Donnerstag, 28. Juli 2011

Diplomatie bis zum Untergang

Stanislaus hat auf die Antwort von Kardinal Meisner zur Frage nach einem Pontifikalamt in der forma extraodinaria hingewiesen. Stanislaus nennt das beiläufig eine "negative Antwort". Bei genauerer Betrachtung ist es aber keine negative Antwort, weil sie überhaupt keine Antwort auf die gestellte Frage beinhaltet.

Die Frage lautete kurz und knapp:
können Sie sich vorstellen, ein Pontifikalamt in der außerordentlichen Form des römischen Ritus zu feiern?

Wenn ja, warum?
Wenn nein, warum nicht?
Es gab bei "direktzu Kardinal Meisner" mehrere Fragen zur außerordentlichen Form, und ich vermute, daß ich nicht der einzige war, der gerade diese Frage gerade wegen ihrer Formulierung unterstützt hat. Sie bot die Möglichkeit, mal ernsthafte Argumente zu bringen (sei es für oder wider). Und dann sagt er nicht einmal, ob er sich das vorstellen könnte, wenn es denn mal einen Anlaß gäbe, sondern nur, daß er zur Zeit keinen Anlaß sieht:
Zu Ihrer eigentlichen Frage:
Bisher habe ich kein Pontifikalamt in der außerordentlichen Form gefeiert. Obwohl ich 1962 zum Priester geweiht worden bin und die Messzelebration anfangs noch in der außerordentlichen Form praktiziert habe, müsste ich mich heute intensiv darauf vorbereiten. Augenblicklich sehe ich keinen Anlass, selbst ein Pontifikalamt in der außerordentlichen Form zu feiern.
Ok, sich darauf intensiv vorbereiten zu müssen, ist ein valides Argument gegen ein Pontifikalamt in der außerordentlichen Form am, sagen wir mal: kommenden Sonntag. Vermutlich ist die Planung eines Erzbischofs von Köln aber sowieso längerfristiger als bis kommenden Sonntag. Daß er im Augenblick keinen Anlaß sieht, ein solches zu feiern, sagt ja noch nichts darüber aus, was wäre, wenn ein solcher Anlaß gegeben wäre (spinnen wir mal rum: etwa anläßlich der Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft mit der Piusbruderschaft?). So kann man natürlich eine negative Antwort da reinlesen -- aber sie steht da nicht. Das ist eine Interpretation, die der Rezipient vornimmt, und der wird immer seine eigenen Erwartungen in so einen Text reinbringen, sei es, daß ein deutscher Bischof eh nie außerordentliche zelebrieren wird (sei es aus Feigheit, sei es aus Überzeugung), sei es, daß Kardinal Meisner ja gerne würde, sich aber bisher eben kein Anlaß ergab, was man ja durch eine Anfrage ändern könnte, oder der Widerstand aus $FEINDBILD-Kreisen zu groß ist.

Toll, die Antwort ist mal wieder herrlich diplomatisch und stößt streng wörtlich genommen weder die einen noch die anderen vor den Kopf (sagt er ja auch: er muß der Einheit dienen), und bei Bedarf kann er die eine oder andere Interpretation vorschieben. Nur daß er auf Dauer damit beide Seiten (die sich überhaupt für die Frage interessieren) vergrätzt, die nämlich beide eine klare Positionierung wünschen. Wie wollen wir eigentlich wieder missionarisch werden, wenn wir auf klare Fragen keine klaren Antworten geben können?!

DISCLAIMER: Dieses Posting ist Ausdruck meiner persönlichen Enttäuschung darüber, daß Kardinal Meisner sich aus einer klar und präzise formulierten Frage einfach "rausgewieselt" hat. Nicht mehr und nicht weniger.

Kommentare:

  1. OK, jetzt ich mal: "außerordentlicher Ritus" ist definitiv die falsche Bezeichnung. Es ist die "außerordentliche Form des römischen Ritus".

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  2. BITTE? Du ließt aber auch gerne nur das, was du lesen willst. Was soll denn das? Der Kardinal "wieselt" sich weder raus noch gibt er eine negative Antwort. Er hat doch Recht. Seit über 40 Jahren hat er sie nicht mehr praktiziert und ist nun mal aus der Übung. Er wird sie bestimmt nicht vergessen haben, aber sie ist halt keine Praxis von ihm mehr. Also, deine "Enttäuschung" kann ich echt nicht verstehen. Man darf heute auch noch Menschen vertrauen und glauben!

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  3. Ich wiederhole nochmal die Frage:

    "können Sie sich vorstellen, ein Pontifikalamt in der außerordentlichen Form des römischen Ritus zu feiern?

    Wenn ja, warum?
    Wenn nein, warum nicht?"

    Wo gibt er auf diese Fragen welche Antwort?

    Daß er Vorbereitungszeit braucht, geschenkt. Die Frage war aber, ob er es sich vorstellen könnte. Nicht ob er es aus dem Stand heraus könnte.

    Ich bezweifle ja nicht, daß das, was er gesagt hat, stimmt, sondern ich kritisiere, daß er damit der Frage ausweicht.

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