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Samstag, 28. April 2012

Verfassungswidrigkeit der Familie

Wenn alles mit halbwegs rechten Dingen zugeht, müßte das Betreuungsgeld jetzt sicher sein. Als Befürworter muß man sich eigentlich nur noch genüßlich zurücklehnen und darauf warten, daß sich die Gegner um Kopf und Kragen reden. Nachdem am Mittwoch bereits Manuela Schwesig erfolgreich vorgelegt hatte (und eine coole Antwort hervorgerufen hat, die weder sie noch ihre Äußerung einer Erwähnung für würdig befand und trotzdem klar gegen sie gerichtet war), greifen die Verzweifelten jetzt zum letzten Todschlagargument: Verfassungswidrigkeit.

Dafür müssen sie allerdings ganz schöne Klimmzüge machen, die es kaum wert sind, kommentiert zu werden. Zum einen bereite der Krippenausbau keine Nachteile für die Eltern, die ihre Kinder zu hause erziehen (was für sich genommen zwar richtig, aber kein Argument ist), zum zweiten dränge das Betreuungsgeld „Eltern zu einer bestimmten Art und Weise der Erziehung ihrer Kinder“ (was bereits sachlich falsch ist, denn die Geldzahlung ist ja nicht an einen bestimmten Erziehungsstil oder bestimmte Erziehungsziele geknüpft). Daß die Eltern für Kindergartengebühren entschädigt werden müßten, werde ich mir auch merken, wenn ich für meinen nächsten Ausweis Geld auf den Tisch legen soll; immerhin scheine ich ja einen verfassungsmäßigen Anspruch darauf zu haben, kostenlose Leistungen vom Staat zu bekommen.

Na, wie gesagt: Das Ende der Debatte kann nicht mehr fern sein. Zumal auch die Zustimmung deutlich höher ist, als man angesichts des Medienechos denken könnte, insbesondere in der (möglichen) Elterngeneration (51%). Und während die Piratenpartei das Betreuungsgeld ablehnt (man prüfe diese Aussage mal anhand der dortigen Kommentare :-), hat es unter den Piratenanhängern (und nur unter den Piratenanhängern) tatsächlich einer relative Mehrheit von 47%.

Dienstag, 6. Dezember 2011

Kindermund vom Tage

Kind: "Der Nikolaus kommt in jedes Haus. In unser Haus, in das Haus, in den Kindergarten, in die Schule, in den Dom."
Vater: "In den Dom?"
Kind: "Ja, in den Dom."
Vater: "Wohnt denn da jemand?"
Kind: "Na klar!"
Vater: "Wer denn?"
Kind mit entrüsteter Stimme (Marke "Wie blöd bist Du denn, das weiß doch jedes Baby!"): "Na, Gott natürlich!"

Donnerstag, 1. September 2011

Marsch für das Leben -- Fahrt aus Thüringen

Für alle Thüringer, speziell alle Erfurter, die sich auf meinen Blog verirren: Es fährt ein Bus nach Berlin.


Anmeldungen an die E-Mail-Adresse auf dem Flyer oder an mich.

Kindermund

"Steinläuse sind gefährlicher als Kopfläuse. Die nehmen Menschen sogar Steine weg!"

Montag, 22. August 2011

Komplexe Zusammenhänge in der Politik

...gibt es nicht, da sie nicht vermittelbar sind.

2008:
"Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht einen direkten Zusammenhang zwischen der Einführung des Elterngelds und dem Anstieg der Geburtenrate in Deutschland."

2011:
"'Der Erfolg des Elterngeldes lässt sich nicht nach kurzer Zeit unmittelbar an der Geburtenrate ablesen', sagt die neue saarländische Regierungschefin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU)."

Was 2008 noch völlig durchsichtig und für jeden halbwegs denkenden Menschen offensichtlich war, ist 2011 etwas besser verpackt und nicht sogleich als Nullaussage zu erkennen. Doch suggeriert Frau Kramp-Karrenbauer, auf lange Sicht würde dennoch die Geburtenrate durch das Elterngeld steigen.

Das hat unter anderem deshalb nichts mit der Realität zu tun, weil es einen an einer steigenden Geburtenrate erkennbaren Einfluß des Elterngeldes gar nicht geben kann. Denn die Geburtenrate bezieht sich auf Lebendgeborene je 1000 Einwohner und ist damit zu einem nicht ganz unwesentlichen Teil von langfristigen und unveränderbaren Daten abhängig: der Altersstruktur der Bevölkerung.

Da unsere Gesellschaft seit mehreren Jahrzehnten zunehmend überaltert, ist schon heute klar, daß die Geburtenrate in den nächsten 30 Jahren kontinuierlich sinken wird, egal welche Anreize man setzt. Denn da es in jedem neu in den statistisch als "gebärfähig" definierten Alterskorridor (15-49) nachrückenden Jahrgang deutlich weniger potentielle Mütter gibt als im gleichzeitig nach oben herausfallenden, müßten die Jüngeren deutlich mehr Kinder bekommen, um die absolute Kinderzahl zu halten. Mit anderen Worten: Auch wenn die Zahl der Kinder pro Frau im "gebärfähigen Alter" steigt, ja selbst wenn sie die "glorreichen" 2,1 erreichen würde, kämen absolut immer noch weniger Kinder zur Welt als im jeweiligen Vorjahr. Erst wenn jahrzehntelang die Zahl jenseits der 2,1 läge, könnte auch wieder mit steigender absoluter Kinderzahl gerechnet werden.

