Dienstag, 27. Juli 2010

White Metal Top 1

Meine Top 1 des White Metals ist natürlich meine persönliche Top 1, die mit meinen Vorlieben für Death Metal und epischen Bombast zu tun hat. Insofern kann hier gar nichts anderes stehen als (frühe) Mortification. Deren Album "Scrolls of the Meggilloth" ist im ganzen zwar "nur" gehobener Durchschnitt, enthält aber den meiner Meinung nach fast ultimativen Death Metal Song überhaupt: Ancient Prophecy. Ultimativ aus mehreren Gründen: alles drin von wildem Geblaste bis zu beinahe doomiger Langsamkeit und damit der Kombination des Besten, was Death Metal zu bieten hat (aus meiner Sicht, versteht sich), das ganze in der epischen Länge von fast 12 Minuten -- und einen Text, der das meiner Meinung nach ultimative Death Metal-Thema schlechthin behandelt:




Ja, ich weiß, das Video läßt sich eingebettet nicht abspielen, und vollständig ist der Song auf Youtube auch nicht (dafür ist er zu lang). Aber der Song ist ausgehend vom vierten Gottesknechtslied tatsächlich so etwas wie das musikalische Äquivalent zu Mel Gibsons The Passion. Viel besser geht kaum noch. Weder aus "White" noch aus "Death Metal"-Perspektive.

Montag, 26. Juli 2010

Das Grauen des Lebens

Gestern abend lief "Saving Private Ryan" im Fernsehen. Den Film habe ich erst zum zweiten Mal gesehen, trotzdem hatte sich extrem viel zielich tief eingebrannt. 1999 habe ich ihn im Kino gesehen als ich gerade selbst "durch den Schlamm robbte", also mit den Augen eines Soldaten. Damals dachte ich, das Schlimmste sei an der Front. Hatte man denn als alliierter Soldat am Strand der Normandie überhaupt eine realistische Chance? Eigentlich ist es ein Wunder, daß die Deutschen dort verloren haben (oder genauer: der taktische Fehler einer Fehleinschätzung, wo die Alliierten landen würden, war der Grund, daß die Alliierten eine Chance hatten).

Gestern habe ich ihn wie gesagt nach gut 10 Jahren zum zweiten Mal gesehen -- diemals mit den Augen eines Vaters. Vor zehn Jahren dachte ich, nach dem Anfangsteil der Landung in der Normandie, wäre das Schlimmste des Films vorbei, und was das zu Sehende angeht, stimmt das auch. Aber das Grauen wartete nicht an der Front. Das Grauen wartet zu Hause. Sowohl für die Eltern als auch für die Überlebenden. An der Front geht es nur um die Frage leben oder sterben. Auf den Tod kann man sich vorbereiten, auch wenn die Angst bleibt. Zuhause geht es darum, mit den Folgen zu leben. Mit der Auslöschung der gesamen Nachkommenschaft, mit dem Schicksal, möglicherweise als einziger zu überleben und nicht zu wissen, womit man das verdient hat -- weil es eben völlig zufällig ist. Wer überlebt, muß mit der Irrationalität des Lebens, des Bösen klarkommen, und rational kann es darauf gar keine Antwort geben. Kann man sich auf das Leben vorbereiten?

White Metal Top 2

So, wo ich mit Narnia schon meine White Metal-Top 3 geposted habe, will ich auch noch Top 2 nachschieben: Horde -- Hellig Usvart. Eigentlich ist das gar kein White Metal, sondern "Unblack Metal". Wer vom frühen norwegischen Black Metal keine Ahnung hat, wird vermutlich nicht verstehen, was das -- ich erlaube mir an dieser Stelle mal Fäkalsprache -- Endgeile an dieser Scheibe ist.

