Irgendwann in den nächsten zwei bis drei Jahren dürfte ich mein zwanzigjähriges Internetjubiläum haben. Am Anfang war es ein großes Spielzeug, eine Möglichkeit, andere Bekloppte kennenzulernen, was bei mir damals eher mit Al Bundy als mit Jesus Christus zu tun hatte... Richtig spannend wurde es erst nach der Entdeckung des Usenets (Foren waren mir mit 'nem Modem einfach zu langsam, und umständlich finde ich sie heute noch; bei den sozialen Netzwerken fehlt mir das "hierarchische Element" ;-). Und damit begann auch mein "Beklopptheitswandel" zu mehr Glaubensdiskussionen.
Meine Erfahrung war ziemlich schnell, vor allem in der Auseinandersetzung mit Freikirchlern, daß es uns Katholiken zum einen ganz mächtig an Faktenwissen mangelt, zum anderen aber an einer spezifischen Katholiziät in der Argumentation. Wenn ich mich auf eine Diskussion mit einem Freikirchler einlasse, ohne mir bewußt zu sein, daß ich seine Voraussetzung der rein biblischen Argumentation nicht teile, dann habe ich früher oder später das Problem, daß ich ihm die katholische Lehre nicht erklären und schon gar nicht begründen kann. Denn ich argumentiere ja gar nicht katholisch, sondern freikirchlich. Wie soll da also was Katholisches bei rumkommen? Zum Glück gab es da immer auch ein paar besonders "Bekloppte", die genau diese Diskrepanz thematisierten: "Klar, unter deinen Voraussetzungen kann man das gar nicht anders denken. Aber wir Katholiken haben andere Voraussetzungen. Und daß nur die Schrift allein zähle, läßt sich mit ihr selbst gar nicht begründen. Wohl aber die Tradition, denn die ist älter."
In den Folgejahren habe ich das dann anzuwenden versucht. Die neue Erfahrung war: Wenn man wirklich von den Grundlagen bis zu den Details katholisch argumentiert, erreicht man zwar nicht unbedingt Zustimmung, schon gar nicht existentielle, aber doch selbst von bekennenden Atheisten Respekt für die (wider Erwarten?) vorhandene innere Logik des christlichen (katholischen) Glaubens. Und manchmal auch mehr.
Reißt man aber auch nur an einer kleinen, nach der Hierarchie der Wahrheiten vermeintlich unbedeutenden Stelle ein notwendiges Element der Lehre heraus, bricht über kurz oder lang das ganze, über knapp 2000 Jahre sorgsam austarrierte Gebäude zusammen. Eine Zeitlang wird man mit wilden Stützbauten den Zusammenbruch noch aufhalten können, aber für diese Stützbauten muß man weitere tragende Elemente abtragen, die dann ihrerseits Stützbauten brauchen. Schließlich werden diese Stützbauten aber nicht mehr auf dem tragenden Fundament stehen, das Christus selbst ist. Spätestens dann wird einem die ganze Bautätigkeit um die Ohren fliegen.
Liegt also die gegenwärtige Schwäche der katholischen Kirche (im deutschsprachigen Raum) zu einem nicht ganz unwesentlichen Teil nicht daran, daß schon die Grundlagen nicht bekannt sind und intuitiv eher protestantisierende Selbstverständlichkeiten für katholisch gehalten werden? Erst kürzlich hatte ich eine Diskussion in eigentlich bewußt-katholischem Kontext. Die Mitdiskutanten haben den Vorwurf des Protestantisierens entrüstet von sich gewiesen. Und doch lief da immer untergründig so eine unkatholische "Fortschrittsfeindlichkeit" mit, nach der eine Lehre, die erst im Mittelalter entstand und heute nochmals ganz anders ausehe als zu ihrer Entstehung, ja nicht so wichtig sein kann. Tja, und es kam wie es kommen mußte: Nachdem diese Lehre über Bord gegangen war, wurden auch gleich weitere Lehren, mit denen ich argumentieren wollte, als offenbar "nicht mehr zeitgemäß" (oder so) abgelehnt. "Ad Fontes" in allen Ehren -- aber wo bleibt da der "Geist, der uns in alle Wahrheit einführen wird"?
Mich macht das immer ein wenig traurig. So wird das jedenfalls nichts mit der Neuevangelisierung...
In ipsa item catholica ecclesia magnopere curandum est, ut id teneamus, quod ubique, quod semper, quod ab omnibus creditum est.
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Mittwoch, 11. April 2012
Samstag, 5. Februar 2011
Demokratisierung der Kirche muß man sich erstmal leisten können...
Angesichts der ganzen Forderungen nach synodaler(en) Struktur(en), Mitbestimmung der Laien bei Pfarrer- und Bischofsernennungen usw. frage ich mich: Wenn das wirklich käme (was ich mit Sicherheit ausschließe), wann sollte ich die nötigen Sitzungen, Abstimmungen und Meinungsbildungsprozesse unterbrigen? Mit Beruf und Familie bin ich schon ganz gut ausgelastet, daneben bin ich ja nicht nur in der Kirche ehrenamtlich aktiv. Manchmal fehlt mir schon die Zeit für die Blogoezese, und dafür brauche ich ja nur Internetanschluß, bin also zur Teilnahme nicht auf körperliche Anwesenheit zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort festgelegt.
Bei den Gemeindeabenden zur Zusammenlegung der hiesigen Innenstadtpfarreien zu einer einzigen wunderten sich jedesmal die Anwesenden über ihr Durchschnittsalter. Wo denn die ganzen jungen Leute seien? Die müßten doch das größte Interesse haben?
Nunja, warum war meine Frau wohl ohne mich dort? Und warum ich ohne sie beim "Ehrenamtlichenempfang"? -- Tja, insbesondere Abendtermine bergen für Familien doch die eine oder andere Schwierigkeit. Entweder kann nur einer von uns oder wir brauchen einen Babysitter. Nun sind aber unsere üblichen Babysitter allesamt katholisch, ob es die Paten unserer Kinder oder "Leihomas und -opas" sind. Ganz davon abgesehen, daß Mutterglück bekanntlich das ist, was eine Mutter empfindet, wenn alle Kinder schlafen (mir als Vater geht es da durchaus ähnlich :-), denn dann hat man endlich auch mal Zeit füreinander und für all die Dinge, die nur in Ruhe auszudiskutieren sind. Oder anders gesagt: Wir würden uns eine "Demokratisierung" in der Kirche zeitlich kaum leisten können.