Leider gehört Statistik nicht gerade zu den Fachgebieten, für die sich jeder Deutsche interessiert, was auch nicht sonderlich überrascht, werden doch hier nur Verhältniszahlen angegeben, die interpretiert werden müssen. Und nur deshalb kommen Politiker mit solchen Unwissenheitsoffenbarungseiden wie den beiden oben zitierten durch.

Bleibt nur die Frage, ob mit statistischen Diskussionen überhaupt die eigentliche Frage getroffen ist. Wenn nur die Angst vor dem Zusammenbruch der Alterssicherung die Menschen zum Kinderkriegen motivieren sollte, dann täten mir die Kinder leid.

Montag, 1. August 2011

Wir steigern das Bruttosozialprodukt...

Da werde ich mal wieder aufgefordet, etwas nachzuweisen, was nicht existiert, nämlich eine bestimmte Form von Einkommen. Nun ist es naturgemäß etwas schwierig, Belege für nicht-existente Einkünfte vorzuweisen, aber daran habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Ist halt so, wenn man nicht ins 08/15-Schema der Behörden paßt.

Der kleine Unterschied ist diesmal aber: Nicht nur die Behörden erwarten, daß beide Elternteile Einkünfte (wohlgemerkt fast immer: aus nichselbständiger Erwerbsarbeit; egal wie hoch die Einkünfte aus anderen Einkunftsarten sind) haben, auch eine ganze Menge Bekannte gehen wie selbstverständlich davon aus, wenn der Vater längerfristig Elternzeit nimmt, geht natürlich die Mutter arbeiten. Unabhängig davon, ob das wirtschaftlich nötig ist oder nicht, ob ein Säugling zu stillen ist oder nicht.

Mich irritieren solche Selbstverständlichkeiten. Auch wenn wir während meiner Elternzeit zu zweit zu hause sind, ist es ja nicht so, daß wir faul auf der Haut lägen. Eine Handvoll Kinder versorgt sich ja nicht gerade von selbst oder mal eben nebenbei. Sicherlich könnte auch einer alleine den Haushalt und die Kinder managen, aber ob das den Kingern gerecht wird, wenn es an der Flexibilität fehlt, auf ihre Bedürfnisse ad hoc einzugehen.

Keiner, der weiß, wovon er redet, wird wohl bestreiten, daß Kinder und Haushalt auch ohne Bezahlung als Arbeit durchgehen. Oder doch? In der FAZ war vor einiger Zeit ein Beitrag über einen Selbstversorgerbauern, der zwar nichts über seinen Eigenbedarf hinaus produzierte, aber auch keinem anderen auf der Tasche lag. Ihm wurde (explizit in einem Leserbrief) vorgeworfen, nicht zu arbeiten, mit der Begründung, er produziere ja nichts. Arbeit scheint heute gleichbedeutend mit Erwerbsarbeit zu sein, was sogar noch hinter Marx zurückbleibt.

Arbeit kann, wenn sie sinnvoll ist, erfüllend sein -- wer wollte das leugnen. Kriterium der Erfülltheit ist doch aber kaum die Gehaltszahlung. Oder doch? In der Sonntagspredigt -- eine Betrachtung über das Thema "Urlaub" -- hieß es zum Einstieg, wir wären jedes Jahr aufs Neue urlaubsreif, bräuchten eine Auszeit aus dem Streß, seien überarbeitet durch die ständige Forderung, vielleicht sogar Überforderung. Und da sei es gut, eine Unterbrechung des Alltags zu haben, im Urlaub uns Gott zuzuwenden und von ihm stärken zu lassen.

Warum lassen wir sowas mit uns machen? Ich denke, das sind alles Beispiele dafür, daß das ganze Koordinatensystem nicht stimmt. Wenn ich vom Alltag gestreßt bin, ist dann keine Zeit für Gott die Folge oder vielleicht eher sogar die Ursache? Daß ich unbedingt etwas machen oder erreichen will, wozu ich nicht befähigt und berufen bin, sondern was ich mir um meines Egos willen in den Kopf gesetzt habe? Daß Produktion von Geldwert wichtiger ist als Gott?

Update: Noch ein Indiz.

Samstag, 23. Juli 2011

Kindermeßbuchsuche

In der Reihe "Kindermeßbuchsuche" bin ich noch das -- ziemlich banale -- Ergebnis schuldig. Wir haben das Buch inzwischen gefunden. Wobei es nicht wirklich ein Kindermeßbuch ist, sondern -- das Gotteslob.