Von der Ästhetik, der Musik uns selbst den Texten her ist das Black Metal in Vollendung -- nur mit anti-anti-christlichen Texten. Boah, was haben die Norweger gekotzt! Jayson Sherlock, der Horde im Alleingang gemacht hat (damals Drummer bei Mortification), bekam sogar Morddrohungen (das nenne ich Zeugnis in Bezug auf Metal ;-) -- ganz doof war er allerdings auch nicht und hat als das für Black Metal nötige Pseudonym gleich "Anonymous" gewählt -- allerdings auch schon wieder eine Anspielung auf Euronymous, den "Übervater" der norwegischen Black Metal-Szene).

Wer sich nicht ganz so ernst nahm wie die Norweger, konnte allerdings damals schon Respekt für die Provokation empfinden. Mittlerweile sind auch die Norweger wieder ruhiger geworden, und 2006 konnte Horde in Oslo ihren ersten und wohl auch einzigen Live-Auftritt hinlegen. Um das Anti-anti-christliche an Horde deutlich zu machen (was nach Black Metal-Maßstäben bei Songtiteln wie "Drink from the Chalice of Blood", "A Church Bell Tolls Amidst the Frozen Nordic Winds", "Behold, the Rising of the Scarlet Moon", "An Abandoned Grave Bathes Softly in the Falling Moonlight" und "The Day of Total Armageddon Holocaust" nicht unbedingt auf den ersten Blick ersichtlich ist), gibt's "Invert the Inverted Cross":

Weitere Songtitel, über die ich mich fast nicht einkriegen kann: "Blasphemous Abomination of the Satanic Pentagram", "Release and Clothe the Virgin Sacrifice", "Silence the Blasphemous Chanting", "Crush the Bloodied Horns of the Goat", "Weak, Feeble, Dying Anti-Christ". Davon müßte es noch viiiiiel mehr geben.

Sonntag, 25. Juli 2010

Conditio humana

Viele Besucher der Love-Parade seien verzweifelt gewesen, weil sie sich vom eigenen Überlebenswillen leiten ließen und über Sterbende hinweg traten, anstatt zu helfen, berichtete Joachim Müller-Lange, Landespfarrer für Notfallseelsorge der rheinischen Landeskirche.

Sie werden für die Wahrheit kämpfen

Auf diesen Artikel muß ich als alter Fantasy-Fan einfach hinweisen. Und damit hier ein bißchen mehr steht, auch noch der passende Song (vom Album, das meine Top 3 in den White Metal-Charts darstellt, gerade weil hier das Böse ernsthaft thematisiert wird und nicht "Jesus liebt dich, alles ist toll"):

Wenn nur diese blöden spanischen portugiesischen Untertitel nicht wären...

Deutschland Missionsland

Es soll ja angeblich unheimlich viele Probleme mit ausländischen Priestern geben. Das kann ich mir, nach heutiger erneuter "Begutachtung", gut vostellen. Da kommen nämlich Priester, die nicht nur tatsächlich glauben, sondern aufgrund ihrer beschränkten Sprachkenntnisse auch einfach auf den Punkt kommen müssen. 5 Minuten knackige Predigt mit der Kernaussage im ersten Satz: So ihr nicht betet, so glaubet ihr nicht! Daß das nicht in allen weichgespülten Pfarreien ankommt, ist nun nicht wirklich verwunderlich.

Na gut, manchmal gibt's wirklich ernsthafte Probleme. Wir hatten mal einen vietnamesischen Priester zur Vertretung. Bei dessen Aussaprache habe ich selbst im Hochgebet nicht immer gewußt, wo er gerade war. Aber die meisten, die ich erlebt habe, von Polen über Afrikaner bis Inder, hatten zwar einen deutlichen Akzent, waren aber  besser verständlich als so mancher Deutscher mit leiser Stimme oder schludriger Aussprache.

Samstag, 24. Juli 2010

Wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit...

Leute, die noch am alten Glauben festhielten, fürchteten die einzigen zu sein, die ihm noch treu blieben, und da sie die Absonderung mehr als den Irrthum fürchteten, so gesellten sie sich zu der Menge, ohne wie diese zu denken. Was nur die Ansicht eines Theiles des Nation noch war, schien auf solche Weise die Meinung Aller zu sein und dünkte eben deßhalb diejenigen unwiderstehlich, die ihr diesen trügerischen Anschein gaben.
Alexis de Tocqueville 1856 über den Niedergang der katholischen Kirche im vorrevolutionären Frankreich.