Bei den Gemeindeabenden zur Zusammenlegung der hiesigen Innenstadtpfarreien zu einer einzigen wunderten sich jedesmal die Anwesenden über ihr Durchschnittsalter. Wo denn die ganzen jungen Leute seien? Die müßten doch das größte Interesse haben?
Nunja, warum war meine Frau wohl ohne mich dort? Und warum ich ohne sie beim "Ehrenamtlichenempfang"? -- Tja, insbesondere Abendtermine bergen für Familien doch die eine oder andere Schwierigkeit. Entweder kann nur einer von uns oder wir brauchen einen Babysitter. Nun sind aber unsere üblichen Babysitter allesamt katholisch, ob es die Paten unserer Kinder oder "Leihomas und -opas" sind. Ganz davon abgesehen, daß Mutterglück bekanntlich das ist, was eine Mutter empfindet, wenn alle Kinder schlafen (mir als Vater geht es da durchaus ähnlich :-), denn dann hat man endlich auch mal Zeit füreinander und für all die Dinge, die nur in Ruhe auszudiskutieren sind. Oder anders gesagt: Wir würden uns eine "Demokratisierung" in der Kirche zeitlich kaum leisten können.
Freitag, 21. Januar 2011
Zum Dialog in die Ecke gestellt
Bruder Paulus hat in einem Beitrag für die GKP einen Beitrag über die Frage, ob es zweierlei Katholischsein gibt, geschrieben. Den Grundimpuls dieses Beitrags halte ich für richtig und wichtig: Es muß darüber gesprochen werden, was "Katholischsein" eigentlich bedeutet. Auch Bruder Paulus' Anliegen einer echt katholischen Weite -- die dann aber eben auch die Differenzen in Brüderlichkeit aushalten sollte -- teile ich. Sicher ist jedenfalls nur: Eine Kirche, die von einem großen Graben durchzogen wird, ist nicht katholisch, und daran müßte eigentlich jeder Katholik leiden. Man muß sich ja nicht gleich lieben, aber ein wenig Neugierde in beide Richtungen wäre hilfreich. Sie setzt aber voraus, daß sie nicht durch persönliche Attacken zerstört wird. Wer sich seines Glaubens wirklich sicher ist, braucht sich durch die Existenz abweichender Meinungen janicht bedroht zu fühlen.
Soweit stimme ich mit Bruder Paulus überein. Ich muß allerdings zugeben: So sicher bin ich mir meines Glaubens auch wieder nicht. Wenn die Position des Lehramtes in Sachen "Weihepriestertum nur für den Mann, Zölibat, Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen" infragegestellt werden, dann fühle ich mich, meinen Glauben und die Kirche in Frage gestellt (gut, bei "Zölibat" fühle ich mich nicht in Frage gestellt, sondern wundere mich nur noch über diese Phantomdiskussion). Wieviel Katholizität kann denn in einem Glauben stecken, der sich nicht in Gemeinschaft mit dem päpstlichen Lehramt verorten kann? Daß es selbst in dieser Gemeinschaft noch genug Spielraum für unterschiedliche Meinungen gibt, sei dabei vorausgesetzt, aber es geht in den Debatten doch nur selten um wirklich pastorale Lösungen, sondern darum, alle irgendwie lieb zu haben und keinem wirklich weh zu tun.
Genau an diesem Punkt setzt meine Kritik an Bruder Paulus' Artikel an, nämlich daß er selbst indirekt persönliche Attacken fährt und sich einseitig positioniert. Im "Tradi-Absatz" finden sich ständige Einschränkungen und Problematisierungen, im "Moderni-Absatz" braucht man schon ein wenig Phantasie, um in der Aufzählung Sinus-Milieu-Studie, religiöser Trendmonitor und "ungetrübter Blick auf die Kirchenaustritts-Statistik" eine gewisse (Selbst-)Ironie zu sehen. Doch diese bleibt deutlich hinter den pejorativen Formulierungen wie "aus dieser Ecke", "beim näheren Hinsehen auffällig viele Formulierungen aus vorkonziliarer Zeit" und "Formen des Glaubens von vorgestern" im Absatz davor zurück, die im verurteilenden: "Wer echt katholisch ist, sieht hoffentlich weiter", gipfeln. Da wird man zum Dialog aufgefordert und gleich in die Ecke gestellt! *kopfschüttel*
Der Fehler liegt aber nicht einmal in der Ausführung, sondern schon im Grundkonzept des Artikels. Bruder Paulus hat den Ansatz gewählt, beide Positionen in ihren Schwächen darzustellen. Ich fürchte, so kommen wir nicht weiter. Wer ständig nur auf die Schwächen des anderen starrt, wird kaum dessen Schönheit erkennen können. Meine Ehe funktioniert jedenfalls (nur) anders. Wie wäre es also, lieber die Stärken zu sammeln? Dafür müßte man nicht einmal so wesentlich die Details zu ändern. Denn die Stärke der "Modernis" ist sicher, gesellschaftliche Entwicklungen aus ihrer Eigenlogik heraus zu verstehen; die der "Tradis" aber, das ganze Glaubensgut den weltlichen Eigenlogiken entegenzustellen.
Bleibt nur noch anzumerken, daß ich mich in der Dichotomie von "Tradis" und "Modernis" überhaupt nicht wiederfinde. Die katholische Kirche ist längst viel pluraler als die üblichen Grabenkämpfe vermuten lassen. Nur wird offenbar jeder in eins der beiden Lager gesteckt. Schubladen sind ja so praktisch...
Soweit stimme ich mit Bruder Paulus überein. Ich muß allerdings zugeben: So sicher bin ich mir meines Glaubens auch wieder nicht. Wenn die Position des Lehramtes in Sachen "Weihepriestertum nur für den Mann, Zölibat, Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen" infragegestellt werden, dann fühle ich mich, meinen Glauben und die Kirche in Frage gestellt (gut, bei "Zölibat" fühle ich mich nicht in Frage gestellt, sondern wundere mich nur noch über diese Phantomdiskussion). Wieviel Katholizität kann denn in einem Glauben stecken, der sich nicht in Gemeinschaft mit dem päpstlichen Lehramt verorten kann? Daß es selbst in dieser Gemeinschaft noch genug Spielraum für unterschiedliche Meinungen gibt, sei dabei vorausgesetzt, aber es geht in den Debatten doch nur selten um wirklich pastorale Lösungen, sondern darum, alle irgendwie lieb zu haben und keinem wirklich weh zu tun.