Die ganze Suche fand also ihr Ende, nachdem unser Ältester lesen gelernt hatte. Seitdem liest er meist zumindest das Hochgebet im Gotteslob mit. Das einzig "Dumme" ist, daß bei uns eher selten das zweite Hochgebet genommen wird, sondern meist das dritte oder das vierte -- da dauert es schonmal einen Moment, bis die richtige Seite gefunden ist :-)

Freitag, 17. Juni 2011

"Kirchweihe"

Gestern hatten wir eine Einladung zur "Kirchweihe". Dahinter verbarg sich die Abschlußstunde des Religionsunterrichts der Erst- und Zweitklässler in der Gemeinde. Uns wurde vorgestellt, was die vier Jungs (ja, es sind tatsächlich nur vier, und es sind alles Jungs, was einerseits rein zahlenmäßig betrachtet etwas schade ist, andererseits aber sowas wie ein pädagogischer Glücksfall ist) im letzten halben Jahr dort gemacht haben: Sie haben eine Kirche gebaut -- aus Papier und Pappe.

Die Kirche hatte (fast) alles, was eine Kirche braucht -- bis hin zur Kreuzform des Gebäudes (Kommentar der Gemeindereferentin: "Ist ja klar, braucht man nicht zu erklären." :-). Der Taufstein war am Eingang positioniert -- als "Eintritt in die Kirche". An der Stirnwand gab es einen Klappaltar -- ganz außen mit Heiligendarstellungen, unter anderem den vier Namenspatronen der Jungs, in der ersten Stufe dann Darstellungen vom Wirken und Predigen Jesu und in der letzten Stufe dann Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern. Den fehlenden Glockenturm (da fehlte die Zeit für) machten die Haupt- und zwei Nebenorgeln wieder wett. Im großen und ganzen also alles wunderbar.

Nur bei der Anordnung der Sitzbänke im Halb-Oval habe ich erst einen Schreck gekriegt, vor allem als dann auch noch die Frage kam: Warum haben wir das so angeordnet und nicht anders? Sämtliche Horrorszenarien aus dem Liturgievorlesungen/ Kirchenbauseminar kamen da in mein Gehirn geschossen. Die Antwort der Kinder war eine ganz andere: "Die Bänke bilden ein "C" wie Christus." Doch nochmal fragte die Gemeindereferentin nach: "Und warum noch? Was wollen wir sehen?" Nach der ersten Entspannung also der Schock: Jetzt heißt es gleich, die anderen, die Gemeinde, bla, blu, blups. Nein! Weit gefehlt: "Den Altar!" Klar, aus Sicht der Kinder ist die übliche Anordnung der Bänke hintereinander natürlich doof: Sie sehen nichts, außer ganz vorne (oder im Chorgestühl :-).

Alles in allem war ich sehr angenehm überrascht. Und fühlte mich bestätigt, meinen Sohn, der schon in der Schule Religionsunterricht hat, auch noch zusätzlich nachmittags in die Gemeinde zu schicken -- und mich hier im "Osten" wohl zu fühlen.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

R.I.P -- Raupe im Paradies

So lautet das Thema der RKW 2011: "eine RKW zu zentralen Aussagen unseres Glaubens über Tod und Auferstehung". Im ersten Moment war ich ja etwas irritiert (Raupe im Paradies?!), aber dahinter steht ein total schönes Bild, nämlich das der Raupe, die sich in einen toten Kokon einspinnt und als "wunderschöner Schmetterling" (da werden Erinnerungen wach :-) wieder herauskommt. Das Vorbereitungsteam hofft, daß da nicht nur den Kindern was beigebracht wird, sondern daß auch die Erwachsenen, vor allem die Eltern davon profitieren. Es wird ein eigener thematischer Elternabend empfohlen. Ne, wat find' ick dat coool! (Ein paar mehr Informationen habe ich im Netz nur im Hamburger Amtsblatt gefunden, Seiten 15/16 im PDF.)

(Und bevor sich da gleich noch einer aufregt, da sei ja gar nicht von Gericht, Fegefeuer usw. die Rede: Seid lieber froh, daß es überhaupt eine ernstzunehmende Kinderkatechese über die Letzten Dinge gibt. Zu meiner Zeit gab's das überhaupt nicht. Kommt ja nicht von ungefähr, daß sich das Vorbereitungsteam um das Verhältnis der Erwachsenen zu diesem Thema sorgt.)

Sonntag, 5. Dezember 2010

Noch'n Kommentar

Da habe ich letztens erst über die Obrigkeitsfixiertheit der Deutschen philosophiert, und jetzt macht sich die halbe Blogosphäre (Blogoezese eingeschlossen) ins Hemd, wie "die Politik" ohne Ahnung vom Internet (und von Kindeserziehung?) einen JMStV beschlossen hat, der sich furchtpahr gefährlich anhört, aber ganz eindeutig völlig wirkungslos bleiben wird.

Damit ihr Euch alle mal ein bißchen entspannt, erstmal hier lesen.

Und Euch dann bitte fragen, in welcher Weise Ihr überhaupt von den Regeln betroffen sein könntet. Richtet ihr Euch hauptsächlich an Kinder? Habt Ihr überwiegend 16+-Content in Euren Blogs? (Wenn ja, habt Ihr schon lange viel größere Probleme als den neune JMStV...)