Allerdings frage ich mich, ob ich da so anders bin. Klar, mein Selbstverständnis ist natürlich, der Wahrheit anzuhängen und gelegen oder ungelegen dieselbe zu verkünden. Aber ist das vielleicht auch bloß Selbstbetrug? Bin ich vielleicht nur der Meinung, der eher konservativen Auslegung des Glaubens gehöre die Zukunft? Dieser Auffassung bin ich ja tatsächlich, auch wenn ich sie eher damit begründe, daß der Wahrheit die Zukunft gehört und die moderne Auslegung des Glaubens in große Irrtümer geführt hat. Diese Irrtümer begründe ich aber als Irrtümer auch "bloß" damit, daß sie einfach nicht dazu geeignet sind, reale Erfahrungen stimmig zu erklären, während der Katechismus oder noch deutlicher der römische Katechismus aus den 30er und der Grundriß der Theologie von Ott ganz simple, aber plausible Deutungen anbieten, obwohl die genannten Erfahrungen zur Entstehungszeit der Bücher eigentlich noch nicht dieselben gewesen sein dürften.

Oder doch? Bin ich also einfach bloß ein total nonkonformistischer Mitläufer??? Jedenfalls teile ich die Auffassungen, die in meiner privaten Umgebung vertreten werden. Andererseits habe ich mir ja diese Umgebung auch (aus)gesucht, weil dort meine Auffassungen geteilt werden. Was aber wäre, wenn ich nicht auf Leute getroffen wäre, die meine Intuitionen in Worte fassen konnten? Was wäre, wenn ich nicht die Blogoezese entdeckt hätte, die ja doch recht eindeutig in eine Richtung tendiert (zumindest die Bekloppten und Konvertiten)? Was wäre, wenn ich nie aus meiner Heimatpfarrei rausgekommen wäre und mich immer noch gegen eine starke 70er-Jahre-Fraktion behaupten müßte?

Wie dem auch immer sei: Der Wunsch nach Anerkennung durch andere Menschen steckt schon irgendwie tief in mir drin. Und auch, wenn ich in der Lage bin, mich gegen Menschen zu behaupten, die nicht gerade meinen Alltag prägen, so wüßte ich doch nicht, wie ich, vor allem auf Dauer, reagieren würde, wenn meine Frau plötzlich voll von der Alt-68er-Ideologie infiziert wäre...

Donnerstag, 22. Juli 2010

Vollkommenheit

Der Weg zur Vollkommenheit führt über das Kreuz. Es gibt keine Heiligkeit ohne Entsagung und geistigen Kampf [Vgl. 2 Tim 4]. Der geistliche Fortschritt verlangt Askese und Abtötung, die stufenweise dazu führen, im Frieden und in der Freude der Seligpreisungen zu leben.

"Wer aufsteigt, hört nie auf, durch endlose Anfänge von Anfang zu Anfang zu schreiten. Wer aufsteigt, hört nie auf, zu ersehnen, was er schon kennt" (Gregor von Nyssa, hom. in Cant. 8).
Katechismus der Katholischen Kirche, 2015

Mittwoch, 21. Juli 2010

Real existierender Katholizismus?

Mit der alten Messe kenne ich mich ja nicht sonderlich aus: mehr oder weniger willkürlich ausgewählte Literatur und (immerhin) ein einziger Besuch einer Messe in der forma extraordinaria. Ich habe nichts gegen sie, würde mich aber auch nicht sonderlich für sie einsetzen. (Wichtiger als ordentlich oder außerordentlich ist mir "nicht unordentlich".)