Genau an diesem Punkt setzt meine Kritik an Bruder Paulus' Artikel an, nämlich daß er selbst indirekt persönliche Attacken fährt und sich einseitig positioniert. Im "Tradi-Absatz" finden sich ständige Einschränkungen und Problematisierungen, im "Moderni-Absatz" braucht man schon ein wenig Phantasie, um in der Aufzählung Sinus-Milieu-Studie, religiöser Trendmonitor und "ungetrübter Blick auf die Kirchenaustritts-Statistik" eine gewisse (Selbst-)Ironie zu sehen. Doch diese bleibt deutlich hinter den pejorativen Formulierungen wie "aus dieser Ecke", "beim näheren Hinsehen auffällig viele Formulierungen aus vorkonziliarer Zeit" und "Formen des Glaubens von vorgestern" im Absatz davor zurück, die im verurteilenden: "Wer echt katholisch ist, sieht hoffentlich weiter", gipfeln. Da wird man zum Dialog aufgefordert und gleich in die Ecke gestellt! *kopfschüttel*
Der Fehler liegt aber nicht einmal in der Ausführung, sondern schon im Grundkonzept des Artikels. Bruder Paulus hat den Ansatz gewählt, beide Positionen in ihren Schwächen darzustellen. Ich fürchte, so kommen wir nicht weiter. Wer ständig nur auf die Schwächen des anderen starrt, wird kaum dessen Schönheit erkennen können. Meine Ehe funktioniert jedenfalls (nur) anders. Wie wäre es also, lieber die Stärken zu sammeln? Dafür müßte man nicht einmal so wesentlich die Details zu ändern. Denn die Stärke der "Modernis" ist sicher, gesellschaftliche Entwicklungen aus ihrer Eigenlogik heraus zu verstehen; die der "Tradis" aber, das ganze Glaubensgut den weltlichen Eigenlogiken entegenzustellen.
Bleibt nur noch anzumerken, daß ich mich in der Dichotomie von "Tradis" und "Modernis" überhaupt nicht wiederfinde. Die katholische Kirche ist längst viel pluraler als die üblichen Grabenkämpfe vermuten lassen. Nur wird offenbar jeder in eins der beiden Lager gesteckt. Schubladen sind ja so praktisch...
Freitag, 14. Januar 2011
Barocke Kluft
Heute früh kam die Mitteilung meines Twitterkollegen: "Hoi Martin! Ich nehme deine Einladung für heute gerne an. Ich hoffe es stört nicht, wenn ich in Töffkluft 'pilgere'. ..." Ich konnte ihn beruhigen: "Hoi André. Freue mich. Auch ich trage ein besonderes Outfit. Hoffentlich stört es dich nicht, wenn ich in barocker Aufmachung daherkomme."Aus der "Twitter-Predigt" von Abt Martin (Einsiedeln) zu Pfingsten 2010, gefunden via Pixelfreund.
Mittwoch, 20. Oktober 2010
Falsche Illusionen zerstreuen
Der "skeptische Realismus" der Serie [Simpsons] gebe "keine einfachen moralischen Lektionen, sondern helfe, falsche Illusionen über die Welt zu zerstreuen".Wenn der OR dasselbe jetzt noch über Metal schreibt, bin ich versucht, ubesehen ein lebenslanges Abo im Voraus zu bezahlen!!!11einself
Montag, 20. September 2010
Bei Geburt geschlachtet

Erfreulicherweise war ich nicht der einzige, der irgendwie potentiell nach Gegendemonstrant aussah. Und auch nicht der einzige, der "spot the abortionist" spielte. Damit habe ich allerdings aufgehört, nachdem sich eine potentielle Gegendemonstrantin als Trägerin eines Jesus-T-Shirts entpuppte. Meine Güte, selbst in meinem Kopf solche Scheren...
Andererseits war ja tatsächlich schon vor Beginn der Veranstaltung zu erkennen, dass da eine ganze Reihe von Personen vor der Bühne standen, die sicherlich nicht für das Leben marschieren wollten. (Wie blöd ist das eigentlich, eine Demo gegen eine Demo "für das Leben" zu machen? Macht das nicht automatisch aus der Gegendemo eine Demo gegen das Leben???) Und plötzlich fühlte ich mich sehr unwohl in meiner Haut und ließ mein dem Anlaß entsprechendes T-Shirt wegen der möglichen Mißverständnisse besser unter der Regenjacke versteckt. (Interessanterweise ist das mein einziges Metal-Shirt, das überhaupt -- dafür aber regelmäßig -- erkennbare Reaktionen hervorruft.) Um ein Kreuz habe ich mich dann gar nicht mehr ernsthaft bemüht, zumal es an der Stelle, an der ich stand, eh aus mir völlig unklaren Gründen nicht vorwärtsging.
Durch die Berichte über die letztjährigen Vorfälle (die neben einer glücklichen Fügung der Grund sind, daß ich mich endlich mal nach Berlin aufmachte) war ich vorgewarnt, was passieren könnte, und ehrlichgesagt: Ich fand die Störer im großen und ganzen harmlos. Nicht nett, nicht demokratisch, aber auf kurze Sicht jedenfalls harmlos. Solange die einzeln und nicht im Pulk auftraten, waren die sogar höflich und man konnte mit ihnen ruhig reden. Dass hier eine der Seiten grundsätzlich ihre Meinung änderte, war ja nicht zu erwarten, aber wer weiß, wofür's gut ist.
Trotzdem, was da einige an Tönen von sich gaben, kenne ich sonst nur von CD (oder live). Und in diesem musikalischen Rahmen ist das in der Regel Ausdruck von verzweifelter Wut. Mit Betonung auf "verzweifelt". Vielleicht sollte man sich diesen Leuten tatsächlich mit einer sehr pastoralen Grundhaltung nähern. Diese autoritären Ermahnungen, zu denen sich ein paar ältere Damen und Herren in meiner Umgebung hingezogen fühlten, und erst recht die Verhöhnung, die allerdings nur ein einziger älterer Herr für nötig hielt (Reaktion des Gegendemonstranten: "Was soll das denn? Sie machen doch so denselben Scheiß wie wir!"), sind völlig deplaziert. Die wollen stören, und jede Reaktion, die ihnen zeigt, daß sie stören, bestätigt sie bloß.