Wenn Ihr Euch von diesem Staatsvertrag angesprochen fühlt, warum habt Ihr dann nicht alle ein vollständiges Impressum auf Euren Seiten? (Anmerkung: Ihr habt es völlig zu recht nicht, denn Ihr braucht überhaupt keins zu haben.)

Natürlich ist das ganze ein völlig untauglicher Versuch, Jugendschutz im Internet einzuführen, denn er ignoriert die prinzipielle Grenzenlosigkeit der Internets. (Elsa zum Beispiel wird zwar vermutlich überwiegend von Deutschland aus gelesen, aber unterliegt nicht den hiesigen Gesetzen.) Er ist auch deshalb ungeeignet, weil Jugendschutz durch Alterkennzeichnung nicht funktioniert und auch noch nie funktioniert hat -- entscheidendes Kriterium ist und bleibt die Verantwortung der Eltern. Nur wenn die Eltern ihre Kinder entsprechend erziehen, das heißt auch: ein Auge darauf haben, womit die sich so beschäftigen, vor allem aber die Auseinandersetzung mit dem Konsumierten fördern, werden Kinder und Jugendliche vor schädlichen Folgen bewahrt, nicht dadurch, daß man von Staatswegen was verbietet. Denn an solche Verbote halten sich nur die Jugendlichen, die von ihren Eltern einigermaßen erzogen wurden. Die "Problemjugendlichen" hingegen stammen in den seltensten Fällen aus intakten Familien. Den Schluß, was da vermutlich eher die Kausalursache ist, überlasse ich mal dem geneigten Leser.

So, und das nächste Mal erzähle ich Euch was über die Wirkungslosigkeit von pauschalen Disclaimern zur Linkhaftung...

Donnerstag, 11. November 2010

Unbezahlbar

Die Kinder vor dem Martinsumzug nochmal auf die Toilette schicken -- sinnvoll.

Schlüssel für mehrere halböffentliche Gebäude mit Toilette am Rande des Weges dabei haben -- unbezahlbar.

Montag, 26. Juli 2010

Das Grauen des Lebens

Gestern abend lief "Saving Private Ryan" im Fernsehen. Den Film habe ich erst zum zweiten Mal gesehen, trotzdem hatte sich extrem viel zielich tief eingebrannt. 1999 habe ich ihn im Kino gesehen als ich gerade selbst "durch den Schlamm robbte", also mit den Augen eines Soldaten. Damals dachte ich, das Schlimmste sei an der Front. Hatte man denn als alliierter Soldat am Strand der Normandie überhaupt eine realistische Chance? Eigentlich ist es ein Wunder, daß die Deutschen dort verloren haben (oder genauer: der taktische Fehler einer Fehleinschätzung, wo die Alliierten landen würden, war der Grund, daß die Alliierten eine Chance hatten).

Gestern habe ich ihn wie gesagt nach gut 10 Jahren zum zweiten Mal gesehen -- diemals mit den Augen eines Vaters. Vor zehn Jahren dachte ich, nach dem Anfangsteil der Landung in der Normandie, wäre das Schlimmste des Films vorbei, und was das zu Sehende angeht, stimmt das auch. Aber das Grauen wartete nicht an der Front. Das Grauen wartet zu Hause. Sowohl für die Eltern als auch für die Überlebenden. An der Front geht es nur um die Frage leben oder sterben. Auf den Tod kann man sich vorbereiten, auch wenn die Angst bleibt. Zuhause geht es darum, mit den Folgen zu leben. Mit der Auslöschung der gesamen Nachkommenschaft, mit dem Schicksal, möglicherweise als einziger zu überleben und nicht zu wissen, womit man das verdient hat -- weil es eben völlig zufällig ist. Wer überlebt, muß mit der Irrationalität des Lebens, des Bösen klarkommen, und rational kann es darauf gar keine Antwort geben. Kann man sich auf das Leben vorbereiten?

Samstag, 15. Mai 2010

ÖKT-Splitter

  • Eine Mutter ruft ihren spielenden Kindern zu: "Wir wollen jetzt wieder zum Messegelände rausfahren." Die Kinder begeistert: "Oh, toll, Kinderbetreuung!" Würden meine Kinder so reagieren, ich fragte mich, was ich falsch gemacht habe.

  • Die erste Frage bei der Podiumsdiskussion zu Gemeinschaft im Internet: "Gibt es denn jetzt ein gemeinsames Abendmahl, und wenn ja, wann und wo?" Zusammenhangslos? Ja, aber nicht zusammenhanslos genug, daß sie übergangen worden wäre: Es gibt wieder eine Hasenhüttl-Veranstaltung, natürlich nicht offiziell. Naja, wenigstens kann sich diesmal keiner mehr einreden, er hätte nichts gewußt.

Montag, 19. April 2010

Gedichte...