Was ich allerdings kenne, ist das Motu Proprio Summorum Pontificum. Und eigentlich finde ich das ausgesprochen leicht verständlich. Irgendetwas muß ich aber wohl doch falsch verstanden haben. Nirgendwo finde ich eine Zuständigkeit des Bischofs für die Genehmigung einer Messe im außerordentlichen Ritus, außer wenn der zuständige Pfarrer sie verweigert. Was fehlt in dieser Schilderung an wichtigen Informationen, die begründen, warum der Dekan, wenn er doch offenbar wohlwollend ist, nicht einfach sagt: Macht mal? Das Motu proprio sagt doch sogar, daß alle dem Wortlaut desselben entgegenstehenden Regelungen aus sich selbst heraus nichtig sind, so daß doch in diesem Fall sich keiner um den Bischof scheren müßte (und nein, der vom MP erwähnte can. 392 scheint mir hier überhaupt nicht relevant zu sein).

Also: Klärt mich Unwissenden bitte über den real existierenden Katholizismus auf!

Die letzte Prüfung der Kirche

Vor dem Kommen Christi muß die Kirche eine letzte Prüfung durchmachen, die den Glauben vieler erschüttern wird. Die Verfolgung, die ihre Pilgerschaft auf Erden begleitet, wird das "Mysterium der Bosheit" enthüllen: Ein religiöser Lügenwahn bringt den Menschen um den Preis ihres Abfalls von der Wahrheit eine Scheinlösung ihrer Probleme. Der schlimmste religiöse Betrug ist der des Antichrist, das heißt eines falschen Messianismus, worin der Mensch sich selbst verherrlicht, statt Gott und seinen im Fleisch gekommenen Messias.
Katechismus der Katholischen Kirche, 675

Sonntag, 18. Juli 2010

Ach ja,...

...um zu beweisen, daß ich kein Konvertit bin:



Anmerkung: Der Beitrag ist eigentlich nicht so abstrus, wie mein Label es behauptet. Er zeigt vielmehr, daß tatsächlich die dem Text angemessene/entsprechende Musik das Problem ist, wenn ein solcher Text als "Lounge Music" problemlos übers landesweite Fernsehen geht und die Leute sogar noch drüber lachen... Aber es gibt ja keine Heuchelei und Verdrängung des Bösen in der Gesellschaft...

Meßgeschwindigkeit

Wenn ich auswärts in die Messe gehe, wundere ich mich immer wieder, wie leer Kirchen sein können und wie es Priester schaffen, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit irgendwelche tollen Einfälle einzuflechten und trotzdem die Sonntagsmesse unter einer Stunde fertig zu kriegen. Ein Pfarrer rechtfertigte die Kürze selbst seiner Hochämter mal, wenn er länger machte, kämen die Leute nicht mehr. Komisch, dessen Kirche wurde trotzdem immer leerer, während bei uns die Kirche meist gut gefüllt ist, obwohl man nicht damit rechnen kann, unter 60--70 min. wieder draußen zu sein.

Mittwoch, 14. Juli 2010

Der Vollständigkeit halber...

...sei angemerkt, daß es bei Daniel Deckers wieder eingehakt hat. Über die Entscheidung der Kirche von England, Frauen als Bischöfe zuzulassen, schreibt er heute:
"Viele Kirchen des Südens halten das Wohlwollen der Episkopal Church in den Vereinigten Staaten und der Church of England gegenüber Homosexuellen und Frauen im Bischofsamt für eine neue Spielart des weißen Imperialismus. Nicht nur die Schrift und die Tradition haben sie auf ihrer Seite, sondern auch die Demographie. Wenn die Anglikanische Kirche dieses Jahrhundert überlebt, dann nicht als 'weiße' Kirche."

Sonntag, 11. Juli 2010

What the...?!