Eigentlich wäre also völliges Ignorieren der beste Umgang mit ihnen. Andererseits machen die es einem ja auch so schwer wie möglich, sie zu ignorieren. Wenn deren Sprechchöre direkt neben mir ertönten, kam ich jedenfalls nicht mal fehlerlos durchs Vater Unser. Apropos: Der schmerzreiche Rosenkranz hatte plötzlich irgendwie historisierende Begleitphänomene... In den Nebenstraßen kam plötzlich so etwas wie Ruhe auf, durch die der ganze Zug eine ganz andere, nicht minder erschütternde Atmosphäre bekam. An der Hedwigskathedrale erschien mir der Geräuschpegel dann plötzlich höher als je zuvor.
Ich verstehe zwar nicht, warum der Marsch für das Leben dazu führt, daß da Leute gegen Homophobie, christlichen Fundamentalismus und Patriarchat demonstrieren müssen -- aber klar ist: da hat jemand Angst um sein Weltbild. Mit anderen Worten: Die nehmen uns ernst. Im Gegensatz zu den Medien.
Dennoch, in einer Hinsicht sind diese Gegendemonstranten nicht harmlos. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was in den Köpfen der Kinder vorgeht. Mit meinen Kindern bin ich auf dem Bahnhof mal in eine Horde Fußballfans geraten, und meine Kinder haben sich im wahrsten Sinne des Wortes vor Angst in die Hose gemacht. Mit Familie zum Marsch für das Leben... ich weiß nicht, mit meinen Kindern traue ich mich das wohl nicht.
Zum Abschluß noch ein Fundstück: Hier habe ich tatsächlich ein Bild gefunden, auf dem ich zu sehen bin, oder zumindest mein Rucksack mit dem blauen Regenschutz :-):
Mittwoch, 1. September 2010
Bekenntnis
Nach einer weiteren Erfahrung der abstrusen, unerwarteten Art im innerkatholischen Umgang miteinander habe ich mir einige Gedanken darüber gemacht, warum alles, was rechts von der "Lehmannkirche" steht, Aversionen bis hin zu faktischen Exkommunikationen (zwar nicht im Sinne von Sakramentenausschluß, aber im Sinne von Ausschluß aus der Gemeinschaft: they, who must not be named) führt.
Neben vielen kleinen mehr oder weniger zureichenden Gründen fällt mir letztlich nur ein einziger wirklich hinreichender Grund ein (und ja, das ist völlig ins Unreine geschrieben, trotzdem): Bekenntnis. Es stößt offenbar vielen Mainstreamkatholiken auf, daß sich da jemand klar zu etwas bekennt, was ihm wichtiger als "wir haben uns alle lieb" ist. Alles könne man so oder so sehen, aber nicht, daß man alles so oder so sehen kann (siehe die Stanford Nutting-Videos). Es ist die Klarheit, die Deutlichkeit und die damit verbundene Herausforderung, als Gegenüber selbst Position zu beziehen, die (ich sage es mal böswillig:) überfordert. "Man" vertraut auf alles, was man so Angenehmes über Gott, die Kirche usw. gehört hat, und weil das so angenehm ist, stört jeder, der sich mit dieser Harmonie nicht zufrieden geben will.
Dumm nur, daß sich Gott ganz offensichtlich nicht mit dieser simplen Harmonie zufrieden geben will. Oder was feiern wir doch gleich an Karfreitag?
Neben vielen kleinen mehr oder weniger zureichenden Gründen fällt mir letztlich nur ein einziger wirklich hinreichender Grund ein (und ja, das ist völlig ins Unreine geschrieben, trotzdem): Bekenntnis. Es stößt offenbar vielen Mainstreamkatholiken auf, daß sich da jemand klar zu etwas bekennt, was ihm wichtiger als "wir haben uns alle lieb" ist. Alles könne man so oder so sehen, aber nicht, daß man alles so oder so sehen kann (siehe die Stanford Nutting-Videos). Es ist die Klarheit, die Deutlichkeit und die damit verbundene Herausforderung, als Gegenüber selbst Position zu beziehen, die (ich sage es mal böswillig:) überfordert. "Man" vertraut auf alles, was man so Angenehmes über Gott, die Kirche usw. gehört hat, und weil das so angenehm ist, stört jeder, der sich mit dieser Harmonie nicht zufrieden geben will.
Dumm nur, daß sich Gott ganz offensichtlich nicht mit dieser simplen Harmonie zufrieden geben will. Oder was feiern wir doch gleich an Karfreitag?
Mittwoch, 21. Juli 2010
Real existierender Katholizismus?
Mit der alten Messe kenne ich mich ja nicht sonderlich aus: mehr oder weniger willkürlich ausgewählte Literatur und (immerhin) ein einziger Besuch einer Messe in der forma extraordinaria. Ich habe nichts gegen sie, würde mich aber auch nicht sonderlich für sie einsetzen. (Wichtiger als ordentlich oder außerordentlich ist mir "nicht unordentlich".)
Was ich allerdings kenne, ist das Motu Proprio Summorum Pontificum. Und eigentlich finde ich das ausgesprochen leicht verständlich. Irgendetwas muß ich aber wohl doch falsch verstanden haben. Nirgendwo finde ich eine Zuständigkeit des Bischofs für die Genehmigung einer Messe im außerordentlichen Ritus, außer wenn der zuständige Pfarrer sie verweigert. Was fehlt in dieser Schilderung an wichtigen Informationen, die begründen, warum der Dekan, wenn er doch offenbar wohlwollend ist, nicht einfach sagt: Macht mal? Das Motu proprio sagt doch sogar, daß alle dem Wortlaut desselben entgegenstehenden Regelungen aus sich selbst heraus nichtig sind, so daß doch in diesem Fall sich keiner um den Bischof scheren müßte (und nein, der vom MP erwähnte can. 392 scheint mir hier überhaupt nicht relevant zu sein).
Also: Klärt mich Unwissenden bitte über den real existierenden Katholizismus auf!