Zu diesem Post fiel mir noch eine Story aus der Pastoral-Vorlesung (muß wohl schon anno 2001 gewesen sein):

Ein Pfarrer habe ihm[1] erzählt, wie er von einer aufgebrachten Mutter angerufen wurde. Im von der Gemeindereferentin verantworteten Erstkommunionunterricht habe ihr Sohn aufbekommen, ein ewiglanges Gedicht auswendig zu lernen, und das ginge doch nicht, denn zum Lernen gehe der doch in die Schule. Nachdem der Pfarrer die Mutter halbwegs beruhigt hatte, fragte er dann doch mal nach, wie das Gedicht den heißen würde. "Vater unser."

[1] Huch, daß der Herr Priester ist, wußte ich bisher gar nicht...

Freitag, 29. Januar 2010

Meßbuchsuche III - Aus alten Tagen

Teil I, Teil II

Wie in Teil II angekündigt nun also der Bericht zu den Erfahrungen mit einem meiner Kindermeßbücher aus alten Tagen: Eleonore Beck und Gabriele Miller, Bilder von Irene Schreiber: Heilige Messe. Ein Buch für Kinder; Butzon & Bercker
(Kevelaer), 5. Auflage 1967.

Ich weiß, daß ich als Kind mit diesem Buch auch eher weniger anfangen konnte, und genauso scheint es meinem Sohn gegangen zu sein. Dabei finde ich es bei genauerer Betrachtung sogar ziemlich gut. Es setzt aber offenbar ältere Kinder oder zumindest schon mehr Vorwissen voraus, überfordert einen Sechsjährigen wohl noch. Bilder und Texte dazu sind vom Platzumfang auch etwa gleichgewichtig (halbe/halbe). Hinzu kommt die Besonderheit des Erscheinungsjahres.

Denn 1967 war nun wirklich eine besondere Zeit in der Liturgiegeschichte, und das spiegelt sich in dem Buch wieder. Es ist von der Struktur noch völlig auf die vorreformierte Form ausgerichtet, die Bilder zeigen jedoch schon die Zelebration versus populum - mit der Einmaligkeit, daß der Priester dabei Manipel trägt. Das ging nun wirklich nur eine halbe Dekade lang.

Die Mängel des neueren Buchs aus Teil I hat das hier freilich nicht, erst durch die veränderte nachreformerische Liturgie ergeben sich überhaupt nennenswerte Auslassungen (etwa die Fürbitten). Dafür versuchen die Bilder zum Ausdruck zu bringen, daß die Messe vor allem auch ein geistiges Geschehen ist, sie versuchen vom irdischen Geschehen auf Himmlisches oder zumindest Überzeitliches hin zu überschreiten.

Als katastrophal erwies sich freilich das Hochgebet: Der alte römische Kanon ist in dem Buch in seiner ganzen Schönheit bebildert, so daß mein Sohn natürlich keinen Zusammenhang zwischen den Bildern im Buch und dem vom Priester Gebeteten herstellen konnte. Also war ich ständig am Vor- und Zurückblättern. Und das saugt ja dermaßen...

Zwar weiß ich nicht, ob das auch für meinen Sohn der Grund war, das Buch doof zu finden (was ich schade finde), aber, wie gesagt, kann ich mich erinnern, daß ich als Kind damit auch nichts anfangen konnte. Vielleicht wäre das eher was nur für zu hause, denn da steckt einiges Potential drin.

Und das sage ich jetzt nicht (nur), weil es ausdrücklich eschatologisch endet. ;-)

Mittwoch, 20. Januar 2010

Kindermeßbuchsuche II - Hintergrund

(zu Teil I)

Warum überhaupt ein Buch über die Messe mit in die Messe nehmen? Was dort geschieht, ist doch sowieso nicht rational begreifbar zu machen. Es scheint mir tatsächlich wichtiger, daß die Kinder wahrnehmen und bemerken, den Eltern ist das wichtig, also muß es auch was Wichtiges sein. Und mit dem Papst würde auch ich alle Eltern ermutigen, mit ihren Kindern in die Messe zu gehen, selbst wenn es sich als "vertane Zeit" anfühlen sollte. Denn vertane Zeit ist es gerade deshalb nicht, weil viel weniger wichtig ist, was wir in der Messe machen, als vielmehr was Gott an uns tut.

Nun ist aber genau dieser Punkt bei meinen Kindern überschritten. Im großen und ganzen sind sie friedlich und ruhig in der Messe, und daß die Messe uns wichtig ist, haben sie wohl auch schon bemerkt. Ganz offensichtlich wollen sie jetzt aber darüber hinausgehen. Meine Tochter spricht mittlerweile einige Gebete mit, und Lieder singt sie sowieso gerne. Mein ältester Sohn aber hat da einen ganz anderen Zugang zur Realität, nämlich nicht ausprobieren und selber mitmachen, sondern still zurückgezogen zunächst beobachten. Aber auch damit scheint er jetzt an eine Grenze gekommen zu sein: Die Messe erschließt sich eben nicht durch die bloße Beobachtung der Äußerlichkeiten allein, schon gar nicht in ihrem Aufbau und ihrer inneren Logik.