Wenn das so weitergeht, wird aus meinem Blog noch ein Deckers-Watch-Blog. Diesmal (Samstagsausgabe, S. 8) ist es zwar "nur" ein auch als solcher gekennzeichneter Kommentar zur Rehabilitierung von Abt und Prior des Klosters Ettal:
"Jetzt haben wir es gewissermaßen amtlich: Was immer in der Benediktinerabtei Ettal vor einigen Jahren zwischen einem Pater und einem Schüler vorgefallen ist, war nie von der Art, daß es dem Mißbrauchsbeauftragten des Erzbistums München hätte zu Ohren kommen müssen. Das kann man glauben, muß es aber auch nicht."
Die Begründung lautet: Was hätte auch anderes herauskommen sollen, wenn man einen Benediktiner andere Benediktiner überprüfen läßt. Zudem fehle jegliche Begründung für das Urteil.
"Unabhängig voneinander sprechen beide Indizien dafür, daß maßgebliche Kräfte in der katholischen Kirche noch immer nicht begriffen haben, daß ihre Form der 'Aufklärung' jedem auch noch so absurden Zweifel an der Integrität der Institution und der sie repräsentierenden Personen Vorschub leistet."
Ganz davon abgesehen, daß eine solche "Prophetie" sich selbst erfüllt, weil sie selbst genau diese absurden Zweifel fördert, zeigt der glücklicherweise nicht von Deckers stammende Artikel auf Seite vier etwas mehr sachliche Substanz. Hier nochmal die Zusammenfassung: Es geht in der Rehabilitierung ausschließlich um die Meldepflicht eines einzigen Falles aus dem Jahr 2005. Der betreffende Pater wurde vorsichtshalber versetzt (sowohl an einen anderen Ort, was bei der benediktinischen stabilitas loci schon ein gewisses Zeichen darstellt, als auch zunächst in den Verwaltungsdienst), obwohl in einem Gutachten bescheinigt wurde, daß das vorgefallene Streicheln keinerlei Anhaltspunkte für sexuellen Mißbrauch oder Pädophilie aufweise, auch wenn es bei einem "bäuchlings auf dem Bett" liegenden Schüler "unter dem T-Shirt" erfolgte. Gut, ich war nicht dabei, Daniel Deckers allerdings auch nicht. Da die Patres in einem Internat durchaus die Elternrolle miterfüllen müssen, sehe ich als Vater von vier Kindern hier allerdings auch keinerlei Anhaltspunkte für sexuellen Mißbrauch oder Pädophilie -- es sei denn, wir leben bereits unter einer Diktatur der Verdachtshermeneutik, in der jeder noch so absurde Verdacht widerlegt werden müßte. Zum Glück gilt bei uns selbst in solchen Fällen immer noch in dubio pro reo.

Ich frage mich allerdings, woran Deckers hier bewußt oder unbewußt arbeitet. Implizit bedeutet sein Kommentar doch, daß die Kirche nicht selbst Vorfälle untersuchen dürfe. Wäre die Visitation nicht durch Benediktiner sondern durch Franziskaner oder auch Weltpriester erfolgt, hätte Deckers vermutlich sinngemäß geschrieben: Was kann man schon erwarten von einer Vistiation ausgerechnet durch Angehörige einer anderen Odensgemeinschaft bzw. der beschuldigten Kirche. Oder anders gefragt: Gilt für Deckers nicht, daß die Kirche -- unbeschadet des jedem Bürger zukommenden Rechtes, die staatlichen Stellen einzuschalten, wenn er von einer mutmaßlichen Straftat erfährt -- das Recht hat, ihre inneren Angelegenheiten selbst zu regeln? Denn genau darum geht es doch bei dem hier in Frage stehenden Fall: Wurden die (nur) innerkirchlich geltenden Regeln befolgt oder verletzt?

Das heißt natürlich nicht, daß hier roma locuta, causa finita gelten muß (obwohl Deckers selbst das vor kurzm im Falle Bischof Mixas gefordert hat; aber das gilt vermutlich nur, wenn Rom in seinem Sinn entscheidet). Natürlich kann man beklagen, daß der Visitationsbericht nicht öffentlich zugänglich ist. Allerdings sollte man schon ein paar sachliche Indizien dafür haben, daß hier etwas verschwiegen oder vertuscht wird, und nicht nur die vage Ahnung, daß Benediktiner anderen Benediktinern kein Auge auskratzen würden. Daß Katholiken dazu auch ohne klaren Grund fähig sind, ist jedenfalls offensichtlich. Aber dieser Blogeintrag stammt natürlich auch von jemandem, der vermutlich "noch immer nicht begriffen" hat, daß seine Vorstellung von Gerechtigkeit "jedem auch noch so absurden Zweifel an der Integrität der Institution und der sie repräsentierenden Personen Vorschub leistet". Herrliches Totschlagargument!