Was ich allerdings kenne, ist das Motu Proprio Summorum Pontificum. Und eigentlich finde ich das ausgesprochen leicht verständlich. Irgendetwas muß ich aber wohl doch falsch verstanden haben. Nirgendwo finde ich eine Zuständigkeit des Bischofs für die Genehmigung einer Messe im außerordentlichen Ritus, außer wenn der zuständige Pfarrer sie verweigert. Was fehlt in dieser Schilderung an wichtigen Informationen, die begründen, warum der Dekan, wenn er doch offenbar wohlwollend ist, nicht einfach sagt: Macht mal? Das Motu proprio sagt doch sogar, daß alle dem Wortlaut desselben entgegenstehenden Regelungen aus sich selbst heraus nichtig sind, so daß doch in diesem Fall sich keiner um den Bischof scheren müßte (und nein, der vom MP erwähnte can. 392 scheint mir hier überhaupt nicht relevant zu sein).
Also: Klärt mich Unwissenden bitte über den real existierenden Katholizismus auf!
Mittwoch, 30. Juni 2010
Notsituationen und Notlösungen
Ich will ja keineswegs bestreiten, daß es die Möglichkeit gibt, eine Notsituation mit einer dauerhaften Lösung zu beenden. Aber das behauptet Bischof Fürst gar nicht, wenn ich das richtig verstehe. Vielmehr besteht die "pastorale Notsituation" auch beim Einsatz von Wortgottesdienstleitern weiter. Irgendetwas kann da also nicht stimmen.
Eigentlich ist es doch offensichtlich: So wohlfeil und berechtigt die Forderung ist, Wortgottesdienste in das liturgische Leben der Gemeinden zu integrieren, so wenig ist ein Wortgottesdienst doch Ersatz für die Heilige Messe. Gesetzt den Fall, für Bischof Fürst ist ein Wortgottesdienst doch einer Heiligen Messe gleichwertig, was ist dann die "pastorale Notsituation" und in welcher Beziehung steht die Beauftragung von Laien zu Wortgottesdienstleitern zu ihr? Sorry, irgendwas ist dadran dermaßen schief, daß ich einfach nicht verstehe, war Bischof Fürst sich da eigentlich denkt.
Eigentlich ist es doch offensichtlich: So wohlfeil und berechtigt die Forderung ist, Wortgottesdienste in das liturgische Leben der Gemeinden zu integrieren, so wenig ist ein Wortgottesdienst doch Ersatz für die Heilige Messe. Gesetzt den Fall, für Bischof Fürst ist ein Wortgottesdienst doch einer Heiligen Messe gleichwertig, was ist dann die "pastorale Notsituation" und in welcher Beziehung steht die Beauftragung von Laien zu Wortgottesdienstleitern zu ihr? Sorry, irgendwas ist dadran dermaßen schief, daß ich einfach nicht verstehe, war Bischof Fürst sich da eigentlich denkt.
Donnerstag, 24. Juni 2010
Fortsetzung der Katechese mit anderen Mitteln?
Ein Priester hat mal sehr deutlich zu gewissen Marotten in den Fürbittenformulierungen (vor allem Einleitung und Abschluß) gesagt, man müsse doch den lieben Gott nicht belehren. Daher dachte ich, als kürzlich ein anderer Priester ein Gebet formulierte, das mehr an die anwesenden Gläubigen gerichtet zu sein schien als an Gott, frei nach Clausewitz: "Gebet als Fortsetzung der Katechese mit anderen Mitteln."
Nun habe ich das mal bei Google eingegeben und bin auf dieses Ergebnis gestoßen. Ehrlichgesagt bin ich bei den Hymnen nie auf die Idee gekommen, die könnten "belehren". Klar, im Glauben stärken und auch das Staunen über die Heilsgeheimnisse lebendig halten. Aber belehren hieße doch, ich lerne (im rein rationalen Sinne) da was. Mein "Lerneffekt" ist eher ein emotionaler. Oder habe ich da ein falsches Sprachempfinden?
Vielleicht drückt sich in dem verlinkten Text auch nur ein Unverständnis dafür aus, daß Wissen und Glauben, Lehren und Frömmigkeit doch mehr miteinander zu tun haben könnten, als sich das viele heute vorstellen können...
Nun habe ich das mal bei Google eingegeben und bin auf dieses Ergebnis gestoßen. Ehrlichgesagt bin ich bei den Hymnen nie auf die Idee gekommen, die könnten "belehren". Klar, im Glauben stärken und auch das Staunen über die Heilsgeheimnisse lebendig halten. Aber belehren hieße doch, ich lerne (im rein rationalen Sinne) da was. Mein "Lerneffekt" ist eher ein emotionaler. Oder habe ich da ein falsches Sprachempfinden?
Vielleicht drückt sich in dem verlinkten Text auch nur ein Unverständnis dafür aus, daß Wissen und Glauben, Lehren und Frömmigkeit doch mehr miteinander zu tun haben könnten, als sich das viele heute vorstellen können...
Mittwoch, 23. Juni 2010
Ich glaub's nicht!
Die Testversion der katholisch.de-Community hat bisher genau eine (öffentliche) Gruppe. Und was ist das? Ein Tipp: Es geht offenbar vordringlich ums Seelenheil...
[Update: Es handelt sich um die einzige Gruppe im Bereich "Portal Katholisch". Was diese verschiedenen Bereiche eigentlich sind, ist mir nicht ganz klar.]
[Update: Es handelt sich um die einzige Gruppe im Bereich "Portal Katholisch". Was diese verschiedenen Bereiche eigentlich sind, ist mir nicht ganz klar.]
Dienstag, 13. April 2010
Österliche Bußzeit...
Es gibt Tage, an denen kann man gar nicht so viel beten, wie man kotzen möchte... Warum kommen die Rückschläge eigentlich immer dann, wenn man meint, man hätte ein gewisses Level erreicht?
Heute früh in der Messe dachte ich angesichts des deutlich höheren Gesangstempos noch, die müssen alle meinen Blogeintrag von gestern gelesen haben. Doch der Tag sollte noch mehrere unmittelbar aufeinander folgende Breitseiten bereithalten (4 innerhalb von schätzungsweise zehn Minuten). Während ich mich noch von dem einen Tiefschlag zu erholen versuchte, traf mich bereits der nächste. Alles scheiße, alles doof, vor allem wenn es aus Rom oder zumindest von Bischöfen kommt, mit kirchlicher Lehre ist doch eh kein Blumentopf zu gewinnen, und natürlich sind die repräsentativen katholischen Jugendlichen dick und häßlich, und wenn nicht, wenn sie gar offensiv kirchliche Positionen vertreten, dann sind sie eben nicht repräsentativ oder haben zumindest eine defizitäre Gottesbeziehung. Warum kann sich eigentlich keiner vorstellen, daß jemand dabei steht, der sich von solchen Despektierlichkeiten in seinem Glauben und damit so persönlich wie nur möglich angegriffen fühlt?