Mir selbst haben die Kindermeßbücher sehr geholfen, auch wenn ich mich nicht erinnern kann, selbst auch dermaßen auf das Beobachten fixiert gewesen zu sein. Allerdings kann ich mich auch nicht erinnern, dermaßen konzentriert Buch und Meßgeschehen miteinander abgeglichen zu haben. Insbesondere nachdem ich lesen konnte und auf das Mitlesen im Gotteslob umgestiegen war, habe ich das eher als Methode, die Langeweile des Hochgebetes zu überbrücken, verstanden - mit dem Nebeneffekt, daß ich das (übliche zweite) Hochgebet bald auswendig konnte (freilich ohne es wirklich zu verstehen).

Insofern halte ich ein Kindermeßbuch für eine gute Möglichkeit, meinem Sohn einen tieferen Zugang zur Messe zu schaffen. Allerdings bleibt das Problem, ein für meinen Sohn passendes Buch zu finden. Es darf noch nicht allzu viel voraussetzen, wie das eine von meinen alten (Bericht folgt bei Gelegenheit), aber auch nicht ganze Teile der Messe - insbesondere eben das Hochgebet, denn hierin steckt ja der Kern der Eucharistie - quasi en passant abhandeln. Quadratur des Kreises?

Freitag, 8. Januar 2010

Kindermeßbuchsuche I

Ein großes Problem mit meinen Kindern in der Messe ist, wie ich ihnen einen Zugang zum Ablauf der Messe schaffen kann. Denn eigentlich habe ich ja besseres zu tun, als die ganze Zeit irgendetwas zu erklären. Gerne greife ich daher auf "Kindermeßbücher" zurück, die man den Kindern schon zu hause erklären kann, so daß sie dem Meßablauf mit Hilfe der Bücher folgen können.

Mir ist dabei schon klar, daß ein solches "Meßbuch" nie alle Erwartungen erfüllen kann. Wollte man alle Elemente der Messe mit nur einem Bild berücksichtigen, müßte man den Kindern einen ganz schönen Wälzer zumuten. Auch ist es nicht gerade einfach, das Hochgebet zu bebildern, da die vier regulären Hochgebete (von regional erlaubten oder vom einzelnen Priester improvisierten ganz zu schweigen) in Inhalten und deren Reihenfolge mitunter erheblich abweichen. Auch die Bücher, die ich als Kind hatte, mußten auswählen und kleinere Elemente einfach übergehen.

Das ist bei Irmgard Partmanns und Sigrid Leberers "Heute gehe ich in den Gottesdienst. Mein Messbuch" (Münster 2005; inzwischen vergriffen, keine Neuauflage geplant) nicht anders. Um so erfreulicher ist, daß der oft so stiefmütterlich behandelte Bußakt eine eigene Seite bekommen hat. Überhaupt ist der Wortgottesdienst relativ gut ausgefallen. Zwar gibt es kein Gloria, nur eine Lesung, keinen Psalm und auch kein Halleluja, obwohl es ganz offensichtlich um eine Sonntagsmesse geht. Doch wenn man berücksichtigt, daß vielerorts etwa der Psalm durch einen "Pausenfüller" namens "Zwischengesang" ersetzt wird, ist das durchaus zu verschmerzen.

Ein sehr unangenehmes Manko ist aber, daß die Texte zur Eröffnung/Statio und zum Evangelium einen ganz bestimmten Inhalt (Jesus sagt, daß die Kinder zu ihm kommen sollen) voraussetzen, der nun wahrlich nicht jeden Sonntag vorkommt (das wäre jedenfalls sehr zu hoffen), so daß ich diese Texte meinen Kindern auch zu hause einfach unterschlage. Das Wesen des Evangeliums in der Messe liegt doch gerade darin, daß es jedesmal ein anderes ist. Auch paßt mit diesen Texten nicht so recht zusammen, daß die Predigt den Zweck haben soll, die manchmal schwer verständlichen "Geschichten" der Bibel zu erklären. (Und daß beim Bild zum Evangelium das Mikrophon prominent die Mitte des Bildes okkupiert, sei als realsatirische Darstellung positiv vermerkt :-)

Ebenfalls hinter den Möglichkeiten zurück bleibt der Text zu den Fürbitten. Hier hätte es doch nahe gelegen, schon den Kleinsten die üblichen Fürbittintentionen nahezubringen. Stattdessen steht da was von "für alle Kinder, die keine Eltern haben; für alle, die arm sind; für alle, die keine Freunde haben". Ich glaube nicht, daß Kinder mit einer kindgerechten Umformulierung von "a) für die Anliegen der Kirche, b) für die Regierenden und das Heil der ganzen Welt, c) für alle von verschiedener Not Bedrückten, d) für die Ortsgemeinde" (AEM 46) überfordert wären. (Geht das eigentlich nur mir so: Wieso fehlen in der AEM die Verstorbenen? Selbst in den merkwürdigst liturgisch verrenkten Messen habe ich meist eine solche Fürbitte vorgefunden. Das ist jedenfalls eine Praxis, die ich auch gegen die AEM für bewahrenswert halte!)