Freitag, 9. Juli 2010

Angry Neurotic Catholic

Daß es bei Daniel Deckers ab und zu einmal aushakt, dessen bin ich mir ja bewußt, und damit lebe ich schon das eine oder andere Jahr. Neu ist allerdings, daß "es" jetzt nicht mehr wieder einhakt. Heute hat es mir bei der FAZ-Lektüre glatt die Sprache verschlagen, als ich die Vorstellung Bischof Zdarsas durch Daniel Deckers las:
"Daß zwischen der Annahme des Amtsverzichts [Bischof Mixas] Mitte Mai und der Ernennung eines Nachfolgers nicht einmal zwei Monate vergingen, sagt indes mehr über die dramatische Lage in dem von [Bischof] Mixa seit 2005 geleiteten Bistum aus als über die Qualifikation des neuen Bischofs. Bis auf wenige Jahre, die Zdarsa zur Promotion im Fach Kirchenrecht in Rom verbrachte, war er stets in der recht überschaubaren Welt des ostdeutschen Diaspora-Katholizismus beheimatet, ohne darin durch überdurchschnittliche Gaben etwa als Seelsorger oder Intellektueller aufzufallen. Allerdings stellte sich auf der Suche nach einem Nachfolger [Bischof] Mixas bald heraus, daß Zdarsa dser Einzige sei, der dem wichtigsten aller Erfordernisse genügen könne: Verfügbarkeit."
Aha. Konrad Zdarsa ist also nur Bischof geworden, weil er nichts anderes konnte; wahrscheinlich war schon seine Berufung zum Generalvikar nur dem Schutz des Pastoralviehs geschuldet. Zum Bischof eines schwierigen Bistums wählt Papst Benedikt auch lieber einen unfähigen Nichtstuer aus, der zufälligerweise gerade abkömmlich ist, anstatt einen in schwieriger Situation bewährten Bischof, dem er zutraut, ruhig, aber beharrlich die tiefen Gräben im Bistum zu überwinden. Priester und Bischof in einer Gegend zu sein, wo nur selten mehr als 5% der Bevölkerung katholisch sind, ist nicht mehr als ein Kindergeburtstag. Überhaupt ist ja die "überschaubare Welt" des katholischen Ostens der Traum eines jeden deutschen Katholiken, weil es sich dort ja so beruhigt unhinterfragt katholisch sein läßt. Deshalb ja auch der westdeutsch-katholisch Exodus ins Stammland der Reformation in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Meine Güte! Ich weiß ja nicht, was Deckers so raucht, aber er sollte es reduzieren. Jedenfalls tut er sich und der FAZ damit keinen Gefallen. Bischof Zdarsa und die Kirche wird es wohl gerade so überstehen.

Leider gibt es den Song, der mir jetzt schon den halben Tag im Kopf rumschwirrt, nicht in der Carnivore'schen Originalversion im Netz (jedenfalls nicht legalerweise). Dafür brauche ich mir halt keinen tollen Postingtitel auszudenken.

Mittwoch, 7. Juli 2010

It's all over now, baby blue

Mir wird's langsam unheimlich! Da habe ich doch tatsächlich die eine Hälfte der Finalspiele zutreffend vorausgesagt, und sogar die Anzahl deutscher Tore im Argentinienspiel hatte ich, wenn auch nicht ganz so öffentlich, richtig eingeschätzt (leider habe ich's selbst nicht geglaubt, das wäre eine schöne Wettquote gewesen...). Aber weder Uruguay noch die Niederländer hatte ich ernsthaft auf der Rechnung. Insofern denke ich auch, daß Spanien wohl Weltmeister wird -- aber eins ist sicher: Es wird ein Land, das es noch nie zuvor war.