Aber wie sag' ich's meinem Kinde?! Mal davon abgesehen, daß die Klugheit eh gebietet, nicht alles zu sagen, was man denkt, macht mich sowas eher depressiv als aggressiv, so daß mir mittlerweile nicht nur der Mut, sondern schon die Worte fehlen. Was soll ich denn auch noch sagen, wenn ich mit jedem Wort den Eindruck vermittelt bekomme: Wer das anders sieht, lebt entweder hinterm Mond oder ist Fundamentalist (oder wahrscheinlich beides). Im Netz kann man sich von den Tiefschlägen erholen und dann angemessen (sachlich!) antworten (und hat den Vorteil, den anderen auf seine Formulierungen festnageln zu können). Man kann sich sogar die Zeit lassen, die Antwort mehrfach zu überarbeiten oder einen Blogeintrag mehrfach zu verschieben, solange bis er ausgereift ist. Im direkten Gespräch, insbesondere wenn man nur daneben sitzt und zuhört, hat man (oder nur ich?) den Zeitpunkt bereits verpaßt, zu dem man sich dazu noch hätte äußern können. Aber wie soll man Contra geben, wenn die ganze Gesprächsrichtung überhaupt keine Anknüpfungsmöglichkeit bietet?
Dabei geht es mir ja nicht einmal um die konkreten Punkte. Vielleicht ist die Kritik ja sogar sachlich berechtigt (so genau kenne ich die Details ja nun nicht immer). Aber der Grundduktus geht mir tierisch auf den Senkel: Mist, Fehlgriff, veraltet, dumm. Wie soll man mit so einem negativen Grundimpetus irgendwas auferbauen?! Und wie kommt es, daß solche negativen Urteile immer kaskadenartig kommen, Positives aber nur vereinzelt aufblitzt? Wieso sind eigentlich immer die Bischöfe die angeblich "Zurückgebliebenen"? Ist es ausgeschlossen, daß man sich selbst irrt?
In den letzten Wochen habe ich mehrfach gelesen, daß es "da draußen" noch mehr gibt, die wie ich gelegentlich davon träumen, die "Welt" hinter sich lassen zu können. Mich faszinieren ja die Kartäuser, aber meine Frau läßt mich verständlicherweise nicht, und das ist wohl auch gut so. Sie meint, vielleicht stünde ich ja dort, wo ich stehe, damit mal jemand was dagegen sagt. Wenn dem so ist, dann fehlt mir aber noch ganz viel Gnade und Heiliger Geist, der mir eingibt, was ich sagen kann. Wenn mich der eine oder andere in sein Gebet aufnehmen könnte, wäre ich ihm sehr dankbar.
Heute früh in der Messe dachte ich angesichts des deutlich höheren Gesangstempos noch, die müssen alle meinen Blogeintrag von gestern gelesen haben. Doch der Tag sollte noch mehrere unmittelbar aufeinander folgende Breitseiten bereithalten (4 innerhalb von schätzungsweise zehn Minuten). Während ich mich noch von dem einen Tiefschlag zu erholen versuchte, traf mich bereits der nächste. Alles scheiße, alles doof, vor allem wenn es aus Rom oder zumindest von Bischöfen kommt, mit kirchlicher Lehre ist doch eh kein Blumentopf zu gewinnen, und natürlich sind die repräsentativen katholischen Jugendlichen dick und häßlich, und wenn nicht, wenn sie gar offensiv kirchliche Positionen vertreten, dann sind sie eben nicht repräsentativ oder haben zumindest eine defizitäre Gottesbeziehung. Warum kann sich eigentlich keiner vorstellen, daß jemand dabei steht, der sich von solchen Despektierlichkeiten in seinem Glauben und damit so persönlich wie nur möglich angegriffen fühlt?
Aber wie sag' ich's meinem Kinde?! Mal davon abgesehen, daß die Klugheit eh gebietet, nicht alles zu sagen, was man denkt, macht mich sowas eher depressiv als aggressiv, so daß mir mittlerweile nicht nur der Mut, sondern schon die Worte fehlen. Was soll ich denn auch noch sagen, wenn ich mit jedem Wort den Eindruck vermittelt bekomme: Wer das anders sieht, lebt entweder hinterm Mond oder ist Fundamentalist (oder wahrscheinlich beides). Im Netz kann man sich von den Tiefschlägen erholen und dann angemessen (sachlich!) antworten (und hat den Vorteil, den anderen auf seine Formulierungen festnageln zu können). Man kann sich sogar die Zeit lassen, die Antwort mehrfach zu überarbeiten oder einen Blogeintrag mehrfach zu verschieben, solange bis er ausgereift ist. Im direkten Gespräch, insbesondere wenn man nur daneben sitzt und zuhört, hat man (oder nur ich?) den Zeitpunkt bereits verpaßt, zu dem man sich dazu noch hätte äußern können. Aber wie soll man Contra geben, wenn die ganze Gesprächsrichtung überhaupt keine Anknüpfungsmöglichkeit bietet?
Dabei geht es mir ja nicht einmal um die konkreten Punkte. Vielleicht ist die Kritik ja sogar sachlich berechtigt (so genau kenne ich die Details ja nun nicht immer). Aber der Grundduktus geht mir tierisch auf den Senkel: Mist, Fehlgriff, veraltet, dumm. Wie soll man mit so einem negativen Grundimpetus irgendwas auferbauen?! Und wie kommt es, daß solche negativen Urteile immer kaskadenartig kommen, Positives aber nur vereinzelt aufblitzt? Wieso sind eigentlich immer die Bischöfe die angeblich "Zurückgebliebenen"? Ist es ausgeschlossen, daß man sich selbst irrt?