Deutlich schwächer aber fällt die Eucharistiefeier aus. Daß der Altar mit Kerze und Blumengesteck geschmückt sowie notdürftig mit einem schmalen Altartuch bedeckt ist, ist gut beobachtet, und daß auf mehreren Bildern im Hintergrund ein Hochaltar erscheint und der erhöhte Altarraum durch sechs große Leuchter noch zusätzlich vom Kirchenraum deutlich abgetrennt ist, so daß schon fast der Anschein einer Ikonostase entsteht, mag man gar als subtilen Sarkasmus deuten. Aber warum zum Henker wird in diesem Buch ständig und zu jeder Gelegenheit gesessen?! Ausdrücklich steht die Gemeinde nur beim Credo, beim Friedensgruß und zum Segen. Bei der Eröffnung und beim Evangelium, anscheinend auch beim Vater unser und selbst bei der Wandlung sitzt die Gemeinde! Auch wenn ich das schon einmal in der Realität erleben mußte (und peinlicherweise in einer Bischofskirche!), das kann doch jetzt wirklich nicht wahr sein, oder?!

Entsprechend flach fällt bereits das einzige Bild im Buch aus, das den Gottesdienstraum überschreitet, nämlich das zum Sanctus. Statt hier die Vereinigung mit der himmlischen Liturgie im Bild umzusetzen (was an dieser Stelle ja nun wirklich nahe liegt), findet sich eine Weltkugel, auf der lauter händchenhaltende Kinder verschiedener Völker und Nationen stehen, dazu der Text: "Gott hat die Welt erschaffen. Es ist schön, auf der Welt zu sein. Wir loben und preisen Gott: 'Heilig bist du.'" Schade!

Das folgende Bild ist der Grund, warum ich das Buch letztlich doch keinem empfehlen kann: Das gesamte Hochgebet ist mit einem einzigen Bild abgehandelt. Dieses Bild zeigt die Wandlung des Brotes, der Text nennt die entsprechenden Wandlungsworte. Aber wo ist der Kelch?! Bildlich fehlt er völlig, im Text taucht er auf, doch steckt hier ein gutes Körnchen Verwässerung katholischen Glaubens (um das böse H-Wort zu vermeiden):
"Dann nimmt der Priester den Kelch mit dem Wein in die Hände und segnet[!] ihn. Mama hat gesagt, dass uns der Kelch mit Wein[!] daran erinnern[!] soll, dass Jesus für uns [immerhin!] am Kreuz gestorben ist."
Das könnte auch locker flockig ein Reformierter unterschreiben. Von "Blut" ist nirgendwo die Rede (und der "Leib Christi" kommt auch nur in der Spendeformel zur Kommunion vor, und im Satz davor ist noch vom Brot die Rede...).

Wenn ich das mit den "Meßbüchern" meiner Kindheit vergleiche, dann ist hier der größte Unterschied zu erkennen. Selbst das Buch mit den wenigsten Bildern zum Hochgebet zeigt wenigstens Präfation (wobei dafür das Sanctus fehlt), die Herabrufung des Heiligen Geistes sowie einzeln Wandlung von Brot und Wein, also (wenn man das Sanctus schon zum Hochgebet hinzuzählt) doppelt so viel Bilder wie das von Partmann/Leberer. Und wie lang kam mir immer der Teil nach der Wandlung vor! Ich vermute: Weil es lange Zeit (nämlich bis zum Vater unser) nichts zum Umblättern gab, es also "nicht weiter ging"! Genau dieser Effekt zeigte sich jedenfalls bei meinem Sohn, der (von der Predigt einmal abgesehen :-) bis dahin ziemlich eifrig und konzentriert Buch und Messe miteinander abgeglichen hatte. Natürlich stellt sich hier das oben angesprochene Problem mit den vier Hochgebeten, aber mal ehrlich: Man riskiert doch nicht wirklich etwas, wenn man vor der Messe sein Vermögen auf das zweite Hochgebet setzt, oder?!

Ab dem Vater unser ist das Buch wieder halbwegs in Ordnung. Es folgen noch Bilder zum Friedensgruß, zum Lamm Gottes, zur Kommunion und zu Schlußgebet/Segen/Entlassung, wobei die Texte auf dem flachen Niveau des Sanctus bleiben und damit meiner Meinung nach Kinder schlicht unterfordern. Daß dabei notwendig der Mahlcharakter überbetont werden muß und der Opfercharakter nur in dem nicht ganz richtigen Text zum Kelch (s.o.) vorkommt, ruft bei mir mittlerweile nur noch Schulterzucken hervor. Was ich meinen Kindern zu den Bildern erzähle, muß ja nun wirklich nicht das sein, was dasteht...

Grundsätzlich wäre noch zu kritisieren, daß alle Menschen, auch die Erwachsenen und selbst der Priester so aufdringlich freundlich, fast kindisch gezeichnet sind, daß keinerlei Ernst oder Ehrfurcht zum Ausdruck kommt; alle haben sich offenbar ganz doll lieb. Und Stanislaus würde wohl auch das große Kotzen kriegen, weil der Priester eine Stola über der Kasel trägt :-) Aber wenn das unsere größte Sorge wäre...