Schade. In den letzten Wochen kamen mir angesichts des vielen Schwarz-Rot-Gold doch ein paar Erinnerungen an vor 20 Jahren. Aber gegen diese Spanier war nun echt nichts zu wollen: Die Seiten waren dicht, es konnten kaum Flanken reinkommen. Na, dann halt in vier Jahren. Das Spiel um Platz 3 gewinnt Deutschland übrigens wieder souverän mit vier Toren.

Montag, 5. Juli 2010

Jetzt wird's ernst

Wer hätte das gedacht! Da habe ich doch glatt die Hälfte der Halbfinalteilnehmer richtig getippt. Aber weder Uruguay noch die Niederlande hatte ich ernsthaft auf der Rechnung. England und Brasilien waren dafür recht enttäuschend. Ganz im Gegensatz zu Deutschland. Da hatte ich zwar mit dem Spiel gegen Argentinien im Viertelfinale gerechnet, aber ganz klar eine Zitterpartie erwartet. Wenn das so weiter geht, dann würde das ja auch wunderbar zur Reihe passen: 1954 --> 1974 = 20 Jahre, 1990 --> 2010 = 20 Jahre.

Na, schauen wir mal. Die diesjährige Mannschaft kann besser spielen als die vor zwei Jahren. Es kann also gegen Spanien reichen, zumal die sich ja auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben. Uruguay kann ich gar nicht einschätzen, bisher habe ich in jedem Spiel gegen sie gesetzt und wurde eines Besseren belehrt. Die Niederlande können guten Fußball spielen, aber das hat ihnen bisher noch nicht allzuviele Titel eingebracht. Es wird also nicht nur ernst, es wird auch noch spannend.

Donnerstag, 1. Juli 2010

Wulff wird ein guter Präsident

Ich kann's nicht mehr hören! Aller Orten (exemplarisch hier und hier) wird über die Wahl von Wulff lamentiert. Vorausgesetzt, da stecken tatsächlich ernsthafte Argumente hinter und nicht nur die wohlfeile Pflege der eigenen allgemeinen Politikverdrossenheit, sei an ein ganz gewichtiges Faktum erinnert: 1999 hat Gauck selbst seine Nominierung durch die CSU abgelehnt. Wahrscheinlich wegen mangelnder Wahlaussichten. Stattdessen hat er sich jetzt von rot-grün zum Affen machen lassen. Hätte rot-grün eine ernsthafte Chance gesehen, einen eigenen Kandidaten zum Bundespräsidenten zu wählen, hätten sie ganz sicher nicht Gauck aufgestellt. Oder anders formuliert: Diese Wahl ist nicht mehr und nicht weniger (tages-)politisch bestimmt gewesen als alle anderen vorher. Das Amt mag einen überparteilichen Anspruch haben, die Wahl in dieses Amt war es nie.

Ob Wulff der beste möglich Kandidat war, sei einmal dahingestellt, mir fällt jedenfalls kaum ein politisch durchsetzbarer besserer ein. Worin ist denn Gauck bitte besser? Weil er jahrelang eine nach ihm benannte Behörde geleitet hat? Weil ihn "das Volk" sympathischer findet? Weil Gauck kantiger daherkommt als Wulff? Also ich habe genug von Ersatzvaterfiguren in der Politik...

Es mag ja in mehr oder weniger bürgerlichen Kreisen populärer sein, sich gegen die DDR-Vergessenheit zu stellen, Wulff hingegen ist einer der wirklich wenigen Politiker, die sich mit aktuell geltendem politisch gewolltem Unrecht auseinandersetzen, nämlich der willkürlichen Nicht-Revision der Enteignungen in der SBZ vor Gründung der DDR im Zuge der Wiedervereinigung. Im Gegensatz zur Erinnerung an DDR-Unrecht würde das, wenn breit diskutiert, viel mehr Politikern, noch dazu im eigenen "Lager", weh tun. Nein, Wulff mag zwar als der liebste aller möglichen stromlinienförmigen Schwiegersöhne erscheinen, dahinter steckt aber ein mindestens ebenso kantiger Politiker wie Gauck sich öffentlich präsentiert.