In den letzten Wochen habe ich mehrfach gelesen, daß es "da draußen" noch mehr gibt, die wie ich gelegentlich davon träumen, die "Welt" hinter sich lassen zu können. Mich faszinieren ja die Kartäuser, aber meine Frau läßt mich verständlicherweise nicht, und das ist wohl auch gut so. Sie meint, vielleicht stünde ich ja dort, wo ich stehe, damit mal jemand was dagegen sagt. Wenn dem so ist, dann fehlt mir aber noch ganz viel Gnade und Heiliger Geist, der mir eingibt, was ich sagen kann. Wenn mich der eine oder andere in sein Gebet aufnehmen könnte, wäre ich ihm sehr dankbar.
Allmächtiger Gott, gewähre mir die Gnade, glühend zu ersehnen, was wohlgefällig ist vor Dir, es mit Weisheit zu erforschen, in Wahrheit zu erkennen und vollkommen zu erfüllen. Ordne meinen Lebensweg zu Lob und Ehre Deines Namens. Laß mich Deinen Willen erkennen, so wie es sich gebührt und meiner Seele segen bringt.(Thomas von Aquin -- siehe Gotteslob 7,6)
Laß mich in Glück und Unglück treu zu Dir stehen, im Glück demütig, im Unglück stark und ungebeugt. Nur was zu Dir mich führt, soll meine Freude sein; nur was von Dir mich trennt, soll mich betrüben. Gib, daß ich niemand zu gefallen suche und keinem zu mißfallen fürchte als Dir allein.
Was vergänglich ist, o Herr, das sei gering in meinen Augen, doch kostbar sei mir alles, was Dein ist, um Deinetwillen; und über alles andere sollst Du selbst mir kostbar sein, o Herr, mein Gott. Jede Freude ohne Dich sei mir zuwider; laß mich nichts suchen als Dich allein. Für Dich zu arbeiten sei meine Freude, und eine Ruhe ohne Dich sei eine Last.
Gib, daß ich oft mein Herz zu Dir erhebe und mit Reue und erneutem Vorsatz Sühne leiste, wenn ich gefehlt. Laß mich gehorsam sein ohne Widerspruch, arm im Geiste ohne Niedrigkeit der Gesinnung, rein ohne Flecken, geduldig ohne Klage, demütig ohne Verstellung, froh ohne Maßlosigkeit, traurig ohne Kleinmut, ernst ohne Anmaßung, rührig ohne Oberflächlichkeit, wahrhaft ohne Trug. Laß mich Gutes tun ohne Überheblichkeit. Laß mich den Nächsten ermahnen ohne Hochmut und ihn erbauen in Wort und Beispiel ohne Falschheit.
Gib mir, o Herr, ein wachsames Herz, das kein leichtfertiger Gedanke von Dir ablenkt, ein edles Herz, das keine unwürdige Leidenschaft erniedrigt, ein gerades und aufrechtes Herz, das kein gemeines Streben auf Abwege führen kann, ein starkes Herz, das keine Trübsal beugt, ein freies Herz, das sich von keiner bösen Macht beherrschen läßt.
Schenk mir, o Gott, Verstand, der Dich erkennt, Eifer, der Dich sucht, Weisheit, die Dich findet, einen Wandel, der Dir gefällt, Beharrlichkeit, die gläubig Dich erwartet, Vertrauen, das am Ende Dich umfängt.
Laß mich, o Herr, Deine Strafen hienieden tragen im Geist der Buße und Deine Wohltaten recht gebrauchen durch Deine Gnade. Laß mich Deine Freude einst im Vaterland genießen durch Deine Herrlichkeit, o Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
Montag, 25. Januar 2010
Unwissenheit und Gleichgültigkeit
Als sich in der Christmette zwei jungen Damen mit "Migrationshintergrund" etwas verschämt und unsicher in die Kommunionschlange eingereiht hatten, war mir schon klar, daß die kaum katholisch sein können. So zeigte sich auch ganz deutlich, daß sie nicht wußten, was tun sollten, als sie die Kommunion gereicht bekamen. Der freundliche "Anranzer" an die Mädels förderte dann auch ihr tatsächliches Unwissen zu Tage -- und zugleich, daß sie keinerlei Absicht hatten, die Hostien zu verunehren.
Bei der Mutter, die ihrem Kleinkind die Kommunion weiterreichte, dachte ich schon eher an Böswilligkeit (zumal ich schonmal erlebt habe, wie die Kommunion an einen Hund weitergereicht wurde...). Aber siehe da: In dieser Familie war lediglich der Vater katholisch, und der hatte seine Frau in der Bank bereits "rundgemacht".
Solche Beispiele lassen sich zwar nicht beliebig fortsetzen. Trotzdem habe ich in den letzten Wochen mehrfach erlebt, daß (nicht nur, aber) insbesondere krasses Fehlverhalten häufig auf Unwissenheit zurückzuführen ist. Wie aber geht man damit um, wenn der Zelebrant selbst sich nicht drum schert? Rechnet der nicht damit, daß sich sich Nicht-Christen in unsere Gottesdienste "verirren"?
Bei der Mutter, die ihrem Kleinkind die Kommunion weiterreichte, dachte ich schon eher an Böswilligkeit (zumal ich schonmal erlebt habe, wie die Kommunion an einen Hund weitergereicht wurde...). Aber siehe da: In dieser Familie war lediglich der Vater katholisch, und der hatte seine Frau in der Bank bereits "rundgemacht".
Solche Beispiele lassen sich zwar nicht beliebig fortsetzen. Trotzdem habe ich in den letzten Wochen mehrfach erlebt, daß (nicht nur, aber) insbesondere krasses Fehlverhalten häufig auf Unwissenheit zurückzuführen ist. Wie aber geht man damit um, wenn der Zelebrant selbst sich nicht drum schert? Rechnet der nicht damit, daß sich sich Nicht-Christen in unsere Gottesdienste "verirren"?
Montag, 11. Januar 2010
Real-kirchliches Kastenwesen?
Da ich neugierig bin und gerne wisse, mit wem ich es zu tun habe, versuche ich regelmäßig herauszubekommen, worüber ein "Dr." eigentlich promoviert wurde. In der Deutschen Nationalbibliographie wird man in der Regel fündig. Manchmal ist das Ergebnis witzig, meistens mehr oder weniger uniteressant, aber zumindest schonmal für eine Grobkategorisierung tauglich.