Fazit: Man muß ja schon fast froh sein, daß es für solche Bücher überhaupt noch einen Markt gibt, also noch genug Eltern mit ihren Kindern in die Messe gehen, anstatt sie in den "Kindergottesdienst im Gemeindehaus" abzuschieben. Und auf den ersten Blick machte das Buch ja auch einen ordentlichen Eindruck. Erst im Praxistest stellte sich die Bildauswahl beim Hochgebet als sehr unausgewogen dar. Ebenfalls erst beim näheren Betrachten fiel auf, daß hier viel zu viel gesessen und viel zu wenig Ehrfurcht gezeigt wird. Problematisch ist, daß die Bilder damit ästhetisch zum Ausdruck bringen, was auch im Text ganz offen hervortritt, wenn man darauf achtet: Hier wird ein Erinnerungsmahl dargestellt, keine katholische Messe. Das ist mir ein Ausschlußkriterium. Die Suche fängt also gerade erst an.

Montag, 28. Dezember 2009

Politisch-moralisierendes Krippenspiel

Eigentlich hatte ich ein schönes Weihnachtsfest (und eigentlich feiern wir ja noch immer, nur daß Karwoche, Oster- und Weihnachtsoktav schon fast meinen halben Jahresurlaub kosten würden :-(). Spätestens seit der ersten Lesung der Christmette kann mir das schon seit Jahren kaum mehr anders gehen:
Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.
Als dann beim Credo zumindest im Altarraum kräftig die Knie gebeugt wurden und ich am Weihnachtstag selbst auch noch das leider eher seltene Glück hatte, den Johannesprolog in seiner ganzen Schönheit zu hören, war ich endgültig versöhnt. Versöhnt? Ja, versöhnt; denn der Anfang des diesjährigen Weihnachten war alles andere als optimal: die Krippenandacht.

Freiwillig kriegen mich da sowieso keine zehn Pferde rein, dafür habe ich schon viel zu viel Merkwürdigkeiten erlebt. Auf der anderen Seite weiß ich, wie wichtig für mich als Kind die Krippenandacht war. Es gehörte einfach dazu, in die Krippenandacht zu gehen, und wenn wir wieder nach hause kamen, war das Christkind dagewesen. Deswegen sind wir mit unseren Kindern auch dieses Jahr in die Krippenandacht gegangen.

Aber, oh Graus, so was Schreckliches habe ich noch nicht erlebt! Die Krippenandacht soll doch eigentlich gerade für Kinder sein! Wie kann man dann ein durch und durch politisiertes und moralisierendes Krippenspiel aufführen?! Ständig drehte es sich um die schweren Zeiten, die arroganten Reichen, die immer reicher werden, und die armen Armen, die immer ärmer werden und mit denen keiner mehr spielen will, und ständig war ganz offensichtlich: Das sollte "Verheutigung" sein.

Als mir allmählich das Messer in der Tasche aufklappte und ich ganz und gar unweihnachtliche Gefühle entwickelte, faselte die "Maria" da vorne was von: "Mein Kind soll später bei dieser ganzen Verflucherei nicht mitmachen!" - Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida...! - "Die Bösen sind doch gar nicht so böse, denen muß man doch nur mal was Gutes tun!" - Das kommt bei Charles Dickens wenigstens ästhetisch ansprechender rüber, wird dadurch aber nicht richtiger... - "Mein Kind soll mal gut zu allen sein!" - Als ob Maria mehr als "Sie haben keinen Wein mehr" dazu zu sagen hatte! Uarghs!

Nach vierzig Minuten Krippenandacht sind wir dann endlich gegangen - Maria und Josef waren übrigens immer noch auf Herbergssuche! Ich frage mich, was so schwer daran ist, die Weihnachtsgeschichte in evangeliumsgemäßer Fassung und kindgerechter Länge zu spielen?! Warum muß da immer so viel reininterpretiert werden, was vielleicht auch irgendwo drinsteckt, aber eben doch reichlich nebensächlich ist? Ist nicht die Inkarnation, die Menschwerdung Gottes bereits in sich und auch für Erwachsene so unverständlich, daß man eigentlich nicht mehr machen kann, als sie in Bildern zum Ausdruck zu bringen? Warum muß es jedes Jahr ein neues Krippenspiel sein? Kinder brauchen gerade die Wiederholung! Meine Kinder haben nicht einmal verstanden, daß das was mit Weihnachten zu tun haben sollte! Ehrlichgesagt: Ich hätte heulen können!

Aber wahrscheinlich ist bereits den Erwachsenen selbst ein so großes Geheimnis unzumutbar. Wenn etwas nicht auf den Punkt gebracht werden kann, dann muß halt um den heißen Brei herumgeredet werden, dann muß halt die Herbergssuche endlos ausgedehnt und ausgebaut werden, die bei Lukas nur einen Halbsatz (Lk 2,7d) ausmacht. So begann also mein Weihnachten ohne Hirten, ohne Krippe - ohne Menschwerdung. Kein Wunder, daß ich in der Christmette noch nach Versöhnung suchte...