersetzungen hinweisen. Bliebe bloß die Frage, wer dann die Übersetzung verbrochen hat...

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Glaube ohne Werke ist nicht nur tot...

Natürlich hat sich kein Übersetzer etwas ausgedacht. Dennoch wurde mir erst bei meinen eigenen Übersetzungsversuchen klar, daß es Jakobus nicht in erster Linie darum ging, daß wir die Hungernden speisen, der Frierenden einkleiden und die Kranken besuchen. Vielmehr geht es ihm um Haltungen.

Die Grundhaltung ist dabei der Glaube, der eben mehr ist als bloßes Für-Wahr-Halten (das täten eben auch die Dämonen). Genau deshalb ist Glaube ohne Werke tot, denn wer in der Grundhaltung des Glaubens verharrt, hat notwendigerweise Werke vorzuweisen. Wer sie nicht hat, muß schon zu den Frierenden und Hungernden gesagt haben: Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!, ohne ihnen aber zu geben, was sie brauchen (vgl. Jak 2,16).

Schon hier zeigt sich schon die Schwäche der EÜ: "ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen - was nützt das?" Das könnte man sozialromantisch verstehen, daß jeder genug zum Leben haben muß. Bei Jakobus steht aber eher: "aber ihr gebt ihnen nicht das für den Körper Notwendige, was nützt es?" Hier geht es also um unmittelbare Not, konkret abzuwendende Lebensgefahr, um das, was sie unmittelbar, sofort und notwendig brauchen, um den nächsten Tag zu erleben!)

Der nächste Vers der EÜ lautet: "So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat." Meines Erachtens steht aber etwas anderes da: "So auch der Glaube: Wenn er keine Werke hat, ist er ihm selbst gemäß (kath' heauton) tot." Oder wie Schlachter durchaus an heutige Begriffe anknüpfend treffend übersetzte: "So ist es auch mit dem Glauben: Wenn er keine Werke hat, so ist er an und für sich tot." Das heißt: Glaube ohne Werke ist deshalb tot, weil es Glaube ohne Werke nicht gibt, weil Glaube eine Grundhaltung ist, die nicht echt ist, wenn sie nicht praktische Konsequenzen hat. Glaube ohne Werke ist kein "toter Glaube", er ist überhaupt kein Glaube, sondern irrender Weg, Irrtum, Irrlehre (wie Jakobus später schreibt).

Dienstag, 8. Dezember 2009

Immaculata Conceptio

Beim heutigen Fest wird uns Katholiken ja häufig vorgeworfen, wir wären zu dumm zum Rechnen: 2 Wochen statt 9 Monate... Klar, der Vorwurf fällt auf die zurück, die ihn erheben, denn würden sie 9 Monate zurückrechnen, kämen sie auf den 25. März und damit - oh Wunder - auf den Festtag der Verkündigung des Herrn.

Rechnet man jedoch von heute neun Monate drauf, landet man beim 8. September. Und siehe da: Mariä Geburt. Wer wirklich rechnen kann, ist also klar im Vorteil. Es geht heute nicht um die Empfängnis Jesu, sondern eben die Empfängnis Mariens; wir feiern als, daß (bzw. wie) Maria empfangen wurde, nicht daß (bzw. wie) sie empfangen hat.

Allerdings tut die Leseordnung ja nun wirklich viel, um Mißverständnisse zu produzieren. Insbesondere das Evangelium, das exakt dasselbe wie am 25. März ist, kann zu Fehlinterpretationen verleiten. In der vorkonziliaren Leseordnung war zwar dieselbe Stelle dran, aber in entscheidend kürzerer Fassung: Es endete mit der Anrede des Engels "Du Begnatete!" Denn in Seiner Güte und Vorsehung hat, wie das Tagesgebet sagt, Gott Maria von ihrer Empfängnis an vor jeder Schuld, also auch der Erbschuld, bewahrt. Sie ist begnadet, weil die Gnade ersetzt, was im Sündenfall verloren ging. Genau deshalb ist auch die erste Lesung aus Gen 3 genommen.

Doch: Deutet nicht auch die zweite Lesung aus dem Epheserbrief das Fest auf Weihnachten, also die Geburt des Erlösers hin aus? Von Maria ist hier doch überhaupt nicht die Rede! Wieder deutet das Tagesgebet die Lesung, das auch sagt, daß die Begnadung Mariens "im Hinblick auf den Erlösertod Christi" geschah. Maria war als Mensch genauso erlösungsbedürftig wie wir alle, bedurfte also der Erlösung in Christus. Als Mutter des Erlösers aber wurde sie von Gott im Hinblick auf und durch das zukünftige Heilswerk ihres Sohnes bereits von ihrer Empfängnis an erlöst. (Daran zeigt sich auch, wie unzutreffend die Anwendung menschlich-zeitlicher Kategorien auf den ewigen, anfangs- und endlosen Gott ist...) Dieses Element des Geheimnisses ist es, was die zweite Lesung ausdrücken will.

Damit zeigt sich auch, was wir heute auch feiern: Die ebenso uns verheißene Gnade Gottes durch Jesus Christus und ihre Wirkung, wie sie sich exemplarisch in Maria zeigte. Wir feiern heute unsere Berufung zur Vollkommenheit, zur Heiligkeit und die durch Christi Leiden, Tod und Auferstehung bewirkte Möglichkeit, ihr in der durch die Taufe vermittelten Gnade Gottes auch zu folgen.