Was mich jetzt in den letzten Wochen erstaunt hat: In den meisten katholischen Einrichtungen landauf landab scheinen fast ausschließlich Exegeten zu sitzen, zumindest was die Laien angeht (insbesondere Ordensleute können sich ja auch nicht immer aussuchen, in welchem Fach sie promovieren). Dabei werden die meisten theologischen Dissertationen in den systematischen Fächern (mit deutlichem Abstand vorne: Dogmatik) abgefaßt, während in AT in einigen Jahren voraussichtlich kaum noch ordnungsgemäße Berufungsverfahren möglich sein werden.
Es mag ja sein, daß meine Stichproben schlicht nicht repräsentativ sind. Ich berichte hier ja nur von meinem subjektiven Eindruck. Aber merkwürdig finde ich das schon. Was machen eigentlich die ganzen praktischen Theologen? Was die Systematiker? Gibt es in der Deutschen Kirche ein Kastenwesen? Systematisker an die Uni, Pastoraltheologen an die Front und Exegeten in die kirchliche Verwaltung?!
Das würde bedeuten: Die Systematiker denken sich auf Basis des Deutschen Idealismus (oder neuerdings des, meist leider nur unzureichend, weil nicht in seinem anti-ontologischen, rein immanent-soziologischen Anspruch verstandenen, französischen Poststrukturalismus) was Tolles[tm] aus, was die Exegeten in der Verwaltung dann entmythologisierend (wir können doch nicht Computer benutzen und an einen personalen Gott glauben!) historisch-kritisch interpretieren (was wollte der Dogmatiker welcher konkreten Gemeinde sagen, wie können wir diese Gemeinde anhand der uns vorliegenden Textfragmente rekonstruieren und was heißt das allgemein für Kirche in anderen Situationen?) und in eine Dienstanweisung übersetzen, die dann die Pastis total betroffen heideggersch-phänomenologisch interpretieren und mit um die gestaltete Mitte (einst als Altar bekannt) gruppierten mündigen Christen nach Gutdünken ausführen, sofern sie was Politisch-Moralisierendes draus machen können. - Was im Umkehrschluß bedeutet: Am Ende kommt zwar eine vergreisende entmythologisierte-politisierte Philosophie (wenn ich böse wäre: weltimmanente Gnosis), aber keine Glaubenspraxis heraus.
Vielleicht bin ich ja nur paranoid, aber selbst das hieße ja nicht, daß sie nicht hinter mir her sind...
[Update: Wie ich gerade erfahren habe, tut man an deutschen theologischen Fakultäten auch alles, um die wenigen verbliebenen Wissenschaftler unter den Exegeten auch noch in die Verwaltung zu verdrängen. In Münster sind beide Exegetenprofessuren (AT, NT) ausgeschrieben, in beiden Fällen nur mit W2 (aber immerhin wird AT mit einem Priester besetzt werden), während die Fundamentaltheologie mit W3 ausgeschrieben ist. Verrückt. Die könnten ja mal bei der Fakultät nachfragen, die seit knapp zehn Jahren die W2-Professur für alte Kirchengeschichte und Patrologie nicht dauerhaft besetzen kann, weil die wenigen Patrologen, die es noch gibt, sich nicht unter Wert verkaufen wollen...]
Was mich jetzt in den letzten Wochen erstaunt hat: In den meisten katholischen Einrichtungen landauf landab scheinen fast ausschließlich Exegeten zu sitzen, zumindest was die Laien angeht (insbesondere Ordensleute können sich ja auch nicht immer aussuchen, in welchem Fach sie promovieren). Dabei werden die meisten theologischen Dissertationen in den systematischen Fächern (mit deutlichem Abstand vorne: Dogmatik) abgefaßt, während in AT in einigen Jahren voraussichtlich kaum noch ordnungsgemäße Berufungsverfahren möglich sein werden.
Es mag ja sein, daß meine Stichproben schlicht nicht repräsentativ sind. Ich berichte hier ja nur von meinem subjektiven Eindruck. Aber merkwürdig finde ich das schon. Was machen eigentlich die ganzen praktischen Theologen? Was die Systematiker? Gibt es in der Deutschen Kirche ein Kastenwesen? Systematisker an die Uni, Pastoraltheologen an die Front und Exegeten in die kirchliche Verwaltung?!
Das würde bedeuten: Die Systematiker denken sich auf Basis des Deutschen Idealismus (oder neuerdings des, meist leider nur unzureichend, weil nicht in seinem anti-ontologischen, rein immanent-soziologischen Anspruch verstandenen, französischen Poststrukturalismus) was Tolles[tm] aus, was die Exegeten in der Verwaltung dann entmythologisierend (wir können doch nicht Computer benutzen und an einen personalen Gott glauben!) historisch-kritisch interpretieren (was wollte der Dogmatiker welcher konkreten Gemeinde sagen, wie können wir diese Gemeinde anhand der uns vorliegenden Textfragmente rekonstruieren und was heißt das allgemein für Kirche in anderen Situationen?) und in eine Dienstanweisung übersetzen, die dann die Pastis total betroffen heideggersch-phänomenologisch interpretieren und mit um die gestaltete Mitte (einst als Altar bekannt) gruppierten mündigen Christen nach Gutdünken ausführen, sofern sie was Politisch-Moralisierendes draus machen können. - Was im Umkehrschluß bedeutet: Am Ende kommt zwar eine vergreisende entmythologisierte-politisierte Philosophie (wenn ich böse wäre: weltimmanente Gnosis), aber keine Glaubenspraxis heraus.
Vielleicht bin ich ja nur paranoid, aber selbst das hieße ja nicht, daß sie nicht hinter mir her sind...
[Update: Wie ich gerade erfahren habe, tut man an deutschen theologischen Fakultäten auch alles, um die wenigen verbliebenen Wissenschaftler unter den Exegeten auch noch in die Verwaltung zu verdrängen. In Münster sind beide Exegetenprofessuren (AT, NT) ausgeschrieben, in beiden Fällen nur mit W2 (aber immerhin wird AT mit einem Priester besetzt werden), während die Fundamentaltheologie mit W3 ausgeschrieben ist. Verrückt. Die könnten ja mal bei der Fakultät nachfragen, die seit knapp zehn Jahren die W2-Professur für alte Kirchengeschichte und Patrologie nicht dauerhaft besetzen kann, weil die wenigen Patrologen, die es noch gibt, sich nicht unter Wert verkaufen wollen...]
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